Innovativ aus Tradition

Mit pfiffigen Lösungen auf Wachstumskurs

Arku Maschinenbau gilt heute als einer der europäischen Marktführer für Coillinien. Zum Sortiment der Baden-Badener gehören Pressenvorschubanlagen, Bandvorbereitungsanlagen für Profilierer sowie komplette Zuschneidelinien. Aus gutem Grund zählt das Unternehmen zu den Top-Einhundert des deutschen Mittelstands.

15. April 2001

Angefangen hat alles im Jahr 1928, als der Blechnermeister Albert Reiss, Großvater des heutigen Firmeninhabers, in Haueneberstein vor den Toren Baden-Badens einen Handwerksbetrieb gründete. Dieser wurde nach dem Krieg von dessen Sohn Artur als blechverarbeitender Betrieb ausgebaut, bevor man Mitte der sechziger Jahre mit dem Bau von Blechrichtmaschinen begann. Mit dem Einzug der Coilverarbeitung in die blechverarbeitenden Betriebe hat sich Arku dann zu einem Hersteller kompletter Coillinien entwickelt.

Jeder ist für Innovationen zuständig

In letzter Zeit segeln die Richtmaschinenbauer mit besonders starkem Rückenwind. Die Verdreifachung des Umsatzes in den letzten sechs Jahren führt Arku- Geschäftsführer Albert Reiss auf die systematische Entwicklung neuer Kundenlösungen zurück. „Die ganze Firma ist für Innovationen zuständig, nicht wie früher eine einzige Abteilung“, sagt Albert Reiss. Arku-Neuentwicklungen werden in interdisziplinären Arbeitskreisen erarbeitet. Oft steht die Idee des Kunden am Anfang. Über Verkaufsingenieure, die das Ohr am Markt haben, werden neue Ideen ins Unternehmen getragen. Der regelmäßig tagende Arbeitskreis „Produktentwicklung“ mit Mitarbeitern aus Verkauf und Technik bewertet dann diese Ideen. Albert Reiss setzt auf den Faktor Kreativität in seinem Unternehmen und geht auch in einer stark traditionsgebundenen Branche gerne neue Wege. „Das ist kein Widerspruch“, wie er findet, „denn Innovationen haben Tradition bei uns. Durch ständiges Infragestellen hergebrachter Lösungen entstehen oft neue Ideen.“

Dafür braucht eine Maschinenbaufirma, die sich irgendwo zwischen der „new economy“ und der „old economy“ bewegt, kreative Mitarbeiter. Diese werden bei Arku gefördert - und dazu trägt auch die richtige Arbeitsatmosphäre bei. Zum Beispiel in der Arku-Cafeteria, wo sich morgens um neun die Mitarbeiter versammeln. Bei Kaffee und belegten Brötchen erfolgt ein reger Gedankenaustausch. Bei Arku versucht man bewußt, die Vorteile einer kleinen Firma auszunutzen - kurze Wege, direkte Kommunikation und eine hohe Motivation der Mitarbeiter. Die siebzig Mitarbeiter - unter ihnen zwanzig Ingenieure - sind nicht nur innovativ, sondern auch produktiv. Schließlich liegt der Pro-Kopf-Umsatz bei über 400.000 - ein Spitzenwert bei auftragsbezogener Einzelfertigung.

Impulse von den Netzwerkpartnern

Wichtige Impulse erhalten die badischen Maschinenbauer auch von ihren Netzwerkpartnern. So ist Arku Systemlieferant verschiedener Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen, für die Arku die Coilbereitstellung übernimmt. Ganz besonders gerne arbeitet Arku mit Marktführern zusammen, mit Unternehmen, die ihrerseits immer wieder neue Wege gehen. Durch die Kooperation mit Dreistern, Schopfheim, einem führenden Unternehmen für Profiliermaschinen, hat Arku auch auf diesem Gebiet ein besonderes Know-how erworben. Beim Profilieren werden deutlich höhere Produktionsgeschwindigkeiten gefahren als beim Stanzen. Wo Innovationen gefragt sind, darf auch der Draht zur Wissenschaft und der Kontakt zu den Hochschulen nicht abreißen. Und daß das ein besonders guter Draht ist, zeigt die jüngste Patententwicklung, das schlupfarme Richtmaschinengetriebe EcoPlan. Das neue Antriebskonzept entstand in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr.-Ing. Bräutigam von der FH Mannheim. Das Antriebskonzept, das den Wirkungsgrad der Richtmaschinen nach oben treibt, ist keine Eintagsfliege in Sachen Kooperation, denn der Mannheimer Hochschullehrer ist ständig an Neuentwicklungen des Arku-Teams beteiligt. Im Team „Produktentwicklung“ übernimmt er den Part der rechnerischen Beweisführung und Auslegung neuer Maschinen.

Ein wichtiger Meilenstein in der Produktentwicklung der letzten Jahre war die Vorschubrichtmaschine CompactFeed, ein platzsparendes Konzept der Pressenautomatisierung. Bei Bandvorbereitungsanlagen für Profilierer hat Arku neuartige, softwarebasierte Vorstanzanlagen auf den Markt gebracht. Im Moment baut man gerade eine neue Baureihe von Hochleistungsrichtmaschinen. Ausgestattet mit dem EcoPlan-Getriebekonzept kann die Leistungsfähigkeit dieser Richtmaschinen um über 30 Prozent erhöht werden. Auch bei dieser Produktüberarbeitung achten die badischen Tüftler auf Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit und einfache Bedienbarkeit der Maschinen. Die Kunden wissen die praxisorientierte Arbeitsweise der Baden-Badener zu schätzen. Selbst von den Automobilkonzernen hat man in der Zwischenzeit hohe Anerkennung erhalten; das heißt auf gut deutsch Folgeaufträge. In Folgeaufträgen zufriedener Kunden sieht die Arku-Mannschaft die Bestätigung ihrer Arbeit.

„Wir zählen zu den hundert besten Mittelständlern“

Besonders stolz war man Anfang dieses Jahres, als Arku mit dem „Member of TOP 100“ ausgezeichnet wurde. Die Badener dürfen sich im Jahr 2000 zu den hundert innovativsten Mittelständlern in Deutschland zählen, und Geschäftsführer Albert Reiss übertreibt nicht, wenn er sagt: „Wir zählen zu den hundert besten Mittelständlern. Wenn sich der Erfolg zeigt, macht die Arbeit doppelt Spaß. Die Auszeichnung TOP 100 ist für alle unsere Arku- Mitarbeiter ein zusätzlicher Ansporn, den Weg der Innovation weiterzugehen.“ Man darf also von den Badenern in den nächsten Jahren noch einiges erwarten.

Richttechnik - und mehr...

Nach dem Motto: „Richttechnik - und mehr...“ hat sich Arku vom Spezialisten für Richttechnik zum innovativen Anbieter kompletter Coilanlagen entwickelt. Das Badener Unternehmen realisiert Vorschubanlagen zur Pressenautomatisierung, Bandvorbereitungsanlagen für Profilierer und Zuschneidelinien.

Die Pressenvorschubanlagen zeichnen sich durch kurze Rüstzeiten und hohe Anlagenverfügbarkeit aus. Mit der Entwicklung des CompactFeed gelang Arku Anfang der neunziger Jahre ein Durchbruch bei den Kurzbauformen. Mit den Kurzbauformen können Bandschlaufenüberbrückungen eingespart werden. Bei dickem Material kann dadurch eine Pressenstraße um gut 10 m verkürzt werden. Mit einer Pressenvorschubanlage, wie CompactFeed, die auf kurze Rüstzeiten ausgelegt ist, kann die Produktivität einer Pressenstraße deutlich erhöht werden.

Die typischen Kunden für Arku-Pressenvorschubanlagen sind mittelgroße bis große Zulieferer der Autoindustrie. Auch mit der Autoindustrie direkt wickelt man seit einigen Jahren immer größere Aufträge ab. „Unsere Firma ist heute auch von der Organisation in der Lage, komplexe Projekte für Autokunden erfolgreich abzuwickeln“, so Arku-Geschäftsführer Albert Reiss. Deshalb hat man in den Aufbau eines schlagkräftigen Projektmanagements in den letzten Jahren viel investiert. Flexibilität ist das A und O des Anlagenbaus. Schließlich werden heute gewichtigere Coils und dickere Bleche nachgefragt. Deshalb sind Anlagen mit Coilgewichten von 20 t und mehr keine Seltenheit mehr. Auch bei Blechdicken geht es aufwärts: So hat Arku im August 2000 eine Pressenvorschubanlage an einen namhaften Feinstanzer geliefert, mit der Blechdicken bis 16 mm abgewickelt und gerichtet werden.

Schneller beim Profilieren

In der Richttechnik liegt auch der Ursprung von Arku als Maschinenbauer. Und genau dort hat man im Jahre 1998 eine bahnbrechende Idee entwickelt und als patentierte Lösung inzwischen auf den Markt gebracht. Die Rede ist vom neuen Richtmaschinenantrieb EcoPlan. Durch optimiertes Drehmoment konnte die Leistung von Richtmaschinen um bis zu 30 Prozent erhöht werden - einfach dadurch, daß man Verspannungen im Getriebe beseitigt hat.

Erschienen in Ausgabe: 09/2000