11. DEZEMBER 2018

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Vorsprung durch Technik


Fokus/Schweißen

Mit der Ziffernfolge 4.0 konnten noch auf der letzten Euroblech die meisten schweißtechnischen Unternehmen nicht viel anfangen. Das dürfte in diesem Oktober anders sein; und ganz anders bei EWM, denn in Mündersbach ist Welding 4.0 schon lange ein ganz zentrales Thema.
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Den Westerwald, vielen nur aus einschlägigem, etwas aus der Zeit gefallenem Liedgut bekannt, haben schon Millionen Menschen durchquert, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die ICE-Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt führt mitten hindurch, doch mancher ICE hält gar nicht in Montabaur, einem der vier deutschen Bahnhöfe, die für 300 km/h Durchfahrgeschwindigkeit zugelassen sind. Klischeehaft wird die Region im nördlichen Rheinland-Pfalz nicht nur deshalb als Gegend beschrieben, an welcher der Zug der Zeit gelegentlich vorbeifährt. Doch wer einmal rechts und links der ICE-Trasse unterwegs ist, der stellt schnell (!) fest, dass sich der Westerwald in vielerlei Hinsicht durchaus auf der Höhe der Zeit befindet, denn etliche Hightech-Unternehmen und Hidden Champions sind hier zu Hause: Im 800 Einwohner zählenden Mündersbach sitzt beispielsweise die EWM AG, die in der Entwicklung der Schweißtechnik einer der Treiber schlechthin ist. So sieht das zumindest die Gründer- und Inhaberfamilie, und bbr, das Fachmagazin für Fügetechnik und investigativen Skeptizismus, hat nachgefragt – natürlich ein bisschen um die Ecke. Ein Interview mit der Aufsichtsratsvorsitzenden Susanne Szczesny-Oßing.

Vor kurzem haben Sie am Hauptsitz in Mündersbach mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes begonnen, auch die Produktionsstätten sollen erweitert werden. Warum?

Wir bauen aktuell an verschiedenen Standorten, denn EWM wächst beständig. In den vergangenen Jahren haben wir vor allem unser Netz an Vertriebsstandorten in Deutschland kontinuierlich erweitert, um möglichst nahe am Kunden zu sein. Jetzt investieren wir auch in die Prozesse an unserem Gründungs- und Heimatstandort Mündersbach. Bisher ist unsere Verwaltung, historisch bedingt, sehr dezentral auf verschiedene Gebäude verteilt. In unserem neuen, 1.800 m² großen Bürokomplex bündeln wir die gesamte Verwaltung wieder unter einem Dach und erhöhen damit nachhaltig unsere Effizienz. Zusätzlich schaffen wir auf 3.000 m² mit einer neuen Produktions- und Logistikhalle weitere Kapazitäten, um die Nachfrage nach unserer hochmodernen Schweißtechnik auch langfristig bedienen zu können.

Wie schafft es EWM, weiterhin so stark zu wachsen – trotz einer Konkurrenz, die sich ja auch nicht gerade dumm anstellt?

Besonders vor unseren europäischen Wettbewerbern haben wir großen Respekt. Sie gönnen uns keine Sekunde Ruhe und spornen uns dazu an, permanent am Ball zu bleiben.

Wir sind immer gewachsen, oft auch gegen den Trend. EWM war ursprünglich Komponentenentwickler und -hersteller. Wir kommen aus der Elektronik und nicht aus dem Maschinenbau. Das heißt, wir stecken sehr tief im Thema und waren unserer Zeit damit immer voraus. Das war schon bei meinem Großvater so und wurde von meinem Vater und meinem Onkel weitergeführt. Wir haben so vieles vorweggenommen, was später zum Standard wurde. Das machte uns zu einem der Technologieführer und dadurch auch zum größten Hersteller in Deutschland.

1993, ausgerechnet in einem Krisenjahr, begann die Entwicklung von EWM vom Komponenten- zum Gerätehersteller. Wie kam es dazu?

1993 war nicht nur für den Maschinenbau konjunkturell ein schwieriges Jahr, sondern erst recht technologisch für die Lichtbogenschweißtechnik, der man das Ende prophezeite, weil der Laser und die Roboter alles besser machen würden. Unsere damaligen Kunden hatten die Gefahr nicht erkannt, wollten sich infolgedessen auch nicht an den F+E-Kosten beteiligen, und wir wären möglicherweise mit ihnen untergegangen.

Warum hat EWM sich dennoch am Markt behauptet?

Mein Vater hatte bereits frühzeitig erkannt, dass neue Technologien, wie die Digitaltechnik, zu einer erneuten Aufwertung des Lichtbogenschweißens führen können. Mit der Entwicklung hin zum Gerätehersteller wurden wir quasi über Nacht zum Wettbewerber unserer Kunden. Wir mussten also als No-Name-Hersteller – unsere Komponenten waren ja nicht gelabelt – den wegbrechenden Umsatz bei den bisherigen Kunden mit den eigenen Schweißgeräten überkompensieren. Das konnte uns nur durch einen Vorsprung in der Technik gelingen, für den wir bis heute jeden Tag hart arbeiten: Unsere Fertigungstiefe ist extrem – typisch für ein Familienunternehmen. Die Haltbarkeit unserer Produkte ist dementsprechend hoch. Wir überzeugen mit Premiumqualität und liefern den Kunden damit die perfekte Grundlage für optimale Schweißergebnisse.


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Ausgabe:
bbr 06/2018
Unternehmen:
Bilder:
Bild: EWM
Bild: EWM
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