20. JUNI 2018

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Gestaltungswillen, Demut, Selbstreflexion


Nur sieben von 57 amerikanischen weiblichen CEOs wussten schon früh, dass sie einmal an der Spitze eines Unternehmens stehen wollen. Der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry ist es mit Unterstützung der Rockefeller Foundation gelungen, Erfolgsfaktoren amerikanischer Frauen in Spitzenpositionen zu erheben.

57 Frauen hat Korn Ferry interviewt. Darüber hinaus haben die CEOs alle Assessments durchlaufen, die auch bei der Besetzung von CEO-Positionen durchgeführt werden. Christiane Sauer, Senior Client Partner bei Korn Ferry, erklärt: „Das ermöglicht einen umfassenden Einblick in die Persönlichkeit, Motivationsfaktoren und Kompetenzen.“ Aus dem Studienbericht fallen sechs Ergebnisse ins Auge, die auf eine Mehrheit der Teilnehmerinnen zutreffen.

1. Karriere nicht als Selbstzweck: Sieben Prozent wollten nie CEO werden
Nur zwölf Prozent der Teilnehmerinnen haben schon sehr lang darauf hingearbeitet, eines Tages ein Unternehmen zu führen. 16 Prozent ist die Idee erst gekommen, als sie in ihrer Karriere schon in einer Position im oberen Management angekommen waren. 65 Prozent mussten zunächst von einem Dritten auf die Idee gebracht werden, ein solches Amt anzustreben. Und sieben Prozent geben zu, dass Sie diesen Schritt nie geplant hatten.

2. Motivation: Problemlösungsorientierung und Gestaltungswillen
Die 57 Teilnehmerinnen haben vor allem in den Bereichen Herausforderungen und Unabhängigkeit überdurchschnittliche Werte erzielt. Viele haben in den Interviews berichtet, dass sie stets beweisen wollten, dass Probleme lösbar sind. Unabhängigkeit bedeutet in diesem Kontext das Streben danach selbst zu gestalten. „Die weiblichen CEOs bringen unternehmerisches Denken mit“, sagt Christiane Sauer. „Allerdings ist in den Gesprächen auch aufgefallen, dass bei aller Problemlösungsorientierung und Gestaltungswillen die eigene Karriereplanung aus den Augen geraten ist. Das erklärt auch, warum so viele von Dritten auf das Amt des CEO gebracht werden mussten.“

3. Frauen kommen später an: Durchschnittsalter beim Amtsantritt weiblicher CEOs ist 51 Jahre, männlicher 47
Der Fokus auf Fachkompetenz und Leistung spiegelt sich auch im Antrittsalter weiblicher CEOs wider. Frauen starten als CEO tendenziell mit mehr Lebenserfahrung und einer höheren Diversität ihres beruflichen Werdegangs. Korn Ferry hat die biographischen Daten aller im Jahr 2017 amtierenden CEOs im Fortune 1000 analysiert. Das Ergebnis: Frauen treten durchschnittlich vier Jahre später ihr Amt an. Sie bringen Erfahrung in zwei unterschiedlichen Funktionen sowie zwei unterschiedlichen Industrien mit.
 
4. Akademischer Hintergrund: MINT-Fächer oder BWL dominieren
40 Prozent der weiblichen CEOs haben einen Abschluss in naturwissenschaftlichen Fächern (MINT), 19 Prozent in BWL, 16 Prozent in Jura und 21 Prozent in sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern. „Frauen tendieren dazu, Disziplinen und Herausforderungen zu wählen, bei denen ein klar messbares Ergebnis zustande kommt“, sagt Christiane Sauer. So konnten sie vor allem auf glasklare Ergebnisse auf sich aufmerksam machen. Damit sind sie Vorreiter eines Trends, der für Unternehmen heute grundsätzlich gilt: dem Einräumen von Chancen gegenüber denjenigen Kandidatinnen und Kandidaten, die nachhaltigere Erfolge produzieren.“

5. Zielkoordinaten: 23 Prozent der Befragten zählen die Entwicklung einer positiven Unternehmenskultur als eine ihrer wichtigsten Erfolge
39 der 57 Teilnehmerinnen haben angegeben, dass für sie ein Sinn in ihrer Tätigkeit besonders wichtig ist. Sinn bedeutet hier ein positiver Einfluss auf Mitarbeiter und das Umfeld des Unternehmens. Dazu gehört auch, dass knapp ein Fünftel die Entwicklung einer positiven Unternehmenskultur als eines ihrer wichtigsten Ziele ansieht. Ein Zitat aus den Gesprächen: „Natürlich haben unsere Shareholder viel Geld verdient und wir haben alle unsere Ziele erreicht. Aber Erfolg macht mehr aus. Da sind die Fragen: Was hast du für deine Leute und die gesamte Gemeinschaft erreicht?“ Als Merkmale einer positiven Unternehmenskultur wurden Fairness, Ehrlichkeit und Offenheit genannt.

6. Charaktereigenschaften: Mehr Demut und hohe Selbstreflexion
Frauen treten demütiger auf und erkennen die Leistung anderer stärker an. Das wurde in den Assessments belegt. Und so schnitten Frauen beim Faktor Demut im Vergleich zu den Best-in-Class CEOs überdurchschnittlich ab. „Frauen sind in der Lage, Personen, die einen Beitrag zum Erfolg geleistet haben, deutlich mehr Respekt entgegen zu bringen.

Datum:
15.02.2018
Unternehmen:
Bilder:
Korn Ferry

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