19. JUNI 2018

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Produktionsplus in der Werkzeugmaschinenindustrie


Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie stellt erneut einen Produktionsrekord auf. 2017 konnte die Branche vier Prozent zulegen und wird damit nach vorläufigen Ergebnissen ein Volumen von rund 15,7 Milliarden Euro realisieren. Für 2018 erwartet der VDW ein Produktionsplus von fünf Prozent.

2017 war erneut der Export Treiber der Entwicklung. 71 Prozent der deutschen Werkzeugmaschinen wurden im Ausland verkauft. Die Ausfuhren zogen um acht Prozent auf 10,1 Milliarden Euro an. Der Inlandsabsatz schrumpfte im gleichen Zeitraum um drei Prozent.

Zugpferd für die deutschen Ausfuhren war Amerika mit einem Fünftel Anstieg. Überproportional legten Brasilien und Mexiko zu. Erfreulich entwickelte sich auch die USA als zweitwichtigster Markt, die sich ebenfalls mit einem Fünftel Zuwachs exakt auf Linie bewegt. „Demnach investiert die US-amerikanische Wirtschaft und wir als Ausrüster für die Industrie partizipieren davon“, sagt Prokop.

Die deutschen Ausfuhren nach Asien haben sich im vergangenen Jahr erholt. Das ist in erster Linie China zu verdanken. Die Nachfrage sorgte für einen Exportzuwachs von nahezu einem Fünftel.

Das gute Umfeld wirkte sich positiv auf die Beschäftigung aus. Sie lag im Dezember bei fast 72.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und damit 2,7 Prozent über Vorjahr. Damit wurde die Beschäftigung seit dem Tiefstand 2010 nach der Finanz- und Wirtschaftskrise um fast 20 Prozent aufgebaut.

Deutschland im Weltmarkt bestens positioniert
In der Produktion belegten die deutschen Hersteller nach Schätzungen Platz 2 der wichtigsten Produzenten – nach China und vor Japan. „Hier gilt jedoch Klasse statt Masse“, relativiert Prokop den zweiten Platz. China produziere vielfach Low Tech in großen Stückzahlen für den heimischen Markt und für Entwicklungsländer. Das belegt der Durchschnittspreis einer chinesischen NC-gesteuerten Maschine von 39.000 Euro im Vergleich zu 322.000 Euro für eine deutsche NC-Maschine.

Im Export blieb Deutschland 2017 mit Abstand Exportweltmeister vor Japan und Italien.

2018 knacken Hersteller 16-Milliarden-Euro-Marke
Für 2018 sind die Aussichten sehr gut. „Zum einen wächst die Weltwirtschaft, zum anderen soll der internationale Werkzeugmaschinenverbrauch um 3,6 Prozent zulegen“, erläutert Prokop. Das sei vor allem Europa zu verdanken. Amerika lege ebenfalls kräftig zu, während sich die Dynamik in Asien aufgrund des hohen Zuwachses 2017 wieder abschwäche.

Die Bestellungen zogen 2017 um acht Prozent an. Die inländischen Aufträge stiegen um zehn Prozent, die ausländischen Orders lagen bei sieben Prozent Plus. Spannend ist die Betrachtung der einzelnen Monate: „Sanken die Aufträge im ersten Halbjahr insbesondere im Inland noch zweistellig, löste sich im zweiten Halbjahr der Knoten“, sagt  VDW-Vorsitzender Prokop. Danach schnellten die Inlandsaufträge mit 41 Prozent im Oktober, 67 Prozent im November und 37 Prozent im Dezember nach oben.

Feuerwerk an Inlandsaufträgen
„Das zweite Halbjahr hat den Durchbruch im Inland gebracht“, sagt Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des Branchenverbands VDW. Im vierten Quartal 2017 stieg der Auftragseingang der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent. Die Auslandsorders wuchsen um 13 Prozent.

Das Bestellfeuerwerk ist auf die gute Weltwirtschaftslage zurückzuführen: Rund um den Erdball läuft die Wirtschaft bestens. Investitionen in Werkzeugmaschinen steigen in allen Regionen. „Die Abnehmerbranchen versprechen sich gute Geschäfte und bauen ihre Kapazitäten aus“, resümiert Schäfer. „Davon profitiert die Werkzeugmaschinenindustrie“, sagt er weiter. Zuletzt habe auch die Umformtechnik wieder Großaufträge eingefahren, die in den Monaten zuvor fehlten.

Die Produktion 2017 erreicht mit einem Plus von vier Prozent und 15,7 Milliarden Euro einen erneuten Rekord. Die anziehenden Aufträge gewährleisten eine Fortsetzung des deutschen Produktionswachstums. Mit fünf Prozent Plus könnte sie 2018 erstmals die 16-Milliarden-Euro-Marke knacken.

Fachkräftemangel könnte Entwicklung torpedieren 
Die florierende Konjunktur und guten Aussichten sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche vor Herausforderungen steht. Um die prognostizierte Produktion zu realisieren, müssen die Unternehmen ihre Kapazitäten mobilisieren. Dem stehen vielfach Personalengpässe gegenüber. In bestimmten Berufen, beispielsweise beim Mechatroniker oder IT-Fachkräften, und vor allem in ländlichen Regionen ist der Fachkräftemarkt leergefegt.

„Der zahlenmäßige Engpass an Fachkräften treibt nach unseren Beobachtungen die Automatisierung voran“, berichtet Prokop. Viele Werkzeugmaschinenanbieter denken vermehrt in Richtung autonome Maschine, die Bearbeitungsprozesse unabhängig von der Verfügbarkeit eines Bedieners durchführt.

Tatsächlich geht es jedoch um die Qualifikation der Mitarbeiter. Die Branche muss den Wandel hin zu Digitalisierung und Vernetzung im Zusammenhang mit Industrie 4.0 bewältigen und die eigene Produktion umstellen. Unternehmen, die additive Fertigungsverfahren anbieten und einsetzen wollen, brauchen Konstrukteure neuen Typs, die den Vorteil der Verfahren in Produkte umsetzen können.

„Der Fachkräftemangel kombiniert mit weiterer Arbeitszeitverkürzung, wie derzeit von der Gewerkschaft gefordert, könnte die positive Gesamtentwicklung der Branche torpedieren“, gibt Prokop zu bedenken. Für viele kleine und mittlere Unternehmen dürfte es unmöglich sein, Ausfälle durch Arbeitszeitverkürzung zu kompensieren.

Elektromobilität bietet Chancen
Damit sich der Aufschwung der vergangenen Jahre fortsetzt, muss die Werkzeugmaschinenindustrie am Ball bleiben. Insbesondere für die vielen mittelständischen Unternehmen, deren größter Kunde die Automobilisten und ihre Zulieferer sind und die sich mit ihrem Angebot voll auf sie eingestellt haben, ist der Wandel zur Elektromobilität eine große Herausforderung. „Grund genug, mögliche Szenarien zu analysieren“, sagt Heinz-Jürgen Prokop.

Der VDMA legt dazu in Kürze eine neue Studie vor, an der auch der VDW beteiligt ist. Das wichtigste Ergebnis für die Werkzeugmaschinenindustrie lautet: Bis 2030 wurde der Anteil rein elektrogetriebener Personenkraftfahrzeuge in Europa, USA und China mit etwa einem Fünftel der Neuzulassungen berechnet. Im Umkehrschluss werden 60 Prozent der Neuzulassungen mit steigender Tendenz Hybridfahrzeuge in unterschiedlichen Kombinationen sein, und der Rest optimierte Verbrennungsmotoren.

Der damit ausgelöste Rückgang des Zerspanvolumens wird einerseits durch die weltweite Zunahme der PKW-Zulassungen kompensiert – angetrieben durch den steigenden Bedarf in China. Andererseits steigt die Komplexität optimierter Verbrennungstechnik kombiniert mit elektrischen Antriebskonzepten.

Dafür steigen die Anforderungen an präzise Produktionstechnik. Beispiele sind: die Reduzierung der Geräuschemissionen im Getriebebau, der höhere Verschleiß von Bauteilen, der beim Umschalten vom Elektro- auf den Verbrennungsmotor bei höheren Geschwindigkeiten entsteht; die stärkere Auslegung von Bremssystemen aufgrund des Batteriegewichts; die flächendeckende Ausrüstung mit Turboladern.

Hinzu kommen Produktionssysteme für die Fertigung von Komponenten für elektrische Antriebe. Diese Beispiele zeigen, was Fertigungstechnik künftig leisten muss. „Allein deshalb behält die Werkzeugmaschine ihre hohe Bedeutung im Fertigungsprozess der Automobilindustrie bei, wenn der Wandel hin zu umweltfreundlicherer Mobilität gelingen soll“, resümiert Prokop.

Datum:
12.02.2018
Unternehmen:
Bilder:
VDW
VDW

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