19. JUNI 2018

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Grosse Chance


Technik

Maschinenbauer sind eher konservativ, oder sagen wir vorsichtig: Neuen technischen Lösungen begegnen sie in der Regel mit neugieriger Skepsis. Anders die Hersteller von Wasserstrahlschneidanlagen: Sie sehen im Suspensionsverfahren, bisher nur in Mobilanlagen, eine große Chance. Während der Blechexpo fand eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde zum Thema ›Consus‹ statt.
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Marco Linde: Auch die Wasserqualität spielt eine Rolle für den Düsenverschleiß. Wir haben in einem Kernkraftwerk vollentsalztes Wasser benutzt, und das hat selbst eine Hochleistungsdüse nach wenigen Minuten zerfressen. Das VE-Wasser bricht auf der ›Suche‹ nach Kohlenstoff die Diamantmatrix auf.

Franz Trieb: Auch die Hockdruckpumpen mögen VE-Wasser nicht. Das Wasser holt sich bei hohem Druck CO2 aus der Luft, und das macht auch Edelstahl kaputt. Es gibt aber Additive, die das Problem lösen. Auch für unterschiedliche Wasserhärten, für Silikate und so weiter gibt es geeignete Zusätze. Vor allem wenn eine Pumpe nur gelegentlich genutzt wird, setzt sich Kalk ab und wirkt beim Wiederanfahren wie Schmirgel. Konstanter Betrieb ist für die Pumpenlebensdauer am besten.

Ralf Winzen: Wenn man Leitungswasser im unteren Drittel der in Deutschland üblichen Härte hat , also 4 bis 13° dH, kann man das bedenkenlos für Kolbenpumpen einsetzen und 600 bis 800 Stunden erreichen. Es sind weniger die Kalzium- und Magnesiumkarbonate, die Probleme machen, sondern diese Silikate, die bei der Kompression über 4.000 bar ausfallen und wie Mikroabrasive wirken. Durch geeignete Additive kann man diese Silikate einbetten, im Wortsinne entschärfen und so die Lebensdauer der Dichtungen etwa verdoppeln.

Heinz Eichhorn, Business Development Manager, Innomax: Für das Injektorverfahren kann man Wasser bis 40° Gesamthärte benutzen. Mehr kommt in Mitteleuropa praktisch nicht vor.

Sven Anders, Geschäftsführer, STM Deutschland (ehemals Maximator Jet): Es lohnt sich auf jeden Fall, eine detaillierte Wasseranalyse vorzunehmen, um festzustellen, wie das wichtigste Medium im Einzelfall überhaupt aussieht. Das ist der erste Schritt, den wir mit allen Neukunden gehen.

Herr Linde, Sie haben den Einsatz des Suspensionsverfahrens in stillgelegten Kernkraftwerken erwähnt. Da haben Sie lange Leitungen. Das Gleiche gilt für die Bombenentschärfung. Was bedeutet das für die Steuerung am Schneidkopf?


Marco Linde: Verfahrensbedingt verhält sich derzeit die Nachlaufzeit der Suspension proportional zur Schlauchlänge. Liegt kein Abrasivmittel mehr am Schneidkopf an, kann der Systemdruck über die Pumpe heruntergefahren werden. Noch können wir nicht in Millisekunden reagieren. Wir arbeiten an dieser Herausforderung, etwa durch Bypass-Schaltungen direkt vor dem Schneidkopf.

Was sind die Vor- und Nachteile des Suspensionsverfahrens?


Ralf Winzen: Früher wurden Suspensions- und Injektoranlagen völlig unterschiedlich eingesetzt: Suspensionsanlagen waren mobil, kamen wortwörtlich zum Einsatz, während Injektorköpfe auf stationäre Flachbettmaschinen montiert waren. Das heißt, wenn jemand seine Haustür vergrößern oder sein Kernkraftwerk zerlegen oder einen Bombenzünder entfernen wollte, konnte er bei ANT anrufen und eine mobile, im Wesentlichen aus zwei kleinen Einheiten, nämlich der Druckerzeugung und dem geführten Schneidkopf, bestehende Anlage kommen lassen. Der Kopf kann ferngesteuert oder per Roboter geführt werden, so dass sich kein Mensch in Gefahr begeben muss.


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