22. JUNI 2018

zurück

kommentieren drucken  

Kleben statt schweißen


Landwirtschaftliche Maschinen sind immer größer und schwerer geworden. Das ist insbesondere deshalb ein Problem, weil durch die schweren Geräte eine hohe Bodenverdichtung erfolgt und das Pflanzenwachstum erschwert. Deshalb müssen die Maschinen leichter werden. Dieser Herausforderung stellt sich die FH Münster.

Landmaschinen werden vorzugsweise aus Stahl hergestellt, sie sind größtenteils geschweißt und deshalb so schwer. „Wir wollen zeigen, dass Stahl nicht nur geschweißt, sondern auch geklebt werden kann“, sagt Prof. Dr. Gerhard Kötting, Leiter des Werkstofftechniklabors der FH Münster. „Denn diese Technik eignet sich besonders für den Leichtbau.“

Dass das funktioniert, wurde bereits in Voruntersuchungen nachgewiesen. „Klebverbindungen haben einen großen Vorteil: eine hohe Festigkeit hochfester Stähle bei dynamisch einwirkenden Belastungen. Dadurch können gleichzeitig die Wanddicken reduziert werden, und die Bauteile werden leichter“, sagt Miriam Laubrock. Die Ingenieurin hat Maschinenbau an der FH Münster studiert. Sie ist verantwortlich für die Projektdurchführung und promoviert zu diesem Thema.

Kleben im Automobilbau weit verbreitet
„In anderen Branchen, etwa im Automobilbau, ist die Klebtechnik schon weit verbreitet“, sagt Laubrock. „Jetzt wollen wir zeigen, dass sie auch zielführend im Landmaschinenbau eingesetzt werden kann – und zwar ohne Bedenken, was Langlebigkeit und Sicherheit betrifft.“

Bislang fehle es an systematischen Untersuchungen, weshalb sich die Hersteller noch nicht getraut hätten, auf gewichtsreduzierende Alternativen durch Klebverbindungen zu setzen. Doch das Interesse sei da. „Wir kooperieren mit 22 Unternehmen, das heißt mit Landmaschinen- und Anlagen-, Stahl- und Klebstoffherstellern. Dabei ist das Thema Leichtbau ein Schwerpunkt an unserem Fachbereich Maschinenbau“, so Laubrock.

Im Labor testet die Ingenieurin verschiedene Klebstoffe und Stähle. Dazu stellt sie Bauteilproben her: „Wir schneiden die Stähle zu, behandeln die Oberflächen vor und applizieren den Klebstoff. Anschließend erfolgt das Fügen und Aushärten der Klebschichten. Die Prüfteile gehen dann an mitwirkende Unternehmen, um sie fachgerecht zu lackieren. Danach folgen die Belastungstests an der FH Münster.“

Jauche oder Düngemittel im Test
Die durch die Bauteilproben gewonnenen Erkenntnisse überträgt sie dann auf reale Maschinenkomponenten, die von den beteiligten Maschinenherstellern vorgeschlagen werden. „Diese haben Modellcharakter für den Landmaschinenbau und sollen die Umsetzbarkeit in die Praxis hinsichtlich Konstruktion und Fertigung demonstrieren.“

Im Februar ist das Projekt gestartet. „Wir wollen darlegen, dass die Qualität durch das Kleben genauso gut ist wie durch das Schweißen“, sagt Laubrock. Verschiedene Herausforderungen gebe es dabei zu bewältigen, darunter zum Beispiel die Beständigkeit gegenüber Korrosionsbelastung. „Wir prüfen aggressive landwirtschaftstypische Medien, wie Jauche oder Düngemittellösungen.“

Bis April 2019 läuft das Projekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) sowie der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) gefördert wird. „Für uns ist das ein großer Erfolg, denn damit wurden gleich zwei beantragte Forschungsvorhaben bewilligt“, sagt Kötting. Die FH Münster kooperiert dabei mit dem Laboratorium für Werkstoff und Fügungstechnik der Universität Paderborn.
 
Studierende einbinden
„Uns ist wichtig, Studierende in die Forschung zu integrieren“, so der Hochschullehrer. „Deshalb ist das Forschungsprojekt in Teilpakete aufgeteilt, die von den Studierenden in Form von Projekt- und Abschlussarbeiten im Rahmen ihres Bachelor- oder Masterstudiums bearbeitet werden. Derzeit sind sieben Studierende in die Forschungsprojekte eingebunden.“

Datum:
05.09.2017
Unternehmen:
Bilder:
FH Münster/Pressestelle
FH Münster/Pressestelle

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere News in unserem Newsarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Themenvorschau bbr (PDF)

bbr Bänder Bleche Rohre - Themenvorschau

   Themenvorschau 5-2018

bbr Sonderhefte und Supplements