20. NOVEMBER 2018

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»Die hält noch mal 20 Jahre«


›Väter und Söhne‹ – so könnte die Überschrift auch lauten, wäre dieser Titel literarisch nicht schon anderweitig besetzt. Wer wissen will, warum der Alternativtitel ebenfalls passen würde, muss die folgende Geschichte lesen.
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Den wenigen, die nicht auf Anhieb wissen, wo Riederich liegt, kann geholfen werden: zwischen Nürtingen und der Outletcity Metzingen oder, wenn man die Achse etwas dreht und dehnt, zwischen dem Mittelzentrum Kirchheim unter Teck und der Großstadt Reutlingen, also Orten, die alles bieten, was der Mensch, egal, welchen Alters, so braucht. Wer Reutlingen hört, denkt zudem auch gleich an Tübingen, neben Freiburg, Heidelberg und Marburg die deutsche Studentenstadt schlechthin.

Naturliebhaber finden im Biosphärenreservat Schwäbische Alb um Bad Urach im Emstal, was ihre Herzen erfreut – außer einem kilometerlangen Sandstrand vielleicht. Wenn man zudem harte Getränke mag, in diesem Falle Leitungswasser, kann man in Riederich richtig glücklich werden – zumal es kein Problem ist, dort gute Arbeit zu finden.

So ein Glückspilz ist Mathias Vogel, Inhaber und Geschäftsführer der KBS Vogel GmbH. KBS steht für Kamin-, Behälter- und Stahlbau und bezeichnet einen echten Heavy-Metal-Betrieb, in dem meist dicke Bleche und Profile gebogen werden. Wanddicken unter 5 Millimetern sind die Ausnahme, über 25 Millimeter eher normal als selten. Zunächst hatte der Tätigkeitsschwerpunkt auf Kaminen und Behältern gelegen, später kam die Anarbeitung dazu, die damals mehr einbrachte als Fertigprodukte und heute das Hauptgeschäft ist. KBS Vogel gibt es seit 40 Jahren, und das ist angesichts des hohen Anteils an manueller Arbeit in unserem Hochlohnland keine Selbstverständlichkeit, auch wenn der Transport sperriger und schwerer Stahlteile durchaus ins Geld gehen kann.

Wer jetzt glaubt, KBS beliefere nur die nähere Umgebung und nütze die große Saugkraft der Region Stuttgart, täuscht sich allerdings gewaltig. KBS ist international tätig und konkurrenzfähig. Paradebeispiel ist eine Wendeltreppe für einen optisch an den Londoner Clock Tower nachempfundenen Turm in Mekka, ein Beispiel, das auch eine wesentliche Abnehmerbranche kennzeichnet: die Bauindustrie. Dass deshalb häufig Architekten seine Gesprächs- und Verhandlungspartner waren, machte Gerhard Vogel, den Vater von Mathias, allerdings nicht immer glücklich, denn die studierten Herren, so kann man aus der Mimik von Mathias Vogel erahnen, waren manchmal etwas schwierig, um das Wort ›kapriziös‹ zu vermeiden, das übrigens vom lateinischen Wort ›caprea‹ (= Ziege) kommt und über das Französische in unseren Wortschatz gelangt ist. Mit Industriekunden, so betont Vogel, arbeite man bis heute fair und partnerschaftlich und deshalb gerne zusammen.

Sehr glücklich ist er auch mit einem Gesprächspartner auf der anderen, auf der Lieferanten-Seite, zum einen, weil der ihm die Maschinen liefern kann, die KBS international konkurrenzfähig machen, zum anderen, weil sich die beiden schon ›ewig‹ kennen. Denn als ihre Väter die Geschäftsbeziehungen aufnahmen, waren sie fast noch Knaben. Vor über 20 Jahren kaufte Gerhard Vogel die erste Faccin-Maschine von Volker Gusdorf – eine Rundbiegemaschine, die heute noch in der Fertigungshalle von KBS steht, und das nicht etwa aus musealen oder nostalgischen Gründen, sondern weil sie nach wie vor präzise, effizient und kostengünstig arbeitet. Das macht Jens Gusdorf, den heutigen Geschäftsführer von Faccin Deutschland, sichtlich stolz, wenngleich er sehr gerne auch neue Maschinen verkauft. Das ist ihm offensichtlich bei KBS mehrfach gelungen, denn immerhin arbeiten acht Faccin-Maschinen – sechs Rundwalzen und zwei Profilbiegeanlagen – in den Hallen.

Durch einen Fachzeitschriftenartikel waren die Vogels einst auf Faccin aufmerksam geworden, und auf der (Euro)Blech 1996 schauten sich Vater und Sohn Vogel die Maschinen an. Noch auf der Messe wurde man sich einig – eine Entscheidung, die die Vogels bis heute nicht bereut haben.

Zu jener Zeit waren Faccin-Maschinen die einzigen mit einer – so Mathias Vogel – »richtigen CNC« – ein Alleinstellungsmerkmal für Faccin und ein Wettbewerbsvorteil für Faccin-Kunden, zumal diese CNC schon sehr moderne, weil benutzerfreundliche Merkmale auf¬wies, wie Jens Gusdorf betont: »Man gab Soll-Geometrie, Blechdicke und -breite sowie das Material ein, woraufhin die Maschine den Prozess berechnete und lediglich chargenspezifische Korrekturen benötigte.«

Materialschwankungen selbst innerhalb einer Charge, erst recht aber zwischen verschiedenen Chargen sind, so Mathias Vogel »ein Problem«, umso riesiger sicher, je riesiger die Bleche und die daraus zu formenden Rohre sind, denn es gilt der Strahlensatz der Geometrie. Im Zweifel ist da trotz CNC ein erfahrener Bediener gefragt – vor allem bei kleinen Stückzahlen. »Wir haben Stückzahl 1 bis 500, meist zwischen 10 und 50. Da lohnt sich die CNC dann schon«, konstatiert Mathias Vogel.


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Datum:
29.10.2018
Unternehmen:
Bilder:
KBS
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