Leichtbau für Autositze

Fahrzeugsitze müssen den enormen Kräften widerstehen. Daher werden oft hochfeste Werkstoffe verbaut. Der Automobilzulieferer Adient hat jetzt nachgerüstet: Die Pressenlinien des Werks wurden um drei Bandzuführanlagen mit Richtmaschinen von Schnutz erweitert.

11. September 2018
Im Laufe des Jahres 2018 wurde der Maschinenpark im Adientwerk in Solingen schrittweise um Bandzuführanlagen mit Hochleistungsrichtmaschinen erweitert. (Bild: Schnutz)
Bild 1: Leichtbau für Autositze (Im Laufe des Jahres 2018 wurde der Maschinenpark im Adientwerk in Solingen schrittweise um Bandzuführanlagen mit Hochleistungsrichtmaschinen erweitert. (Bild: Schnutz))

Vor der Vergabe der Aufträge führte Adient umfangreiche Tests bei unterschiedlichen Anbietern durch. „Wir haben überprüft, ob die Anlagen für die komplexen und mehrstufigen Umformprozesse von hochfestem Stahl geeignet waren“, berichtet Dr. Lutz-Stefan Henrich, Geschäftsführer bei Schnutz. „Da wir viel Erfahrung im Richten von anspruchsvollen Werkstoffen wie hochfesten Stählen und Aluminium haben, erhielten auch wir eine Anfrage.“

Im Siegener Technikum konnte Schnutz den Automobilzulieferer im Rahmen der gemeinsamen Richtversuche von der Qualität seiner Anlagen überzeugen. Deswegen entschied sich Adient dazu, seinen Maschinenpark für die Bearbeitung hochfester Werkstoffe um drei Bandzuführanlagen samt Hochleitungsrichtmaschine von Schnutz zu erweitern.

Analyse im Vorfeld

Im Presswerk von Adient in Solingen werden auf mehreren Linien Sitzschienen hergestellt. „Das verwendete hochfeste Material erfordert eine besondere Behandlung, um die gewünschte Planlage bei optimaler Eigenspannung im Bandmaterial zu erreichen“, so Henrich. „Nur wenn die Geometrie der Richtmaschine zum jeweiligen Produkt passt, lassen sich beste Ergebnisse erzielen.“

Daher analysierte Schnutz mithilfe von Simulationsprogrammen die Arbeitsprozesse und das plastische Umformverhalten der verwendeten Werkstoffe, sodass die Anlagen entsprechend den kundenspezifischen Anforderungen modifiziert werden konnten. Mit den Ergebnissen dieser Richtversuche war es den Fachleuten möglich, Konstruktionsparameter wie Anzahl und Durchmesser der Richtwalzen auf das Material des Kunden abzustimmen.

„Für Befestigungselemente in der Automobilindustrie muss trotz des geringen Gewichts gleichzeitig auf eine hohe Belastbarkeit Wert gelegt werden“, berichtet Henrich. „Die Sitzschienen werden daher aus hochfesten Stahlwerkstoffen gefertigt. Gleichzeitig muss aber auch auf ein hohes plastisches Formänderungsvermögen der eingesetzten Stahlwerkstoffe geachtet werden.“ Der mit steigenden Steckgrenzen einhergehende hohe Umformwiderstand der Stähle stellt dabei besondere Anforderungen an die Anlagentechnik.

Optimale Planheit und Beseitigung der Schüsselform

Bei den neuen Anlagen handelt es sich um jeweils eine Richtmaschine mit integrierter Einführeinheit, um einen Bundhubwagen, einen Abhaspel, eine Schlaufenausrüstung und die entsprechende Automatisierung samt Sicherheitstechnik. „Die Coils werden vom Bundhubwagen auf den Abhaspel geschoben“, erläutert Henrich den Prozess.

Dazu werden sie automatisch auf der Höhe des Haspeldorns platziert. Nachdem das Coil dort gespannt wurde, wird es so gedreht, dass der Bandanfang nach dem Lösen des Bindebandes auf dem Einführtisch zum Liegen kommt. Nach dem Öffnen des Bindebandes wird es von einem Einführtreiber durch die Richtmaschine und über den Überleittisch dem Vorschubtreiber der Presse zugeführt.

Eine besondere Herausforderung beim Richten hochfester Stähle stellt die sogenannte Schüsselform dar – eine Krümmung quer zur Bandlaufrichtung. Wird sie nicht beseitigt, kann die weitere Verarbeitung in einer Presse extrem behindert oder sogar verhindert werden. „Daher ist es wichtig, dass nicht nur die Coilkrümmung an sich behoben wird, sondern dass auch eine optimale Planheit in Bandlaufrichtung besteht“, erklärt Henrich.

Das wird durch die besondere Konstruktion der Schnutz-Richtmaschinen erreicht.“ Auf diese Weise garantieren die neuen Anlagen, dass die Werkstoffe auch nach der weiteren Umformung die vorgegebenen Form- und Lagetoleranzen einhalten. Adient zeigte sich besonders zufrieden damit, dass die Schüsselform auch bei hohen Materialfestigkeiten sicher beseitigt werden kann.

Effizienter und sicherer Anlagenbetrieb

Ein Pluspunkt ist außerdem der hohe Automatisierungsgrad der Anlagen. „Dabei haben wir natürlich auch auf Sicherheitsvorkehrungen geachtet“, berichtet Henrich. „Besonderes Augenmerk haben wir auf die Beladung des Abhaspels und die Schnittstelle zum Bundhubwagen gerichtet.“ Seit Anfang 2018 wurde der Maschinenpark im Adientwerk in Solingen schrittweise um die Bandzuführanlagen samt Hochleistungsrichtmaschinen erweitert.

Die erste Anlage wurde im Januar und die zweite Anlage im April implementiert, während die dritte Anlage planmäßig in der zweiten Jahreshälfte folgt. „Die Ausbringung des erweiterten Maschinenparks konnte dadurch bei hoher Qualität nahezu verdoppelt werden“, resümiert Henrich. „Damit ist Adient am Standort in Solingen bestens für die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet.“

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