20. JUNI 2018

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»Bitte nicht berühren!«


Spezial

Aicons optisches Rohrmesssystem sorgt beim Schweizer Rohrleitungshersteller Serto für Furore, denn mit »Tubeinspect« sanken nicht nur die Herstellkosten, sondern stieg zugleich die Geschwindigkeit bei der Datenerfassung.

Der Rohrleitungshersteller Serto hat seinen Messarm durch Aicons optisches Messsystem TubeInspect ersetzt. Das Team rund um Produktionsleiter Joe Girtanner konnte so nicht nur die Herstellkosten enorm senken. Auch Daten von Neuleitungen werden nun um ein Vielfaches schneller erfasst. Die Serto AG ist in der idyllischen Gemeinde Aadorf im Schweizer Kanton Thurgau zu Hause. Mitten im Grünen hat sich das frühere Familienunternehmen zu einem hochmodernen Produktionsbetrieb entwickelt, der heute Kunden weltweit mit Rohrleitungen und -verbindungen beliefert.

Kundengewinnung

Gefragt, aus welchen Bereichen Sertos Kunden stammen, antwortet Produktionsleiter Joe Girtanner: »Wir biegen überwiegend Rohre für Unternehmen aus dem Haushaltsgeräte- und Schienenfahrzeugbereich. Immer mehr kommen aber auch Kunden aus anderen Industriezweigen hinzu, zum Beispiel aus der Wasseraufbereitung und der Halbleiterindustrie.« Doch auch die Kundenliste von Sertos Kunden ist imposant. »McDonald’s, Starbucks oder auch Dunkin Donuts nutzen Kaffeeautomaten, in denen unsere Rohre verbaut sind«, erläutert Joe Girtanner. Im Eisenbahnbau zählt unter anderem Bombardier zu den Stammkunden. Für Bombardier in Großbritannien konfektioniert Serto beispielsweise Bremsleitungen für die Drehgestelle von Eisenbahnwagons. Und auch in Taiwan fließt die Bremsflüssigkeit der Eisenbahnen durch Leitungen von Serto.

Messarm oder...

Gebogen werden die Leitungen auf drei Biegeautomaten, die Rohrdurchmesser bis 60 mm und Rohrlängen bis 4.000 mm meistern. Die Qualität der produzierten Leitungen kontrollierte Serto früher mit herkömmlichen Winkel- und Höhenmessern. In der Hoffnung schneller zu sehr genauen Messergebnissen zu kommen, schaffte man sich dann später einen Messarm an. Doch dieser konnte auf lange Sicht die Erwartungen nicht erfüllen. Joe Girtanner berichtet: »Das taktile System war zwar eine enorme Verbesserung im Vergleich zum alten Messprinzip. Allerdings hatte es mehrere Nachteile. Zum einen dauerte eine Messung recht lange, was uns in der laufenden Fertigung blockierte. Auch das Einrichten der Biegemaschinen nahm viel Zeit in Anspruch, wenn wie häufig keine CAD-Daten vorlagen und wir auf Messdaten der Musterleitungen angewiesen waren. Zum anderen kam es zu Problemen bei der Messgenauigkeit. Mit dem Messarm haben zwei Leute gemessen und bekamen zwei verschiedene Resultate. Außerdem konnten wir mit dem Arm nur Rohrleitungen bis 1,20 m Länge messen. Bei längeren Rohren hätten wir jedes Mal das Gerät verschieben müssen, was eine weitere Verschlechterung der Messgenauigkeit bedeutet hätte. Das konntenwirnicht akzeptieren.« Es gab also viele Gründe für Joe Girtanner, sich nach einem neuen Messgerät umzuschauen. Fündig wurde er schlussendlich auf der Messe EMO 2007 in Hannover, auf der er Aicons Rohrmesssystem TubeInspect entdeckte.

...Messzelle?

TubeInspect ermittelt die Rohrgeometrie mithilfe von 16 hochauflösenden Digitalkameras, also berührungslos. Die zu vermessende Leitung wird einfach in der optischen Messzelle abgelegt. Schon nach wenigen Sekunden liegt dem Bediener das Messergebnis vor. Eine leicht verständliche Ergebnisgrafik ermöglicht dann sofort eine sichere und einfache Beurteilung des Produktionsergebnisses.
Da die Messergebnisse auch in der Sprache der Biegemaschinen, also »Vorschub / Teilen / Biegen« ausgegeben werden können, lassen sich die Maschinen schnell einrichten bzw. korrigieren. Serto nutzt TubeInspect sowohl zur Messung von Musterrohren als auch zur Qualitätssicherung in der Produktion entsprechend des vorliegenden Prüfplans.
Leitungen bis zu einer Länge von 2.500 mm misst Tube-Inspect in einem Zug. Längere Leitungen werden durch Nachsetzen gemessen und die Einzelergebnisse automatisch zusammengefügt. Hierzu kommen Aicons neue Verknüpfungsadapter zum Einsatz. Ist es nicht möglich, die einzelnen Teilergebnisse über gemeinsame Biegepunkte zusammenzufügen, erlauben Verknüpfungsadapter auch das schrittweise Messen von Rohren mit langen Geradenstücken ohne Biegepunkte oder mit sehr flachen Bögen. Unter Einsatz dieser neuen Adapter werden alle Teilergebnisse zuverlässig mit einer Genauigkeit von ±0,1 mm zusammengefügt.
Zur Messung der Musterleitungen, von denen keine CAD-Daten vorliegen, verwendet Serto die Funktion »Mastermessung«, mit der TubeInspect die vorliegende Leitung in zwei verschiedenen Lagen erfasst. Die so gewonnenen Biegedaten werden dann als Soll-Geometrie in der Tube-Inspect-Datenbank hinterlegt. Was bringt diese neue Möglichkeit dem Unternehmen Serto? Joe Girtanner erläutert: »Früher mussten wir von jedem Produkt, egal ob wir es in einer Losgröße von 20 oder 10.000 Stück fertigten, Musterleitungen bei uns lagern. Das war notwendig, um Folgeaufträge rasch zu bewältigen. Heute retournieren wir die Leitungen an unsere Kunden, sobald die Daten digital gespeichert sind. Das verschafft uns enorm viel freien Lagerplatz. Außerdem ist die Datenerfassung von neuen Leitungen mit TubeInspect sehr schnell erledigt.«
Aber auch beim Einrichten der Biegemaschinen verbucht Serto enorme Verbesserungen. Joe Girtanner versichert: »Wir haben markant weniger Ausschussrohre. Das zweite Rohr stimmt, wenn neue Serien anlaufen.« Es liegt auf der Hand, dass dies vor allem bei großen Rohren, die viel Material verbrauchen, bares Geld spart. Girtanner fügt hinzu: »Und da wir größtenteils Leitungen aus teuren Materialien herstellen, ist die Kostensenkung in diesem Bereich sehr deutlich zu spüren.« So nutzt Serto etwa das Material 1.45.71, einrostsäurebeständiges titanstabilisiertes Edelstahlrohr, um Leitungen für Kaffeemaschinen herzustellen. Dieses hat, wie der gesamte Edelstahlmarkt, in den letzten Jahren starke Preissteigerungen erfahren. Durch den optimierten Materialverbrauch könne man diese nun teilweise auffangen.

Stabile Messungen

TubeInspect konnte auch das Problem der mangelnden Messgenauigkeit lösen. Joe Girtanner sagt: »Wir sind sehr zufrieden mit der Genauigkeit. Dieses Gerät ist viel weniger anfällig für Bedienerfehler als ein Tastgerät.« Und auch Serto-Mitarbeiter Ivica Pancisko meint: »Ich nutze TubeInspect täglich und finde die Bedienung der Software sehr einfach.« Abschließend sagt Joe Girtanner: »Wir sind sehr stolz, dass wir so eine Maschine haben. Das Messsystem hat uns im Bereich der Qualitätssicherung weit nach vorn gebracht. Und das danken uns unsere Kunden.«
Jutta Thiel

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