18. JUNI 2018

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Krumme Dinger vor dem Richter


Technik

Was tun, wenn die Blechqualität nicht stimmt? Wellige, spannungsreiche Bleche können den Blechbearbeiter Zumbrunn nicht aus der Ruhe bringen. Er setzt auf eine HRC-Walzrichtmaschine.

Der Stahlboom der letzten Jahre wirkte sich zunehmend auf die Qualität der Stähle, insbesondere von Blechprodukten aus. Das Unternehmen Zumbrunn hatte jedenfalls festgestellt, dass seine Blechfertigung, die durch Schweißroboter von Motomann unterstützt wird, immer häufiger von durch Eigenspannungen verformten Blechen unterbrochen wurde.
Geschäftsführer Daniel Zumbrunn sann auf Abhilfe und hat sich daher für eine Richtmaschine von HRC entschieden. Seitdem ist die Fertigungswelt im schweizerischen Thürnen wieder in Ordnung.
Daniel Zumbrunn erläutert: »Schweißroboter brauchen genaue Teile, um störungsfrei ihren Dienst zu verrichten. Die immer häufiger auftauchenden Qualitätsmängel haben mich 2007 bewogen, eine Investition in eine HRC-Walzrichtmaschine zu tätigen, um eine reibungslose Produktion aufrechtzuerhalten. Mit dieser Maschine richten wir alle Blechteile vor dem Abkanten absolut plan und spannungsfrei aus. Dadurch bekommen wir an jeder Stelle des Teils den Winkel, den wir haben möchten. Ungenau oder bauchig gebogene Teile gehören damit der Vergangenheit an.«

Einfach Plan

Die Walzrichtmaschine vom Typ HRC 50 ist in der Lage, Werkstücke mit einer Dicke von 0,5 bis 12 Millimeter zu richten. Faszinierend ist die Art und Weise, wie der Richtvorgang der einfach zu bedienenden und wartungsarmen Maschine vonstatten geht. 19 Richtwalzen sorgen in der mit einer elektrohydraulischen Regelung für die Richtdruck- und Vorschubautomatik ausgestatteten Maschine dafür, dass das Blech zunächst kontrolliert deformiert wird. Dadurch wird aus dem Blech ein großer Teil der Eigenspannungen entfernt. Danach richtet die Maschine die Bleche exakt plan. So lässt sich eine Genauigkeit von wenigen Hunderstelmillimeter erreichen. Am Ende des Richtvorgangs hat das Blech etwa 90 Prozent seiner Eigenspannung verloren.

Ausschuss Passé

Daniel Zumbrunn ist begeistert: »Ich habe noch keine Sekunde bereut, diese Walzrichtmaschine von HRC angeschafft zu haben. Seit wir diese Maschine einsetzen, haben wir keinen Ausschuss mehr zu beklagen. Alle Folgeoperationen wie etwa das Abkanten, Positionieren oder das Schweißen profitieren von dieser Investition. Natürlich habe ich mich im Vorfeld der Anschaffung bei befreundeten Unternehmen diesbezüglich erkundigt und selbstverständlich Alternativen in Erwägung gezogen. Aber mir wurden die Maschinen von HRC von deren Anwendern immer wärmstens empfohlen. Und wenn ich mir den extrem kompakten und außerordentlich robusten Aufbau so ansehe, gehe ich davon aus, dass ich diese Maschine meinen Nachfolgern vererben kann. Das ist Maschinenbau, der problemlos über Jahrzehnte seinen Dienst versieht.«

Qualität für Qualität

Wer den Kaufpreis der HRC-Richtpresse hört, sollte sich vergegenwärtigen, dass er hier den Ferrari unter den Walzrichtmaschinen vor sich hat. Ferrari baut automobile Spitzentechnik und fährt in der Formel 1 Siege ein. Ebenso sind erfolgreiche Sportler nur mit Spitzenmaterial erfolgreich. Das gleiche gilt für erfolgreiche Unternehmen: Nur Spitzentechnik führt an die Spitze. Daniel Zumbrunn macht es vor. Der Unternehmer startete vor 14 Jahren seine Karriere als Zulieferer. Er übernahm Blechzuschnitte und Abkantarbeiten. Bemerkenswert ist, dass er mit einer neuen Lasermaschine und einer neuen Abkantpresse in die Selbstständigkeit startete. Viele Jungunternehmer planen normalerweise mit gebrauchten Maschinen ihre Unternehmerkarriere. Die Geschäfte liefen so gut, dass er bereits im ersten Jahr zwei Mitarbeiter einstellen musste. Dies ist ein weiterer Beleg zur Widerlegung der Mär, dass sich an einem Hochlohnstandort wie der Schweiz oder Deutschland eine arbeitsintensive Produktion nicht mehr lohne. Solcherart Märchen werden von Unternehmenslenkern in die Welt gesetzt, um auch das letzte Quäntchen Profit aus dem Unternehmen zu pressen, indem der Weg ins vermeintlich billigere Ausland beschritten wird. Nur wird dabei übersehen, dass ruinierte oder verarmte Volkswirtschaften keinen Absatzmarkt mehr besitzen. Die Folgen dieses unverantwortlichen Handelns kann man momentan weltweit studieren.

Weiteres Wachstum

Ganz anders agiert Daniel Zumbrunn in seinem Unternehmen. Mittlerweile beschäftigt der Vorzeige-Unternehmer 52 Mitarbeiter und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen. Damit sich das Unternehmen nicht am Kampf um die besten Köpfe beteiligen muss, bildet es selbst aus.
Insgesamt vier Azubis absolvieren gerade ihre Ausbildung unter den Fittichen von Daniel Zumbrunn, und jedes Jahr kommt ein neuer dazu. Da es sich auf mehreren Standbeinen sicherer steht, hat Daniel Zumbrunn sein Unternehmen auf mehrere Schwerpunktfelder ausgerichtet. Es ist im Apparatebau, im Maschinenbau, Schienenfahrzeugbau und in der Bauschlosserei tätig. So können konjunkturelle Schwankungen besser aufgefangen werden. Aktuell bearbeitet er unter anderem Teile für Seilbahnkabinen, die natürlich sehr strengen Anforderungen genügen müssen. Alleine für diesen Auftrag hat sich die Anschaffung der HRC-Walzrichtmaschine schon gelohnt. Etwa 500 Kunden bestellen in Thürnen regelmäßig Produkte. Ständig sind 250-300 Aufträge im Haus, die im Schnitt nach einer zweiwöchigen Durchlaufzeit ausgeliefert werden. Dies sind zu einem großen Teil Einzelstücke. Interessant ist, dass Just-in-time-Aufträge mit etwa fünfzehn Prozent am Umsatz beteiligt sind.
»Um unser weiteres Wachstum ist mir nicht bange. Dennoch wünsche ich mir, dass sich die Banken manchmal etwas kooperativer verhalten«, beklagt Daniel Zumbrunn so manches Bankengespräch. Es ist also ein weltweites Phänomen, dass sich Banken lieber mit Luftbuchungen beschäftigen, die in der Lage sind, ganze Volkswirtschaften zu schädigen, als sinnvolle Investitionen in echte Wertschöpfung massiv zu unterstützen.
Aber solange viele zupackende Hände wie die von Daniel Zumbrunn die Geschicke von Unternehmen lenken, ist es nicht nur um den Standort Schweiz gut bestellt.

Ausgabe:
bbr 1-2/2009
Unternehmen:
Bilder:

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