11. DEZEMBER 2018

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Love is just a...


Editorial

Erinnern Sie sich an Woodstock? Nein? Keine Sorge: Niemand erinnert sich an Woodstock: die einen, weil sie gar nicht da waren, die anderen, weil sie da waren. Aber an den Film erinnern sich viele, und an Country Joe McDonald, der die Bekifften das Buchstabieren lehrte: »Gimme a B, gimme an i, gimme an l, « Ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, was er da buchstabiert hat – vielleicht war ich ja doch dort. In den USA werden unanständige Wörter entweder buchstabiert, verfremdet oder ›the [Angfangsbuchstabe]-word‹ genannt. Sammelbegriff: Four-letter-words.

Wie ich jetzt auf den BAMF-Skandal von Bremen komme? Keine Ahnung! Vielleicht, weil es keinen Skandal gab, sondern nur eine skandalöse Berichterstattung der Lügenpresse zum Zwecke Auflagensteigerung. Eine möglicherweise bewusst falsche Berichterstattung, die – vielleicht nicht zum ersten Mal – den Tatbestand der Verhetzung großer Bevölkerungsteile erfüllen könnte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch – nicht gegen die Hetzer, sondern eine Bremer BAMF-Beamtin – und die Ermittlungen scheinen ins Leere zu laufen. Das wurde zumindest unlängst in der ZDF-Dokumentation ›Die Anstalt‹ behauptet. Die beschuldigte Beamtin, hieß es dort, hat womöglich rechtlich nichts falsch gemacht, schon gar keinen Rechtsbruch begangen. Keinen! Und nicht 2000, wie ihr von interessierter Seite nachgesagt wurde. Auch von Bestechung könne keine Rede sein, behaupteten die Moderysten in der Sendung Ende September. Die anderen BAMF-Mitarbeiter stellten ebenfalls so gut wie keine ›Persilscheine‹, also ungerechtfertigte Anerkennungen aus. Nachprüfungen hätten nur 1,6 Prozent falsch-positive, aber 37,5 Prozent falsch-negative Bescheide, also widerrechtliche Ablehnungen, ergeben. Denken Sie jetzt aber nicht, das geschähe auf Druck von oben oder gar auf politischen Wunsch – das wäre reine Spekulation!

Ihre reißerischen Anschuldigungen hat die Boulevard-Presse bis heute nicht zurückgenommen. Brächte ja auch keine Auflage.

Nun gab es auch dieses Jahr wieder einige Tötungsdelikte, an denen Ausländer und speziell Flüchtlinge als Täter beteiligt waren oder gewesen sein könnten. Jeder dieser Fälle wurde wochenlang durch die Medien gezerrt. Ich habe nicht mitgezählt, waren es drei, fünf oder zehn? Selbst wenn es 20 waren: 2018 wurden/werden in Deutschland rund 600 Tötungen von indigenen Tätern begangen. Rechnen wir mal: 20 Tötungen geteilt durch 4.000.000 Flüchtlinge, 600 durch 80.000.000 jahrzehntelang hier Lebende 

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Jeder Mord, egal durch wen und an wem, ist ein Mord zu viel, und keine Vergewaltigung hätte je stattfinden dürfen. Es geht ohnehin zuerst um die Opfer- und erst in zweiter Linie um die Tätergruppen.

Was das Thema hier zu suchen hat? Erstens steht das Fest der Liebe vor der Tür, und Jesu Eltern standen seinerzeit sogar vor vielen Türen, ehe sie Sie kennen die Geschichte; kurz darauf mussten sie flüchten, weil ein orientalischer Despot auch das kennen Sie. Zweitens macht die Diskussion über die vermeintliche Gefährlichkeit Dunklerhäutiger weder vor Fabriktoren noch Bürotüren halt, und Sie als Vorgesetzte und Kollegen tun im Interesse des Betriebsfriedens gut daran, fremdenfeindlichen Äußerungen die realen Verhältnisse entgegenzusetzen.

Noch besser ist es, Mitarbeiter und Kollegen mit den angeblich so gefährlichen Fremden selbst zu konfrontieren. Dann stellt sich sehr schnell heraus, dass ein paar Pigmente nicht ausreichen, um einen Menschen zum Unmenschen zu machen. Leider macht es einem der Gesetzgeber – selbstverständlich unbewusst – sehr schwer bis unmöglich, Mitarbeiter mit Fluchthintergrund auf Dauer einzustellen. Zum Glück sind Unternehmer in diesem unseren Lande alles andere als machtlos. Was sie als Einzelkämpfer nicht schaffen, gelingt ihnen vielleicht über ihre Verbände. Warum sollten Lobbys nicht auch einmal Gutes bewirken? Und Arbeitnehmer haben die Gewerkschaften, von denen man bisher viel zu wenig zum Thema Solidarität mit und Integration von Geflüchteten hört.

Noch"n Appell: Kein Mensch braucht Silvesterfeuerwerke, aber Opfer von Dürren, Wirbelstürmen, Fluten, Erdbeben und Eruptionen brauchen Wasser, Nahrung, Medikamente und Behausungen. Besser als dafür können Sie Ihr Geld nicht anlegen.

Hans-Georg Schätzl
hans-georg.schaetzl@verlag-henrich.de 

Ausgabe:
bbr 07/2018
Bilder:
© Henrich Publikationen

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