18. JUNI 2018

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Die Schwerkraftlüge


Editorial

Die Atlantiker sind das dümmste Volk der Welt!«, behauptete vor etwas über 13 Jahren ein einstiger bbr-Chefredakteur, als jeder Vierte jener einen Vorsitzenden wiederwählte, dessen Nachname auf seine geistige Herkunft zu deuten schien und der als der bis dahin dümmste Inhaber dieses Amtes galt.

Ich widersprach damals heftig, weil ich erstens keine Außerirdischen, aber zweitens auch andere dumme irdische Völker kannte und drittens auf jener Halbinsel der Seligen (Matthäus 5, 3) auch viele wissenschaftliche und kulturelle Größen leben und lebten – auch welche mit Pfälzer Vorfahren, wie jener Volksmusiker, der sich Mitte der 50er nach dem Verbleib der Blumen erkundigte; eine Frage, die bald darauf ›unser‹ erster richtiger Hülsenwaldstern auch hierzulande berühmt machte. Ein Atlantiker mit hiesigen Wurzeln ist auch der erste Liederatur-Nobelpreisträger, ein unterm Kopftuch trotz miserabler Rasur leicht androgyn wirkendes, mitunter zickig zischendes Wesen, dessen Stimme offen lässt, ob es sich überhaupt um einen Hominiden handelt.

Die These meines Ex-Chefs war spätestens vor gut 15 Monaten widerlegt, als die Atlantiker, das Volk der unbegrenzten Möglichkeiten, (wieder zu einem Viertel) einen Vorsitzenden wählten, der seinesgleichen sucht (was in Regierungskreisen nicht besonders schwierig ist – das nur so nebenbei): Dagobert Trampel. Gleich erhoben sich die entsetzten Kritiker, vor allem jene, die ihm, der sich, bescheiden, wie er ist, auf die sozialen Hetzwerke beschränken wollte, via TV erst zu wahrer Berühmtheit verholfen hatten, unfähig, seine wahre Größe auch nur zu erahnen, geschweige denn anzuerkennen, weshalb sie sich, da ihnen die Argumente ausgingen, darauf beschränken mussten, sich über seine Frisur (merkt euch: Wiesel sind je nach Jahreszeit braun oder weiß und färben sich niemals hellblond, und Enten tragen ihren Schnabel im und nicht über dem Gesicht!) oder seinen Namen zu mokieren: »Trampeltier«, »Trampelstielzchen« und Ähnliches waren noch am harmlosesten. Schämen sollten sie sich! Es ist äußerst niederträchtig, Namen von Menschen zu verballhornen, die schließlich nichts dafür können. Egal, wofür.

Dagobert Trampel ist – auch wenn man es ihm nicht sofort von den Augen ablesen kann – ein wahres Genie, wie es umgekehrt schon ein frankonischer Führer namens Gutteil prognostiziere. Er ist so genial, dass kaum ein anderes irdisches Wesen diese Genialität erkennen kann und alle Tests versagen. Er schwebt weit über uns Normalbegabten und hat es zu seinem Hauptziel gemacht, auch sein Land über allem schweben zu lassen. Kein Problem für ihn, denn als Über-Genie stellt er alles Seiende infrage, ist also ein natürlicher (nur laut Neidern krankhafter) Antagonist, der eine ›wissenschaftliche‹ These nach der anderen widerlegt und als Auswurf feindlicher Verschwörungen entlarvt, so auch die Schwerkraft-Theorie – kein Wunder, dass jetzt 95 Prozent der Weltbevölkerung neidvoll zu Atlantika emporblicken. Oft grund(!)los, denn einige randständige Staaten des alten und daher schon leicht inkontinentalen Uropa werden von ähnlich begabten Menschen regiert – meist kleinen Männern (oder wären sie ›kurz‹ zu nennen?) an der Spitze dereinst mächtigerer Länder: das ferne Truthahn etwa oder die nahen Hungrig, Langsameinschlüsselein und andere Wischiwaschis, wo zig Millionen fürchten, von ein paar Tausend Immigranten geistig-geistlich, kulturell und genetisch überwandert zu werden. Ganz anders der zu Trampel kongeniale Russputin: Er überwandert lieber selbst.

In Germania zeigen sich solche natürlichen Koalitionen der Verständigen nur inoffiziell, in einzelnen Abstimmungen. Offiziell geschehen dort andere Dinge: Da wird einer zum Skat gebettelt und willigt widerstrebend ein, obwohl ihm gar nicht nach Kartenspiel ist, um dann trotzig sein trumpfträchtiges Blatt, eigentlich das Gegenteil von ›Bettel‹, wie einen solchen hinzuschmeißen und so, fast viermal so stark wie der Hauptgegner, freiwillig alles zu verlieren. Wie dieser – oder Dagobert – hätte jener Spielverderber nur jahrelang », , « ansagen müssen (für könnte man etwa ›Volksmusik‹, ›Bürgerverunsicherung‹, ›Freibier‹ oder ›Untergrenze‹ einsetzen), bis die Spielführerin verspricht: »Mit mir wird es kein(e) geben!« Und schon würde zum wichtigsten Gesetz der Legislaturperiode. Zumindest war das da bisher so, und die Germanisten könnten mit sehr viel Freibier öffentlich-rechtliche Endlosschleifen volksdümmlicher (und nicht Volks-)Musik genießen.

Mist! Muss dieser Dings-Wecker immer dann scheppern, wenn man am schönsten träumt? Schade: Alles, was Sie hier lesen, wirklich alles*, ist reines Fantasieprodukt; Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Staaten sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.

Vergessen wir Politik und höhere Mächte! Konzentrieren wir uns aufs Geschäft und die diesjährigen Weltleitmessen unserer Branche: Tube, Wire und Euroblech! Denn eines können Sie mir glauben: 2018 wird für die Umformbranche fantastisch.

Hans-Georg Schätzl
h.schaetzl@verlag-henrich.de

* »Alle Kreter lügen«,

Ausgabe:
bbr 01/2018
Bilder:
© Henrich Publikationen

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