25. SEPTEMBER 2018

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Wer hat Angst vorm ...


Editorial

Neulich im Duschgel, äh Dschungel, einige werden sich noch erinnern, mussten wir schnell sein und entscheiden, wenn wir einem anderen Wesen begegneten: bekannt oder unbekannt, Freund oder Feind, Beute oder Räuber, zuschlagen oder wegrennen? Fremde waren zunächst suspekt, sie zu meiden war also völlig normal. Sich mit seinesgleichen zusammenzurotten, mit Stöcken zu fuchteln und möglichst schrill herumzuplärren, erschien klug und vernünftig – damals im Dschungel. Und heute? Im Großstadtdschungel? Muss der moderne, angeblich vernunftbegabte, ja ›weise‹ Mensch nicht auch mit Stöcken fuchteln und schreien, wenn Fremde auftauchen?
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Neulich im Duschgel, äh Dschungel, einige werden sich noch erinnern, mussten wir schnell sein und entscheiden, wenn wir einem anderen Wesen begegneten: bekannt oder unbekannt, Freund oder Feind, Beute oder Räuber, zuschlagen oder wegrennen? Fremde waren zunächst suspekt, sie zu meiden war also völlig normal. Sich mit seinesgleichen zusammenzurotten, mit Stöcken zu fuchteln und möglichst schrill herumzuplärren, erschien klug und vernünftig – damals im Dschungel. Und heute? Im Großstadtdschungel? Muss der moderne, angeblich vernunftbegabte, ja ›weise‹ Mensch nicht auch mit Stöcken fuchteln und schreien, wenn Fremde auftauchen?

Sie merken schon, es geht auf Weihnachten zu, und da muss er wieder moralisieren, der lästige Möchtegern-Gutmensch, statt sich um Bänder, Bleche und Rohre zu kümmern und beispielsweise über die überaus erfolgreichen Maschinenbaumessen dieses Herbstes zu berichten. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei den gefährlichen Fremden, die uns Tag und Nacht hinter jeder H(aus)ecke auflauern, sich mit unseren Steuergeldern volllaufen lassen und uns dann anpöbeln und ausrauben, wenn sie uns nicht gleich um jene Ecke bringen. Doch sehen wir uns, vernunftbegabt wie wir sind, in den Kriminalstatistiken an, von wem die größte Gefahr für Leib und Leben ausgeht.

Denn: Wissen Sie, wer mit Abstand am gefährlichsten ist, wenn es um Ihr Leben geht? Den knapp 660 Fremdtötungen pro Jahr in Deutschland (Quelle: PKS Bundeskriminalamt, 2016, Band 1) stehen etwa 10.000 erkannte ›Selbstmorde‹ gegenüber (aus juristischer Sicht sind das – mangels Heimtücke – keine Morde). In mehr als der Hälfte, in manchen Jahren mehr als zwei Drittel der rund 660 Fälle, waren Verwandte oder andere nahestehende Personen tatverdächtig. Bleiben noch zwei bis drei Prozent der Tötungen, in denen keine nähere Beziehung zwischen Opfern und TäterInnen (!) erkannt wurde. Die wenigsten von diesen waren folglich Zuwanderer. So nebenbei: Einige der Tötungen wurden mit aus Bändern, Blechen und Rohren gefertigten Geräten ausgeführt.

»Es gibt aber auch Verbrechen unterhalb des Mordes!«, entgegnete mir kürzlich auf diese Argumente eine Frau, die, weil klug, schön und naturblond, ins Beuteschema von schätzungsweise drei Milliarden Männern passt und sich wahrscheinlich nicht retten kann vor Belästigungen durch respektlose Typen; eine Frau, die sich deshalb vielleicht abends nicht alleine aus dem Haus wagt. Andere einzuschüchtern ist ein Verbrechen, ihnen Gewalt anzutun, Mord an der Seele. Mag sein, dass es ein Respektgefälle vom Nordpol zum Äquator gibt – ein Mangel, der nicht hinzunehmen ist. Schauen wir uns auch hier einige Zahlen an und interpretieren wir sie richtig, anders als ein einschlägig vorbelasteter Innenminister, den sein Ministerpräsident vor der Bundestagswahl zur Dramatisierung gezwungen hatte: Statt wie behauptet um 48 Prozent hatte die Zahl der angezeigten ›Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewaltanwendung‹ von 2015 auf 2016 ›nur‹ um vier Prozent, nämlich von 68 auf 71, zugenommen. Grund für die vermeintliche Steigerung waren nicht die etwa 100.000 bärtigen, finster aussehenden jungen Männer, sondern eine überfällige Änderung der richterlichen Betrachtungsweise (›Nein heißt nein!‹) und eine entsprechende Zunahme der Urteile. Ganz klar: Das sind 71 Verbrechen zu viel und leider doch nur die Spitze des Eisberges. Denn die Masse solcher Untaten, wahrscheinlich mehrere Tausend jedes Jahr, wird gar nicht angezeigt, etwa weil die Opfer das für zwecklos halten, die polizeilichen Anhörungen, aber auch Rache fürchten oder (immerhin auch offiziell schon etwa 60 Prozent) die Täter ›Freunde‹, Verwandte oder die Partner sind. Vor der Aufklärung durch die 67er (fälschlicherweise auch als 68er bezeichnet) war der innereheliche Missbrauch vielleicht sogar der ›Normal‹-Fall, weil anatomisch unkundige (vielleicht auch desinteressierte) Männer ihren Partnerinnen wenig Freude machen konnten (oder wollten).


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Ausgabe:
bbr 07/2017
Bilder:
© Henrich Publikationen

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