Schluss mit der Zettelwirtschaft!

Handel

Händler und Käufer im Stahlhandel schnell, effizient und zuverlässig zusammenbringen und damit Transaktionskosten für beide Seiten verringern – das soll der Online-Marktplatz von Mapudo ermöglichen.

17. Oktober 2017
Auch in die eher konservative Stahlbranche zieht der Online-Handel ein. Bild: Mapudo
Bild 1: Schluss mit der Zettelwirtschaft! (Auch in die eher konservative Stahlbranche zieht der Online-Handel ein. Bild: Mapudo)

In zahlreichen Branchen ist E-Procurement bereits ein effizienter Weg zur Reduzierung von Prozesskosten sowie zur Konzentration des Einkaufsvolumens. Der Digitalisierungsgrad reicht von einem katalogbasierenden Einkauf bis zur lückenlosen digitalen Kette von dem Entstehen eines Bedarfs bis zur Rechnungsstellung.

Darüber hinaus schafft die Digitalisierung wertvolle Potenziale für das Warengruppen-Management. Einkäufer können sich stärker auf werthaltige A- und B-Warengruppen konzentrieren, wenn die Beschaffung von C-Teilen überwiegend digital und prozessoptimiert abgewickelt wird.

Ferner ermöglicht E-Procurement Transparenz zu jeder Transaktion: Anforderer, Gegenstand, Zeitpunkt, Ort und Konditionen zur jeweiligen Bestellung können jederzeit zurückverfolgt werden. Dies gewährleistet Compliance-Konformität und verhindert ein ›Maverick Buying‹, das heißt Beschaffungsvorgänge ohne Einbeziehung des Einkaufs.

Erschwerte Digitalisierung

In der Stahlbeschaffung ist E-Procurement bislang wenig verbreiet. Folgende Merkmale von Stahl als Produkt erschweren die Digitalisierung:

 • Herstellungsbezogen können keine herstellereigenen Artikelnummern vergeben werden, sodass eine eindeutige Identifikation ausschließlich über in Normen beschriebenen Produktmerkmalen erfolgen kann.

  • Norm-seitig zulässige Toleranzen sind teilweise zu groß für eine katalog-basierende Standardisierung (wie die Längenvariabilität nahtloser Rohre)

  • Die für die Preisfindung zu berücksichtigenden Faktoren sind komplex, etwa Gebühren für standardmäßig anfallende Sägeschnitte, gewichts- und distanzabhängige Transportkosten, positionsbezogene Pauschalen für Materialzeugnisse sowie Rabattberechnungen auf Auftragsebene.

  • Aufgrund des hohen spezifischen Gewichts können Standardlagerartikel nicht wirtschaftlich über lange Strecken ausgeliefert werden, sodass Stahl in regionalen Teilmärkten vertrieben wird.

Als Folge ist der persönliche Kontakt zwischen Ein- und Verkäufer häufig Grundvoraussetzung für das Zustandekommen einer Transaktion. In der Praxis stellen viele Beschaffende zunächst drei bis vier Anfragen an die ihnen bekannten Stahlanbieter, bevor ein Auftrag platziert werden kann. Auf Prozesspotenziale im Rahmen einer Digitalisierung angesprochen, wird häufig kein Handlungsbedarf in der Stahlbeschaffung gesehen. Vielmehr wird der bestehende Prozess als schnell und der persönliche Kontakt als Erfolgsfaktor wahrgenommen.

Diese Einschätzung erweist sich bei genauerer Betrachtung jedoch als kurzsichtig, denn:

  • Bei wiederkehrendem Bedarf ist eine (immer wieder erneute) Erfassung von Produktspezifikationen in Form einer E-Mail oder per Fax vergleichsweise ineffizient sowohl für den Einkäufer als auch für den Verkäufer.

 • Rückfragen seitens des Anbieters bei offenem Klärungsbedarf (etwa Terminlieferungen) werden vom Beschaffenden nicht in der Zeitkalkulation berücksichtigt.

 • Persönlicher Kontakt ist grundsätzlich nur zu den Öffnungszeiten des Anbieters möglich. Insbesondere für Bedarfsträger, die die Beschaffung in einer Nebenfunktion wahrnehmen, können sich hieraus wesentliche zeitliche Restriktionen ergeben.

 • Compliance-Anforderungen gelten zunehmend für die gesamte Wertschöpfungskette und die Betonung persönlicher Beziehungen als Erfolgsfaktor wird von Supply Chain Managern häufig skeptisch gesehen.

Neue E-Procurement-Lösung

Trotz der beschriebenen Komplexität hat die Stahl(handels-)branche damit begonnen, sich den E-Procurement-Forderungen der Käuferseite zu stellen. Einige große Anbieter haben eigene Vertriebslösungen vorgestellt, aber auch zahlreiche mittelständische Anbieter sind bereits mit individuellen Shop-Lösungen online.

Das Unternehmen Mapudo geht mit seinem Online-Marktplatz noch einen Schritt weiter und hat sich zum Ziel gesetzt, die Stahlbeschaffung für kurzfristigen Spotbedarf zu vereinfachen, da gerade hier die Transaktionskosten für beide Seiten überverhältnismäßig hoch sind. Stahlanbieter können auf der geschaffenen Online-Plattform ihre Produkte einschließlich aller anfallenden Auftragsnebenkosten (Anarbeitung, Materialzeugnisse und Logistik) hinterlegen und Bedarfsträger können diese dann direkt beim Anbieter rund um die Uhr über die Plattform bestellen. Mapudo adressiert damit Bedarfsfälle, bei denen ein persönlicher Kontakt mit dem Verkäufer nicht nötig ist. Als Zielkunden will Mapudo jene ansprechen, die nicht in ihrer Haupttätigkeit Stahl einkaufen, sondern die Beschaffung effizient und vieleicht auch außerhalb der Öffnungszeiten des Stahlhandels erledigen möchten.

Die Mapudo-Online-Plattform wird kontinuierlich weiterentwickelt. Ansatzpunkte hierfür sind die Schwachpunkte der bisherigen (Offline-)Einkaufspraxis, die mit einer Vielzahl von Funktionen beseitigt werden sollen. Hierzu gehören:

 •  Eine effiziente Freitextsuche, mit der ein Produkt schneller gefunden und in den Warenkorb gelegt werden kann.

  • Die Nutzung von Bedarfslisten, mit denen wiederkehrender Bedarf mit nur wenigen Klicks erneut bestellt werden können

 • Eine vollständige Abfrage auftragsspezifischer Anforderungen, von Längs- und Gehrungsschnitten über Materialzeugnisse bis zu Wunschterminen oder Kranentladungen.

Interessenten ermöglicht es Mapudo, mit einem bestimmten Anbieter vereinbarte Konditionen auf der Plattform zu hinterlegen, so dass vor dem Einkauf jedem Bedarfsträger im Unternehmen ausgehandelte Preisvereinbarungen zugänglich gemacht werden, auf die bei Bestellungen nicht mehr speziell hingewiesen werden muss. Vom Anbieter hinterlegte Preis-Mengen-Staffeln bleiben unabhängig von den vereinbarten Materialpreisen weiterhin bestehen.

Aktuell sind etwa 30 Anbieter mit rund 20.000 Produkten auf dem Marktplatz vertreten.

Erschienen in Ausgabe: 06/2017