Prozessdenken auf ganzer Linie

RAS Reinhardt Maschinenbau offeriert seinen Kunden nicht nur Lösungen für komplette Blechbearbeitungsprozesse, sondern lebt dies auch in seinen eigenen Werken. So ist unter anderem CAD/CAM, PDM und ERP miteinander gekoppelt. Systempartner ist DPS Software.

03. September 2018
RAS-Multibend-Center: ein hochautomatisiertes Blechbiege-Center, hier als CAD-Modell. (Bild: RAS)
Bild 1: Prozessdenken auf ganzer Linie (RAS-Multibend-Center: ein hochautomatisiertes Blechbiege-Center, hier als CAD-Modell. (Bild: RAS))

Blech ist ein fragiler Werkstoff, ähnlich wie Papier, wenn auch auf einer anderen Ebene. Um mit Blechen geschickt umgehen zu können, sind schon viele Bearbeitungsmaschinen entwickelt worden. Einer der Anbieter in dem Umfeld Schneiden, Biegen, Formen ist RAS Reinhardt Maschinenbau aus Sindelfingen. Das Unternehmen wurde 1939 von Wilhelm Reinhardt gegründet.

Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg startete Reinhardt die Herstellung von Blechbearbeitungsmaschinen. Es wurden zunächst Schwenkbiegemaschinen und Scheren hergestellt. 1949 erfolgte der Umzug aus der Stadt heraus an den heutigen Standort etwas außerhalb. Mitte der 60er-Jahre errichtete Reinhardt ein weiteres Werk in Wildberg-Effringen/Nordschwarzwald.

In der Zwischenzeit ist RAS zu einem leistungsfähigen Werkzeugmaschinenhersteller mit 250 Mitarbeitern gewachsen. Die Unternehmensführung liegt heute in den Händen der Enkel des Gründers, Willy und Rainer Stahl. RAS adressiert Anwendungsbereiche wie Türen und Tore, Deckenleuchten, Schaltschränke oder Getränkeautomaten. Es geht hierbei um das Biegen gerader Kanten durch Schwenkbiegen. „Gestanzte oder gelaserte Teile werden eingelegt und durch einen Schwenk der Biegewange der kurzen Schenkel gebogen“, erklärt Rainer Stahl.

RAS hat sogar eine eigene Software entwickelt, die die Biegeprogramme mit einem Klick automatisch erzeugt. Darüber hinaus gibt es eine ERP-Software, Bendex Professional, die die administrativen Prozesse automatisiert und die Werkstattsteuerung optimiert. Durch diesen  Aufwand werden hohe Rationalisierungspotentiale gehoben. „Wir haben Kunden, die an dieser Stelle mehr als 600 Prozent Zeiteinsparung haben“, so Stahl.

Darum geht es also: Gesamtlösungen, Maschine, Automatisierungsumfeld und Software so zu realisieren, dass sie hohen Nutzen spenden. Und nicht nur wieder eine Maschinenachse um fünf oder zehn Prozent schneller zu machen. Dass man dabei die mechanische Auslegung der Maschinen und auch der Peripherie keineswegs vernachlässigt, zeigt der Invest des Unternehmens in CAx-Technologie und deren Integration.

RAS ist ein früher Solidworks-Kunde

Bereits 1999 begann RAS mit der Auswahl eines neuen 3D-CAD-Systems. „Der Eintritt in die 3D-Welt war dringend notwendig, weil wir mit 2D an Grenzen gestoßen sind“, so der Konstruktionsleiter Mechanik, Joachim Köhler. Mit im Anbieterfeld war DPS Software mit den System Solidworks von Dassault Systèmes. DPS Software ist dann auch ausgewählt worden. Das Systemhaus hat eine steile Karriere gemacht. Aus dem Kleinbetrieb von damals wurde der größte selbständige Solidworks-Reseller in Europa und der größte Sage-Händler im D-A-CH-Raum.

Das Unternehmen aus Leinfelden-Echterdingen hat schon früh begonnen, den großen Hauptsystemen eigene kleine Pakete an die Seite zu stellen und auch individuelle Software für einzelne Kunden zu entwickeln. Dabei hat es sich keineswegs gescheut, die Expertise von Kunden mit einzubeziehen, wie auch im Fall von RAS, insbesondere bei dem Aufbau der „Jobbox“.

Der RAS-Mitarbeiter Joachim Köhler nennt den Grund für die Entscheidung: „Solidworks war damals mit den Features am weitesten, es konnte intuitiv bedient werden, und es führte uns schnell zum Teil.“ Mittlerweile hat RAS 25 Lizenzen installiert. Neben der Basissoftware gibt es Bausteine für die Finite Elemente Berechnung (Solidworks Simulation Premium), die Bewegungssimulation (Solidworks Motion), die NC-Programm-Erstellung (Solidcam) und die Datenverwaltung (Solidworks Workgroup PDM und neuerdings Solidworks PDM Professional).

Berechnet wird bei RAS inzwischen alles – von der Schraube über Werkzeuge bis zur komplexen Schweißbaugruppe. Mittlerweile macht RAS auch vor Betriebsfestigkeitsberechnungen und nichtlinearen Berechnungen nicht halt. Allgemein können mit Solidworks Simulation Premium dynamische Lasten (zeitabhängig) analysiert, starke Verformungen von Bauteilen betrachtet sowie nichtlineare Materialien analysiert werden.

Mit der nichtlinearen Spannungsanalyse können Entwickler Spannungen und Verformungen auch da noch analysieren, wo die lineare Berechnung versagt. „In dieser Hinsicht leisten wir fast Grundlagenforschung. Es gibt kaum aktuelles Wissen dazu, also müssen wir es eben selbst erarbeiten“, beschreibt Köhler die Situation. Besonders wichtig ist es ihm, die Ergebnisse immer wieder mit der Praxis abzugleichen, „um gegebenenfalls sein Simulationsmodell zu verbessern.“

Prozesse gut durchgearbeitet

Von einzelnen Dateninseln hält RAS wenig und schafft stattdessen durchgehende Prozesse. Alles wird unter der Kontrolle von PDM und ERP abgewickelt. In Sachen ERP stellt RAS einen Sonderfall da, weil der Maschinenbauer ein eigenes ERP-System entwickelt hat. „Vor mehr als 30 Jahren haben wir Catuno.pro in eine eigene Tochter, Catuno, ausgelagert. Von dort aus findet auch die Vermarktung im gesamten D-A-CH-Raum statt“, erläutert Rainer Stahl.

Catuno.pro, ein webfähiges ERP-System mit Java-Technologie, hielt bei einer Vielzahl von Kunden Einzug und unterstützt die Anwender bei ihren kaufmännischen Aufgaben und mit Schnittstellen zu anderen Bereichen. So gibt es auch eine Schnittstelle zu Solidworks, die intensiv genutzt wird. Bezüglich der Stücklisten sagt Joachim Köhler: „Wo früher jemand drei Wochen an einer Stückliste für eine komplette Maschine saß, geschieht es heute einfach per Knopfdruck.“

In diesem Zusammenhang spielt auch die „Jobbox“ von DPS eine große Rolle. Das Tool dient zur einfachen Automatisierung von Prozessen durch die Anlage benutzerdefinierter Batch-Prozesse, ohne Programmierkenntnisse. Mit der neuen Version, der DPS JobBox 2.0, können die Anwender auch Datenbanken abfragen und schreiben. Das erweitert die bisherigen Funktionen erheblich, da eine Anbindung an Fremdsysteme in Unternehmen möglich ist. DPS bietet die Möglichkeit SQL, OL DB oder ODBC Datenverbindungen aufzubauen.

„Die Jobbox ist für uns Gold wert“, resümiert Köhler, „sie schafft den Übergang von CAD zu ERP, und sorgt dafür, dass freigegebene Dokumente umgehend im Vertrieb zur Verfügung stehen. Zudem unterstützt sie bei der vollautomatischen Ausgabe von Dokumenten für Lohnfertiger.“ All das erfolgt seit 18 Jahren in Zusammenarbeit mit DPS.