22. JUNI 2018

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Wer suchet, muss finden


Industrie 4.0 braucht Technologie 4.0. Doch was genau zeichnet eine moderne Shop-Floor-Lösung aus? Auf welche Punkte müssen Unternehmen achten, wenn sie den Sprung in das digitale Zeitalter schaffen wollen? In der Serie „Industrie 4.0 in der Praxis“ stellt Forcam die wichtigsten Module vor.

Werner Pertek liebt Klartext. „Wenn Ihnen ein Werker sagt: Gestern war ein Scheißtag, dann dürfen Sie das als Analyse nicht gelten lassen.“ Eigentlich seit Jahren im Ruhestand, ist Diplom-Ingenieur Pertek noch immer in Fabrikhallen der Automobilindustrie unterwegs und führt Fertigungsstraßen in das Zeitalter der Industrie 4.0. „Wenn Sie das gelten lassen, verballern Sie schnell 50 Schichten pro Monat oder mehr für Fehlersuche und Rüsten“, so der Fabrikleiter.

Die Antwort auf die Frage nach der Fehleranalyse liefert das Modul „Track & Trace“. Es beschreibt die Rückverfolgbarkeit der Produkte, Teile und Prozesse in Echtzeit. Track & Trace ist heute ein Muss im Shop-Floor-Management. Denn, wer 20 Prozent Produktivitätssteigerung erreichen will, muss eine lückenlose und schnelle Fehleranalyse sicherstellen.

So, wie für den Kaufmann die Marge im Einkauf liegt, liegt der Effizienzgewinn für den Fabrikleiter in der Fehlerminimierung. Werner Pertek betont: „Es ist ganz wichtig, den Ausschuss zu minimieren. Das geht nur mit sauberer Fehleranalyse.“

Modulare Lösungen machen flexibel
Technologie für Industrie 4.0 notiert zu jedem Zeitpunkt, wann, wie und wo ein Produkt gefertigt, gelagert oder transportiert wurde. So entsteht lückenlose Rückverfolgbarkeit von fertigen Produkten entlang der gesamten Lieferkette bis hin zum einzelnen Bauteil. Jedes Produkt ist entweder durch eine Seriennummer oder eine Chargennummer eindeutig identifizierbar.

Besonders hoch entwickelte Track & Trace-Module bieten noch mehr: Eine ereignisgesteuerte Datenerfassung misst und verarbeitet prozessrelevante Kenndaten wie Kraft, Temperatur oder Druck und legt sie zur automatischen Weiterverarbeitung ab. Das ist wichtig, wenn die IT-Infrastruktur um neue Tools ergänzt werden soll.

Fehlerquote sinkt
Gleichzeitig darf bei Updates nicht auch das Track-&-Trace-Modul ganz neu installiert werden müssen. Vielmehr arbeitet eine IT-Lösung nach dem Prinzip „Plug and Produce“ und bietet flexible Module.

Ein mittelständischer Automobilzulieferer hatte lange Zeit erfolglos versucht, in seinem Logistiknetzen eine praxistaugliche Track-&-Trace-Lösung zu integrieren. Nach Updates funktionierte die Rückverfolgung nicht mehr. Schließlich entschied sich das Unternehmen für eine Industrie-4.0-Lösung mit einem Track-&-Trace-Modul, das auch dynamisch konstituierte Logistiknetze (flexibles Routing) und den kontinuierlichen Austausch von Maschinen (Hot Deployment) unterstützt.

Die neue Lösung sorgt für hohe IT-Stabilität, Transparenz und die Einhaltung von Branchenregelwerken. Ergebnis: Das Unternehmen senkte die Fehlerquote in sechs Monaten um 18 Prozentpunkte.

Tracing über die gesamte Wertschöpfungskette
Eine Rückverfolgung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ermöglichen Lösungen auf Basis von In-Memory-Technologie, also die Verarbeitung sämtlicher Daten und Anwendungen in einem Hauptspeicher. Denn In-Memory-Technologie unterstützt einen höheren Datendurchsatz.

So funktioniert Track & Trace: Alle Teile erhalten einen Barcode mit Seriennummern. Die Maschine generiert die Barcodes und Seriennummern automatisch. Auch im Nachhinein können Barcodes erzeugt und erfasst werden.

Jeder Komponente und jedem Produkt können mehrere Schlüssel zugeordnet werden. Beim Scannen eines beliebigen Schlüssels wird die Zugehörigkeit zum betreffenden Produkt vom Tracing ermittelt. Abhängigkeiten im Komponentenbaum werden auch auftragsübergreifend erkannt. Der Werker muss keine bestimmte Seriennummer einscannen, damit das Produkt richtig identifiziert wird – die Fehleranfälligkeit wird so reduziert.

Produkthistorie (Upstream)
Das Upstream-Tracing für die Produkthistorie ermittelt Fehlerquellen, indem alle bei der Entstehung eines fehlerhaften Endproduktes beteiligten Komponenten samt deren Daten dargelegt werden. Die Upstream-Suche kann per Data-Matrix-Code oder Barcode-Scanner im Office Client aufgerufen werden. Die übersichtliche Darstellung der Produkthistorie im Komponentenbaum bietet eine gute Analyse-Performance.

Verwendungshistorie (Downstream)
Bei Rückrufaktionen ermittelt sogenanntes Downstream-Tracing für eine lückenlose Verwendungshistorie Seriennummern anhand bestimmter Selektionskriterien. Unterstützt wird die Selektion nach qualitätsrelevanten Prozessparametern, nach bestimmten Rohmaterialchargen oder auch nach beteiligten Werkern, Maschinen oder Werkzeugen.

Datum:
20.02.2018
Unternehmen:
Bilder:
Forcam

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