Kantenbearbeitung als Qualitätssigel

Der Blechbearbeiter Laser-Tech Olbernhau hat vor einem Jahr seine Blechbehandlung komplettiert und deren Qualität erhöht. Die Nachbearbeitung der gestanzten und lasergeschnittenen Platinen erfolgt mit Maschinen von Lissmac einwandfrei.

31. Januar 2019
Mit drei Lissmac-Blechbearbeitungsmaschinen zu höherer Bearbeitungsqualität. (Bild: Lissmac)
Bild 1: Kantenbearbeitung als Qualitätssigel (Mit drei Lissmac-Blechbearbeitungsmaschinen zu höherer Bearbeitungsqualität. (Bild: Lissmac))

Auf dem Boden der heutigen Laser-Tech Olbernhau entstand 1895 eine Rad- und Gestellfabrik. Dort fertigte man in bester Handwerkskunst unter anderem Räder für Automobile, die im nahegelegenen Brand Erbisdorf gebaut wurden. In der dortigen Elite-Motoren-Werke AG entstanden unter anderem Tourenwagen und Pullman-Limousinen.

1996 wurde das Unternehmen Laser-Tech Olbernhau durch Herauslösen des Fertigungsbereiches Blechbearbeitung aus den Betrieben "VEB Fahrzeugwerk Olbernhau" und "Camptourist Olbernhau" auf einer Produktionsfläche von 3.000 Quadratmetern neu gegründet. Zielstrebig wurde das Unternehmen aufgebaut. 2011 übernahm Heike Radecker das Unternehmen und führt seitdem den Weg in eine erfolgreiche Zukunft fort.

„Von Anfang an“, erläutert Jürgen Radecker, Technischer Leiter, „war es das Ziel, mit modernster Technik und motivierten Mitarbeitern, optimale Produktionsbedingungen zu schaffen. Im Laufe der Zeit haben wir schrittweise neue CNC-Laserschneid- und Abkanttechnik sowie Blechbearbeitungsmaschinen gekauft.“

„Neben der kontinuierlichen technischen Weiterentwicklung legen wir großen Wert auf die Mitarbeiterförderung“, hebt Jürgen Radecker hervor. „Dazu gehört ein flexibles Arbeitszeitmodell, das sich besonders an den Bedürfnissen junger Familien orientiert. Wir bilden selber aus und bezahlen die Kindergartengebühren. Nach neuestem Standard haben wir gerade Sozialräume für die Mitarbeiter eingerichtet.“

Qualitätsarbeit

„Qualität“, so Jürgen Radecker weiter, „basiert auf vielen Faktoren.“ Primär sind es motivierte Mitarbeiter sowie die technische Ausrüstung: Der Hersteller arbeitet mit zwei Laserschneidanlagen aus der Schweiz und einer kombinierten Stanz- und Laserschneidmaschine aus Finnland. Alle drei Maschinen haben effiziente Rauch- und Staubabsauganlagen.

Ein Stiefkind war bis vor gut einem Jahr die Nachbehandlung der gestanzten und lasergeschnittenen Platinen: Die manuelle Bearbeitung der Schnittkanten war mit Lärm und Schmutz verbunden. So wurden nicht alle Teile nachbearbeitet, sodass Qualitätsprobleme entstanden. Gunter Mende, Vertrieb von Schleif-, Entgrat-, Polier- und Oberflächentechnik, stellte die Verbindung zu Lissmac her: „Ich war von Anfang an aufgeschlossen, denn ich kannte bereits die robusten, zuverlässig arbeitenden und einfach handhabbaren Baumaschinen.“

So traf Gunter Mende Lissmac im Februar 2017 auf der Intec in Leipzig. „Das war der Start zur Komplettierung und Qualitätserhöhung unserer Blechbearbeitung, die nun auch die produktive, umweltfreundliche Schnittkantenbearbeitung integrierte“, betont er. Oxidschichten, die sich beim Laser-, Autogen- und Plasmaschneiden mit Sauerstoff an den Schnittkanten bilden, verhindern nämlich eine feste Verbindung von Lacken und anderen Korrosionsschutzmitteln. Auch an scharfen Schnittkanten platzen bei kleinsten Touchierungen ab.

„Seit der Installation der Blechbearbeitungsmaschinen liefern wir entgratete, verrundete und oberflächenbehandelte Blechteile und Baugruppen in hoher Qualität in alle Welt und bieten Garantieleistungen bis zu 15 Jahren“, so Jürgen Radecker. Dazu gehören zum Beispiel Blechteile und Baugruppen, die in der Abwassertechnik und in Lackierstraßen eingebaut werden. Darüber hinaus liefert das Olbernhauer Unternehmen eine Vielzahl von Blechteilen und Baugruppen für Kubotas Minibagger und Radlader sowie für die Medizin- und Umwelttechnik.

Laser-Tech Olbernhau sorgt stets für ein gut gefülltes Lager mit unterschiedlichen Blechen. Das sind verschiedene Sorten von Schwarzmetallen, Edelstählen und Buntmetallen. „So können wir auch spezielle Kundenwünsche sehr schnell erfüllen“, erläutert Jürgen Radecker.

Beidseitige Bearbeitung in einem Arbeitsgang

Mit der im Trockenverfahren arbeitenden Schleifmaschine ›SBM-XS 300 G1E1 Alu Mix‹ lassen sich Kleinteile aus Stahl, Edelstahl und Aluminium beidseitig in nur einem Arbeitsgang bearbeiten. Sie ist für die Entgratung und die gleichmäßige Verrundung der Werkstückkanten an den Außen- und Innenkonturen ausgelegt. Entsprechend der Arbeitsbreite der Maschine von 300 Millimetern dürfen die gestanzten, laser-, feinplasma- oder wasserstrahlgeschnittenen Werkstücke von 45 mal 45 mal 1 bis 200 mal 200 mal 15 Millimeter groß sein.

Die Kleinteile werden ohne Hilfsschablone mithilfe von Vakuumförderbändern durch die Maschine geführt. Dabei durchlaufen die Kleinteile zunächst das obere Querschleifaggregat, das die Grate und kleine Schneidspritzer abschleift. Anschließend führt der Teileförderer das Werkstück zum rotierenden Bürstenwalzenaggregat. Dort werden die oberen Schnittkanten gleichmäßig verrundet. Das Maß der Verrundung bestimmen die Zustellung der Werkzeuge und die Durchlaufgeschwindigkeit.

Nach der Bearbeitung der oberen Kanten wendet eine Wendestation die Werkstücke, die von den unten installierten Aggregaten geschliffen und verrundet werden. Die Handhabung, so Maschinenbediener Dietmar Weise, sei denkbar einfach. Die Zustellung der Werkzeuge entsprechend der Materialdicke erfolgt per Joystick und die Ansteuerung der Aggregate sowie die Einstellung der Durchlaufgeschwindigkeit per Drehknopf.

Soll nur eine Seite bearbeitet werden, kann man die Wendeeinrichtung nach hinten ausklappen. Bei ausgeklappter Wendeeinrichtung lassen sich Werkstücke mit 200 Millimeter Länge einseitig bearbeiten. Die Absaugung der Schleifstäube erfolgt über den Trockenentstauber DDE 1500 Alu Mix. Die SBM-XS 300 G1E1 von Lissmac gibt es auch für Stahlblechteile. In dieser Ausführung werden die Teile von Magnetbändern durch die Maschine geführt und die Teile dürfen kleiner sein.

Entgraten, Verrunden und Oxidschichtentfernung

Zum Entgraten, Verrunden und zur Oxidschichtentfernung auf der Vor- und Rückseite der Werkstücken in einem Durchgang installierte Lissmac zwei Blechbearbeitungsmaschinen in Reihe. Beide Maschinen bearbeiten in Olbernhau bis zu vier Meter lange lasergeschnittene und gestanzte Bleche aus Stahl und Edelstahl. Bei einem Materialwechsel sind beide Maschinen sorgfältig zu reinigen und die Schleifwerkzeuge auszutauschen. Dazu wurde die hintere Maschine auf einen Schienenfahrwagen gestellt, auf dem sie hinausgeschoben werden kann.

Zunächst entgratet und verrundet die Schleifmaschine SBM-L 1500 G1S2 Bleche, die schmaler als 1.500 Millimeter sind. Nach der Übergabe der Blechteile vom Zuführband laufen die Werkstücke mithilfe von Druckrollen zwangsgeführt durch die Maschine. Im vorderen Teil der Maschine arbeiten unten und oben jeweils ein quer zur Transportrichtung installiertes Schleifbandaggregat. Dort werden sämtliche Innen- und Außenkanten entgratet und Schneidspritzer entfernt.

Nachdem die Bleche von den Graten befreit sind, verrunden die nachfolgenden Schleiflamellenaggregate präzise. Dazu treiben jeweils zwei Aggregate oben und unten gegenläufige Schleifriemen an. Diese Schleifriemen tragen Schleifelemente, die mit Schleifvlies und Schleiflamellen kombiniert sind. Dabei übernehmen die Schleifelemente die Materialabtragung an sämtlichen Innen- und Außenkonturen in einem Durchgang. Durch die maschinelle Schnittkantenbearbeitung entsteht eine gleichmäßige Bearbeitung mit hoher Qualität.

Die Siemens-S7-Steuerung bietet hohen Bedienkomfort. Zur Bearbeitung wird die Materialdicke über das Touchpanel eingegeben. Die Maschine bearbeitet Bleche von 0,5 bis 50 Millimeter Materialdicke. Entsprechend der eingegebenen Blechdicke verfahren alle Aggregate automatisch auf das zugeordnete Niveau.

Oxidschicht entfernen

Gleich hinter der Schleifmaschine SBM-L 1500 G1S2 befindet sich die Stahlbürstmaschine SBM-M 1500 B2. Sie bildet mit der Schleifmaschine eine Einheit und wird von ihr direkt angesteuert. Auch die Stahlbürstmaschine arbeitet im Trockenverfahren. Dabei sorgen vier gegenläufig arbeitende Bürstenriemeneinheiten mit schräg gestellten Bürsten, je zwei auf der Ober- und Unterseite, für eine optimale Schnittkantenbearbeitung. Wenn die Bleche durch die Maschine laufen, bürsten die vier Bürstriemeneinheiten die Oxidschichten ab.

In einem Arbeitsgang entstehen auf beiden Seiten beschichtungsgerechte Oberflächen. Die zu bearbeitenden Stahlbleche dürfen maximal 20 Millimeter dick sein. Die Stahl-Bürst-Maschine bietet eine Durchgangsbreite von 1.500 Millimetern. Die Einstellung der Vorschubgeschwindigkeit erfolgt automatisch durch die Steuerung der verketteten Schleifmaschine. In der Stand-alone-Variante lässt sich die Maschine ebenso einfach bedienen wie die anderen Maschinen: Die Blechdicke wird per Joystick eingestellt, der Vorschub per Drehschalter.

Qualitätssicherung

Zur Sicherstellung der Qualität ist das regelmäßige Reinigen des Maschinenraums so selbstverständlich wie das Auswechseln der Schleif- und Bürstenwerkzeuge. Um eine optimale Zugänglichkeit zu gewährleisten, steht die Stahlbürstmaschine auf einem Schienenfahrwagen und kann seitlich aus der Bearbeitungslinie geschoben werden. Aus diesem Grund wurde die Schleifmaschine angehoben. Entgratet, verrundet und ohne Oxidschicht schiebt die Stahlbürstmaschine das Fertigteil auf das Abnahmeband. Der Werkzeugwechsel ist Minutensache.

Akribische Absaugung

Insbesondere die Absaugung von Edelstahlstäuben verlangt zur Gesundheitsvorsorge hohe und zuverlässige Filter- und Saugleistungen. Dazu bietet Lissmac den Trockenentstauber DDE 5500. Mit der Absaugleistung von 5.000 Kubikmeter pro Stunde ist der Trockenentstauber in der Lage, die Absaugungen für beide Maschinen zu übernehmen. Der Trockenentstauber steht gleich hinter der Trennwand in einem Nebenraum. Dort ist nicht nur mehr Platz zur Entnahme des Sammelbehälters, auch die Geräusche sind in den Nebenraum verlegt.

Um die Anforderungen des Gesundheitsschutzes zu erfüllen, wurde der Trockenentstauber mit zwei H14-Filter ausgerüstet. Sie ermöglichen, dass die Abluft mit einem Reinheitsgrad von 99,994 Prozent wieder in den Raum zurückgeführt werden kann. Über die prozesssichere Arbeitsweise der Maschinen wacht ein Strömungswächter. Erst bei einer Geschwindigkeit von 20 Metern pro Sekunde lassen sich die beiden Maschinen anfahren. Sinkt die Geschwindigkeit im laufenden Betrieb unter diesen Wert, erfolgt die automatische Abschaltung der Maschinen.

Jürgen Radecker resümiert: „Wir haben mit den Lissmac-Maschinen nicht nur die Qualität unserer Blechbearbeitung erhöht, wir konnten auch Arbeitszeiteinsparungen verbuchen und die Raumluft verbessern. Die Maschinen arbeiten sehr zu unserer Zufriedenheit und auch der Service von Lissmac klappt bestens. Beispielsweise konnten wir mithilfe des Telefonservice selbständig ein Schaltschütz wechseln. So konnten wir unverzüglich weiterarbeiten.“

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