Prozesse fast ohne Schnittstellen

Seit 2009 hat Paul Kauth Solidworks und Solidcam eingeführt, um für seine Blechumformteile ein durchgehendes System vom Prototypenbau bis zur Werkzeugkonstruktion und -fertigung zu haben. Betreut wird der Automobilzulieferer von DPS Software.

30. Januar 2019
Solidworks Arbeitsplatz im Werkzeugbau (Bild: DPS Software)
Bild 1: Prozesse fast ohne Schnittstellen (Solidworks Arbeitsplatz im Werkzeugbau (Bild: DPS Software))

Auf der schwäbischen Alb verbinden sich schöne Landschaft und mittelständische Industrie aufs vortrefflichste. Während draußen die Kartoffelstöcke blühen, wird drinnen Hightech gemacht. Hier werden viele Produkte gefertigt, die Weltspitze sind. Nur die Unternehmen selbst sind oft wenig bekannt.

Einer davon ist Paul Kauth – ein Unternehmen mit rund 550 Mitarbeitern, verteilt auf sechs Standorte. Kauth entwickelt und baut Teile für die Automobilindustrie, produziert ausschließlich in Deutschland. Verbaut werden die Teile mehr oder minder in der ganzen Welt. Das sind Teile wie Achsbefestigungen, Gewindeplatten, Tür- und Heckscharniere, Sitzbefestigungen, Motor- und Getriebebefestigungen.

Tuben in einem Stück tiefziehen

Letztere werden in der Form von Tuben produziert, in einem Stück, in Folgeverbundwerkzeugen tiefgezogen. Ein spezielles Verfahren, von Kauth selbst entwickelt, das für stabile, hochfeste Teile sorgt. Damit hat das Unternehmen bis heute ein Alleinstellungsmerkmal. Auch alle anderen Werkstücke werden aus Blech, durch Kaltumformung hergestellt. Entsprechend beeindruckend sind die Presshallen in Denkingen.

Kauth wurde 1928 in Spaichingen von Paul Kauth gegründet, zunächst als Taxi- und Mietwagenunternehmen mit Tankstelle und Reparaturwerkstatt. 1952 folgte eine Kehrtwende: Paul Kauth richtete seine Firma auf die Produktion von Drehteilen und Muttern aus. Im Jahr 1964 gab es einen weiteren großen Schritt: Das Unternehmen zog nach Denkingen. Hier wurde auch eine erste Produktionshalle errichtet.

Umstellung auf Stanz- und Umformteile

Als immer mehr billige Drehteile nach Deutschland importiert wurden, hat Kauth rechtzeitig auf Stanz- und Umformteile umgestellt – teils durch eigenes Wachstum, teils durch geschickten Firmenzukauf sind die Schwaben stetig gewachsen. Neben der Zentrale in Denkingen gibt es Niederlassungen in Frittlingen, Deilingen, Solingen und in Finnentrop (Nordrhein-Westfalen). Eine weitere Niederlassung in Kanada wird derzeit aufgebaut.

Kauth produziert bislang ausschließlich in Deutschland, die Teile werden aber über die automobilen OEMs weltweit verbaut. Kunden sind zum Beispiel Mercedes Benz, BMW, Audi, VW oder Porsche. Das Unternehmen befindet sich nach wie vor in der Hand der Gründerfamilie. Dass man für so ein Unternehmen ein leistungsfähiges CAD/CAM-System braucht, steht außer Frage. Seit 2009 ist Solidworks installiert, das von DPS Software geliefert wird. Mittlerweile sind insgesamt 20 Solidworks-Lizenzen, davon fünf mit Solidcam im Einsatz.

Im Grunde beginnt der Prozess bei Kauth in der Entwicklung beim Kunden. „Wir bekommen erste Vorschläge unserer Kunden und beginnen mit der Feststellung der Machbarkeit sowie auch der Gestaltung des Bauteils“, erläutert Alonso Martinez, Leiter Prototypen bei Kauth. Dann ist der Kunde wieder dran, das zu prüfen oder Änderungswünsche einzubringen. Eine Phase intensiven Informationsaustausches – auch auf der Datenebene.

Solidworks als CAD-Programm

Bei Kauth ist Solidworks installiert und bei den Automobilherstellern Catia und NX. Der Teilehersteller nutzt also in der frühen Phase Solidworks, die Arbeitsergebnisse werden dann in ein neutrales Format oder in Catia oder NX umgewandelt. Umgekehrt „werden die Daten meist über Iges oder Step übertragen“, erklärt Siegmar Reiner, Konstrukteur bei Kauth. „Das sind zwar dumme Daten, die uns aber intern nicht vor Probleme stellen, weil wir die Flächen zumeist neu in Solidworks aufbauen“, so Reiner.

Dabei war er am Anfang selbst überrascht, wie gut die Freiformflächen in Solidworks funktionieren: „Alle unsere Projekte konnten mit Solidworks gemacht werden, ohne an Grenzen zu stoßen.“ Ist dieser Prozessschritt zu Ende, werden die Teile komplett in 3D aufgebaut. Hierbei hilft seit eineinhalb Jahren auch Logopress, ein in Solidworks integriertes System für die Werkzeugkonstruktion, das Streifenlayout, die Abwicklung und die Freiformabwicklung umfasst. Es wird ebenfalls über den Solidworks-Händler verkauft und betreut.

Logopress hilft, die Tuben zu beherrschen, die in acht Meter langen Verbundwerkzeugen umgeformt werden. Schon in der Konstruktion werden die notwendigen Einzelstationen und die Schritte bis zum fertigen Produkt mitbedacht. Danach geht es weiter mit dem Werkzeugbau zu Kauth Werkzeugbau in Frittlingen. Hier werden unter anderem die Werkzeugkonstruktion, die NC-Programmierung und die Produktion abgewickelt. Der Werkzeugbau arbeitet mit dem CAM-System Solidcam, das vollkommen in Solidworks integriert ist.

Warum Solidcam?

„Bereits unser Vorläuferunternehmen, das von Kauth übernommen wurde, hatte Solidcam im Betrieb. Wir haben es dann erst einmal weitergeführt. Später als unser Werkzeugbau um eine eigene Fertigung erweitert wurde, haben wir nochmals ernsthaft Überlegungen zum CAM-System angestellt. Fest stand allerdings, dass nur ein System mit Solidworks-Integration infrage käme. „Letztendlich waren aber die Konstruktion und die NC-Programmierung von Solidcam überzeugt“, berichtet Alexander Schläfle, Betriebsleiter des Kauth Werkzeugbaus.

Als Vorteile der CAM-Software gelten eine einfache Bedienung und kurze Einarbeitungszeit, automatische Featureerkennung, Technik zur Fräszeitoptimierung sowie Schnittstellen zur Werkzeugverwaltung. Das Modul iMachining verkürzt beim Fräsen die Bearbeitungszeit um bis zu 70 Prozent und sorgt für eine höhere Standzeit bei den Werkzeugen, daher sind auch kleinere Werkzeuge sehr gut einsetzbar. Die Betreuung von Solidcam beim Kauth Werkzeugbau erfolgt ebenfalls durch DPS Software.

Zurück zum Prozess: Der beginnt mit der Werkzeugentwicklung, der Ausarbeitung des Methodenplans und dem Aufbau des Streifenlayouts. „Aufgrund dessen machen wir eine Kalkulation und ein Angebot an Kauth in Denkingen“, so Schläfle. Wird beides akzeptiert, erfolgt der Auf-trag. Danach wird das Werkzeug fertig konstruiert und es erfolgt die Abnahme. Jede einzelne Station wird genau geprüft. Alle diese Arbeiten erledigen die Werkzeugspezialisten mit Solidworks und haben dafür fünf Lizenzen zur Verfügung.

Ein gutes Zeugnis

Ist der Konstruktionsprozess und die Abnahme fertig, werden die Zeichnungen erstellt. Kauth Werkzeugbau setzt auch iMachining ein, allerdings nicht bei jedem Werkstück. „Wir arbeiten alternativ mit Hochvorschubfräsern, die schnelles Schruppen erlauben. Was jeweils eingesetzt wird, entscheidet der Programmierer nach seiner Erfahrung“, wie Schläfle ausführt.

Solidcam wird in Frittlingen in seiner ganzen Breite genutzt und „wir sind sehr zufrieden damit“, wie Schläfle versichert. Ein ebenfalls gutes Zeugnis stellt er dem Software-Lieferanten aus: „Es ist ein großer Vorteil, dass DPS so servicestark ist. Wenn wir einmal Hilfe brauchen, erhalten wir die sehr schnell, meist in Stunden.“

Die Konstrukteure in Denkingen schließen sich dem positiven Urteil an. Martinez: „Ich bin froh, mit DPS ein starkes Softwarehouse an unserer Seite zu haben. Besonders gut fand ich die Schulung: vom Ablauf her, wie das Material aufgebaut ist und wie wir unterstützt wurden.“

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