Oberflächenlösung für Verkehrstechnik

Sie führen, verbieten und sie sorgen für Ordnung auf unseren Straßen – Verkehrszeichen. Für die Fertigung der Schilder investierte Bremicker in eine nagelneue Oberflächenlinie – bestehend aus einer Oberflächenschleifmaschine von Hans Weber und einer UV-Beschichtungsanlage von Robert Bürkle.

12. November 2018
Verkehrsschilder  einfaches Produkt mit ausgeklügelter Fertigungstechnik bei Bremicker Verkehrstechnik 100.000-fach gefertigt. (Bild: Kuhn)
Bild 1: Oberflächenlösung für Verkehrstechnik (Verkehrsschilder einfaches Produkt mit ausgeklügelter Fertigungstechnik bei Bremicker Verkehrstechnik 100.000-fach gefertigt. (Bild: Kuhn))

Bremicker Verkehrstechnik, 2017 als Top-Arbeitgeber ausgezeichnet, entwickelt und produziert seit 85 Jahren Verkehrstechnik. „Dafür“, so Kai-Uwe Pook, Prokurist und Bereichsleiter Produktion und Logistik bei Bremicker, „verarbeiten wir jährlich zirka 1.000 Tonnen Aluminium als Ronden, Dreiecke oder andere Formate, mehrere 100 Tonnen Stahl und über 125.000 Quadratmeter Folien.“ Daraus entstehen viele Tausend Verkehrszeichen mit einer Grundfläche zwischen 0,4 und 160 Quadratmetern sowie dynamische Leitsysteme.

Allein die Fertigung eines einfachen Verkehrsschildes benötigt eine Reihe von Fertigungsschritten die optimal geplant und aufeinander abgestimmt sein müssen. Ausgangsmaterial sind Bleche aus Aluminium. Sie werden zugeschnitten, geschliffen, gereinigt und lackiert. Anschließend werden sie mit Folien beschichtet. „Bei großen Schildern ist das eine wahre Kunst“, so Pook, „denn dabei werden meist mehrere Folien auf einem Blechzuschnitt kombiniert. Diese müssen entsprechend stoßgenau und unsichtbar zusammenpassen.“

Nagelneue Oberflächenlinie

Für Layout und Design der Folien, die auf einem Drucker ausgegeben und auf einem Plotter zugeschnitten werden, arbeitet Bremicker mit einer speziellen Software, mit der die Konstrukteure und Designer die jeweiligen Informationen gestalten und auf die Folie bringen. Dabei unterscheidet Bremicker vor allem zwischen reflektierenden und nicht reflektierenden Materialien.

Die dafür erforderliche Fertigungstechnik zeigt sich mit einer nagelneuen Oberflächenlinie mit Schleif- und UV-Lackieranlage. Kai-Uwe Pook, verantwortlich für diesen Bereich, sieht seine Aufgaben vorrangig in Lösungen, die zum einen umweltfreundlich und zum anderen  wirtschaftlich sind. Neuinvestitionen orientieren sich demnach ausschließlich an den beiden genannten Kriterien.

Aus seiner beruflichen Erfahrung heraus trifft Pook seine Entscheidungen. So auch für die Schleiftechnik und Oberflächenbeschichtung. Er konstatiert: „Mit den Technologien von Bürkle und Weber, die für alle Beteiligten in Sachen Dimension ein Novum darstellen, haben wir jetzt einen Schritt vollzogen, der uns jährlich viele Tonnen Lösemittel einsparen lässt und unsere Flexibilität erhöht.“

Schleifmaschine mit Lackieranlage

Was sich hinter dieser umfangreichen Investition verbirgt ist eine Oberflächenlinie, die sich zum einen durch eine Schleifstraße der Baureihe M der Hans Weber Maschinenfabrik in Kronach, zum anderen durch eine Walz-Lackieranlage mit UV-Trocknungstechnik von Robert Bürkle aus Freudenstadt, präsentiert. Die Baureihe M sind Schleif- und Entgratmaschinen bis zu einer Bearbeitungsbreite von 3.200 Millimetern. Hier wird eine Kombination einer von oben schleifenden und einer von unten schleifenden Maschine eingesetzt.

Für die Experten Georg Weber, Geschäftsführer der Hans Weber Maschinenfabrik, und Patrick Ade, Verkaufsleiter Lackieren bei Robert Bürkle, war es eine interessante Herausforderung, die Konstellation vom Möbel- auf den Metallbereich zu adaptieren. Wie Ade betont, befassten sich die Freudenstädter bislang zwar ab und zu mit Blechen als Werkstücke, UV-Lackierung findet heute allerdings fast ausschließlich in der Möbelindustrie statt.

Kai-Uwe Pook betont: „Für die Neuinvestition in die Oberflächenlinie gab es nur einen Weg – weg vom Lösemittel. UV-Lackieren kannte er bereits aus der Möbelbranche. „Worauf es also ankam“, so der Betriebsleiter, „war, dass wir die Kombination des Schleifens und der UV-Lackierung auf den Metallbereich adaptieren, um damit umweltfreundlich und kostensenkend produzieren können. Das ist uns mit den neuen Anlagen gelungen. In vielen Schritten und zahlreichen Gesprächen konnten wir mit unserem Lackhersteller ein stabiles System aufbauen.“

Leichter Grat muss weg

Die Aluminium-Bildträger werden von Bremicker zum einen fertig eingekauft oder auf einer eigenen Trumpf-Laseranlage zugeschnitten. Trotz sauberer Schnitte sind sie mit einem leichten Primärgrat behaftet. Ein weiteres Problem stellt das Stapeln und Entstapeln der geschnittenen Bildträger dar, weil dabei unterschiedlich große Kratzspuren entstehen können.

„Für die Weiterverarbeitung muss der Bildträger aber absolut grat- und kratzerfrei sein. Das erreichen wir optimal mit der Schleifmaschine von Weber“, erklärt Pook. Mit der Weber-Schleifmaschine werden die Platinen entgratet und beidseitig, oben und unten, geschliffen. Daran anschließend erfolgt in der Bürkle UV-Lackieranlage der Lackauftrag auf der Oberseite der Bleche.

Die Weber mit einem Platzbedarf von 4.000 mal 4.000 Millimetern wurde so konzipiert, dass die Blechzuchnitte in einem Durchgang optimal grat- und kratzerfrei bearbeitet werden. Zunächst werden die Platinen vom Bediener oder auch zwei Bedienern aufgelegt. Die Einlaufbreite ist dabei mit 2.250 Millimetern für sehr große Platinen üppig bemessen. Auf dem entsprechend der rauen Bedingungen ausgelegten Förderband werden die Bleche mit acht Metern pro Minute automatisch durch die gesamte Oberflächenlinie geschleust.

Der beim Schleifen und Bürsten anfallende Staub wird zu 99 Prozent über spezielle Rohrleitungen über der Anlage abgesaugt, einem Filtersystem zugeführt und mit Wasser vermischt abgelagert. „Die Bleche und Platinen sind auf dem Transportband so fixiert, dass sie nicht verrutschen können“, erläutert Georg Weber. „Beide Schleifmaschinen, für Ober- und Unterschliff, sind über ein Terminal synchron gesteuert. Bereits beim Einlauf werden die Blechdicken elektromechanisch gemessen und die Maschinenhöhe  angepasst“, so Weber.

Die Antriebsleistung der Schleifanlage ist mit 48 Kilowatt pro Schleifeinheit kraftvoll und dennoch sparsam ausgelegt. „Die Maschine ist weitgehend wartungsfrei“, sagt Pook. „Einzig und allein die Schleifbänder, als Spezialanfertigung mit angepasster Körnung, müssen ein- bis zweimal pro Woche ausgewechselt werden.“

Reibungsloser Prozess

In ganz anderen Dimensionen zeigt sich die dem Schleifen nachgelagerte UV-Walz-Lackieranlage von Bürkle. In der Breite misst sie etwa ebenso wie die Schleifmaschine 2.250 Millimeter, in der Länge bringt sie es auf fast 19 Meter. Die geschliffenen Blechzuschnitte werden von mehreren Gurtförderern reibungslos von der Schleifanlage in die Lackieranlage und durch diese geführt.

Am Einlauf der Lackieranlage befindet sich eine Wandres-Reinigungseinheit. Diese arbeitet mit Schwertbürsten die immer quer zur Transportrichtung der zu reinigenden Oberfläche wischen. Partikel bleiben dabei an den Bürstenfilamenten haften und werden zum Absaugstutzen im Umlenkbereich transportiert. Hier sorgen ein Rakel und Druckluftdüsen dafür, dass die Partikel sich aus der Linearbürste lösen und sicher über die Absaugung entfernt werden.

Primer zur Haftung des Lacks

Direkt nachgeordnet befindet sich die erste von zwei Bürkle Walzenauftragsmaschinen Typ: easy-Coater RCL-L mit deren Hilfe zuerst der sogenannte Primer auf die Platinen aufgebracht wird, um eine Haftung des Lackes sicherzustellen. Dieser wird durch die zweite Walzenauftragsmaschine aufgebracht. Damit lassen sich alle flächigen Bauteile, in diesem Falle Aluminiumzuschnitte als Bildträger für die Verkehrsschilder beschichten.

Werkstückgröße, Schichtdicken, Beschichtungsmedien und Auftragswalzenbeschaffenheit entsprechen jeweils den Anforderungen und Anwenderwünschen. Im Falle von Bremicker sind es spezielle UV-Lacke die aufgebracht werden. Zur Reinigung und Pflege werden die Walzenauftragsmaschinen seitlich mit ein paar Handgriffen und in wenigen Minuten, auf Schienen, aus der Anlage herausgefahren.

Den Walzenauftragsmaschinen zugeordnet sind die UV-Trocknungsanlagen. Diese funktionieren mit licht-emittierenden Röhren. Im Vergleich zur Trocknung herkömmlicher Wasser- oder Lösemittellacke sind sie wesentlich umweltfreundlicher. Sowohl Walzenauftragsmaschinen als auch die UV-Trocknungseinheiten gehören der Baureihe easy-Coater/easy-Cure an – ein Anlagenkonzept, das durch die Mitgliedschaft von Bürkle in der VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative „Bluecompetence“ entstanden ist.

Wirschaftlich, flexibel, umweltfreundlich

Bei Bremicker hat man mit Weber und Bürkle wohl die richtige Entscheidung getroffen: „Mit dieser Anlagenkonstellation haben wir unsere Flexibilität und Wirtschaftlichkeit enorm verbessert. Was aber noch höher zu bewerten ist, ist die Tatsache, dass wir umweltfreundlich produzieren.“