25. MAI 2018

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Alles – außer Standard


Technik

Für einen deutschen Kunden haben die ›Sheet Metal Fans‹ von GSW eine Kombinationsanlage für Längs- und Querteilen zur Herstellung mehrfach fallender Blechtafeln geliefert. Herausforderung des 1.250 Millimeter breiten Systems für 0,5 bis 2,5 Millimeter dicken Stahl war neben besonders hohen Genauigkeitsanforderungen auch eine hohe Flexibilität.
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Eine Längsquerteil-Kombination in Langbauform bildet eher die Ausnahme«, beginnt Benjamin Schwabe, Vorstand der GSW Schwabe AG. »Wenn durch die integrierte Längsteilung gleich mehrere Streifen pro Schnitt fallen, ist die Liniengeschwindigkeit meist untergeordnet; deshalb eignet sich für die meisten Anwendungen unsere Kompaktanlage mit Vorschubrichtmaschine.«

Die angesprochene Bauweise setzt sich zusammen aus einer angetriebenen Haspel, die das Ausgangsband in eine kurze Schlaufe wirft; nachfolgend eine Vorschubrichtmaschine zum Taktbetrieb und direkt nachgeschaltete Längsteilschere, elektrisch aufsynchronisiert; mit der nur über einen kurzen Zugangsschwenktisch entfernten Querteilschere spart man im Verbund viel Platz – im Gegensatz zur Langbauform, bei der die Richtanlage das Band von der Haspel in eine Schlaufe abzieht und anschließend ein Walzenvorschub in Synchronisation mit der Längsteilschere die Positionierung übernimmt. Neben der Ersparnis wertvoller Produktionsfläche hat die Kompaktanlage den Vorteil schnelleren Rüstens und unmittelbarer wirkender Veränderungen der Richteinstellungen für das Produkt (bei der Langbauform ›wartet‹ man die volle Schlaufenlänge, bis sich geänderte Zustellparameter im geschnittenen Produkt zeigen) – das ist bei oft wechselnden Produktspektren und nicht abgearbeiteten Coils hilfreich. Weniger geeignet ist die Kompaktanlage für kleine Toleranzen bei wiederholten Teilelängen. Denn hier addieren sich die Spiele im mechanischen Antriebsgefüge von Richtanlage und Längsteilschere zu per Längenmessung korrigierten maximalen Genauigkeiten von 0,1 bis 0,2 Millimeter auf 1.000 Millimeter Abschnittslänge. Allerdings ersetzt eine Längs- und Querteilkombination meist den manuellen Zuschnitt auf einer Tafelschere, weshalb die Genauigkeitsanforderungen dann nicht so hoch sind.

Im aktuellen Falle war die Kompaktform am Ende jedoch nur die zweitbeste Lösung – die Anforderungen für die Teilepräzision waren hoch –; 0,1 Millimeter sollten nicht nur als Abschnittslänge, sondern auch in der Winkeligkeit garantiert werden. Da der Kunde seine Coils aufgrund stetig steigender Durchsätze planmäßig immer abzuarbeiten gedenkt, werden die Rüstnachteile durch Produktivität mehr oder weniger egalisiert.

»Eine solche Genauigkeit zu garantieren, ist für eine Kombinationsanlage ohnehin eine Herausforderung. Dies aber dann mit den Planzahlen des Kunden zu vereinen, machte die Sache sportlich«, erinnert sich Schwabe an den Beginn des Projektes. »Unser gemeinsam besuchter Referenzkunde hatte uns eine Testproduktion machen lassen – das war Gold wert, denn sie hat uns gezeigt, dass herkömmliche Methoden nicht ausreichen würden. So mehrte sich das Kundenverständnis für notwendige Maßnahmen und wir konnten gleichzeitig sicher sein, dass es Lösungsansätze geben würde, um das Ziel zu erreichen.«

Drei spezifische technische Einschränkungen ergeben sich aber für hohe Winkelingskeitsanforderungen laut GSW bei Kombinationsanlagen:

1.Längsteilen induziert Spannungen, setzt also im Material vorhandene Spannungen wieder frei. Dies führt zu mehr oder weniger ausgeprägten Wellen nach dem Längsteilen und hat somit direkten Einfluss auf die Parallelität nach dem Querteilen. Im Material vorhandene Spannungen lassen sich jedoch nur mit hochwertiger Richttechnologie vor dem Längsteilen wiederholbar beseitigen, und da es sich bei solchen Anlagen fast ausschließlich um breite Eingangsbänder (über 800 Millimeter Breite) handelt, müssen für Richtanlagen dieser Leistungsklasse deutlich sechsstellige Summen veranschlagt werden. GSW bietet diese sogenannten Feinrichtmaschinen auch an; allerdings sprengt ihr Preis oft die Wirtschaftlichkeit in der Betrachtung ›Coil gegenüber Tafel‹ – also automatisch statt manuell zu produzieren. Darüber hinaus können Feinrichtmaschinen nur sehr bedingt als Vorschubricht-Kombinationen (also Start-Stopp-Betrieb) eingesetzt werden, weil die empfindlichen Antriebssysteme dafür nicht ausgelegt sind. Somit fallen sie für die Kompaktbauweise meist von vorneherein aus.


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Ausgabe:
bbr 01/2018
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