In Skandinavien aktiv

Während halb Europa von Asien oder Osteuropa redet, erschließt die Carl Stahl GmbH Skandinavien für ihre Seil- und Hebeprodukte und eröffnete eine schwedische Niederlassung.

06. Dezember 2006
»Expansion lässt sich nicht erzwingen«, so Andreas Urbez, verantwortlich für das Auslandesgeschäft der Carl Stahl GmbH
Bild 1: In Skandinavien aktiv (»Expansion lässt sich nicht erzwingen«, so Andreas Urbez, verantwortlich für das Auslandesgeschäft der Carl Stahl GmbH)

»Mit seiner industrie- und schifffahrtbedingten Verladeintensität ist Skandinavien für uns interessant«, sagt Andreas Urbez, der bei der Süßener Carl Stahl GmbH das Auslandesgeschäft verantwortet. Seit 2000 ist der Seil- und Hebetechnikspezialist im norwegischen Bergen aktiv. 2005 wurde mit der Außenstelle in Stavanger der dritte Standort eröffnet, um näher bei lokalen Kunden zu sein. Bis Jahresende hat die Carl Stahl GmbH in Norwegen bereits sechs Millionen Euro Umsatz in den Bereichen Seil- und Hebetechnik sowie Spezialseile für die Fischerei erzielt. In der finnischen Industriestadt Turku ist die Carl Stahl GmbH seit September 2003 mit einer Niederlassung vertreten. Der Jahresumsatz beziffert sich hier auf 1,3 Millionen Euro jährlich. Vor allem Hebetechnikprodukte für die Holz-, Papier- und Metallindustrie sind gefragt.

Auf nach Schweden!

Im August 2005 schließlich folgte die Übernahme eines schwedischen Ein-Mann-Betriebs. Der Kontakt war über die norwegische Niederlassung entstanden. »Expansion lässt sich nicht erzwingen«, sagt Andreas Urbez. In Spanien beispielsweise sucht er seit längerem den passenden Markteinstieg. Dabei lässt sich die Carl Stahl GmbH nicht nur von wirtschaftlichen Faktoren wie der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes leiten, sondern auch von der weltweiten Flächenpräsenz, die der Mittelständler aus strategischen Gründen anstrebt. War die Expansionsstrategie lange Zeit von der raschen Refinanzierung der Investitionen geprägt, so ist mittlerweile der Anspruch, weltweit bei den Kunden präsent zu sein, Kern der Überlegungen. Auf diese Weise konnte der Familienbetrieb, der 2005 mit 735 Mitarbeitern weltweit 143 Millionen Euro umsetzte, profitabel wachsen.

Auslandsreisen

Wichtiger Baustein der Expansion sind Auslandsreisen, die das Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg in alle Erdteile regelmäßig anbietet. An etwa drei solcher mehrtägigen Reisen nehmen Urbez oder sein Schwiegervater, Seniorchef Willy Schwenger, jährlich teil. Bis zu zehn Gespräche und teils Betriebsbesichtigungen, die tiefe Einblicke in die Marktlage des besuchten Landes und viele Kontaktchancen bieten, stehen dann täglich auf dem Programm. Die Geschäftsführer suchen jeweils lokale Firmen, die mit dem Global Player kooperieren wollen, oder Vertriebspartner mit Branchenkompetenz und Marktkontakten, über die Carl-Stahl-Produkte verkauft werden können. »Die menschliche Beziehung muss stimmen«, nennt Urbez den Hauptpunkt, auf den er bei seinen Gesprächen achtet. Dann rücken unternehmerische Dynamik des Partners, Herkunft des Partnerbetriebs, Organisationsstruktur und Businessplan in den Blick. Nicht um jeden Preis expandiert die Carl Stahl GmbH. Mit dem Engagement in Skandinavien aber, wo rund 15 Millionen Europäer in drei Ländern leben, ist Urbez zufrieden. Deren Bruttoinlandsprodukt liege teils 20 Prozent über dem Deutschlands.

Erschienen in Ausgabe: 12/2006