In geregelten Bahnen

Mit Magneten zu mehr Sicherheit

Goudsmit Magnetic Systems, Waalre (NL), stellt seit 1959 Magnetsysteme her und richtet sich dabei auf unterschiedliche Märkte. Der niederländische Produzent von Magnetsystemen hat beispielsweise ein System für die Arbeit mit Blechmaterial entwickelt. Die Blechindustrie ist damit einer der wichtigen Sektoren für das Unternehmen.

11. Dezember 2002
Ausgetrickst: Selbst Lochbleche stellen kein Problem dar, denn wo das Vakuum versagt, greifen die Magneten noch sicher, und schnell lösen lassen sie sich auch noch.
Bild 1: In geregelten Bahnen (Ausgetrickst: Selbst Lochbleche stellen kein Problem dar, denn wo das Vakuum versagt, greifen die Magneten noch sicher, und schnell lösen lassen sie sich auch noch.)

In der Blechindustrie tritt das Problem auf, daß Stahlbleche, die automatisch angehoben werden, beispielsweise durch einen Roboter, manchmal durch das Öl auf dem Blech aneinander hängen bleiben. Durch den Einsatz von Magneten kann dies vermieden werden. Mit einem kürzlich erneuerten System kann der Magnet mit einem einfachen Griff vom Blechstapel entfernt werden - die Gefahr, sich die Finger zu klemmen, wird dadurch erheblich verringert.

Eine weitere neue Entwicklung ist die Nutzung von Magnetismus anstelle von Vakuumtechnik in den Greifern an Roboterarmen. Bleche werden heute häufig mit Vakuumgreifern angehoben.

Magneten statt Saugnäpfe

Diese Systeme sind allerdings sehr störungsempfindlich und unterliegen Verschleiß. Außerdem müssen die Vakuumnäpfe genau positioniert werden. Denn wenn sie teilweise auf ein Loch im Blech geraten, funktionieren sie nicht. Manche Produzenten haben bereits versucht, dieses Problem zu lösen, indem sie Elektromagneten einsetzen. Aber diese sind zu schwer, so daß weniger Bleche gehoben werden können

Goudsmit hat nun eine Variante entwickelt, bei der Dauermagneten genutzt werden, die wesentlich leichter sind. Mit Hilfe von Luft können die Pole in den Magneten so gedreht werden, daß sie ausgeschaltet werden können.

Mit Elektrohebemagneten

In der Blechindustrie werden häufig diverse Formen von Elektrohebemagneten eingesetzt. Sie sorgen für ein schnelles, einfaches und unbeschädigtes Transportieren von Werkstücken in verschiedenen Formen und Längen. Überdies bieten sie die Möglichkeit, das zu hebende Werkstück exakt zu positionieren und sparen kostbaren Lagerraum und Personalstunden ein.

Zwischengelagert

In der Blechindustrie vermeidet der Einsatz des „Blank Sheet Feeders“ Produktionsunterbrechungen. Dieser magnetische Puffer fängt nämlich Unterschiede im Produktionstempo auf. Ein Beispiel: Zwei Exzenterpressen, die arbeiten nicht in der selben Produktionsgeschwindigkeit. Während die eine Presse mit 90 Hübe in der Minute arbeitet, läuft die Folgepresse nur mit 80 Hüben. Um diesen Unterschied aufzufangen, ist der magnetische Feeder, etwa für Bleche oder Deckel für Ölfässer, mit einem magnetischen Puffer ausgestattet. Der Feeder wird zwischen die beiden Pressen aufgestellt. Die Vorgeformten Bleche kleben an einem Magnetband. Ein schneller Servomotor treibt das Magnetband an und bringt die Bleche zu einem Magnetpuffer. Wenn der Puffer voll ist, gibt ein eingebauter Sensor ein Signal, so daß die vorgeformten Bleche über ein anderes servobetriebenes Magnetband zur zweiten Presse geschickt werden.

Magnetische Blechstapler

Um dies alles im richtigen Moment und in einer sehr kurzen Zeitspanne (0,3 Sekunden) erfolgen zu lassen, ist die Hauptachse der Presse mit einem „absoluten Encoder“ versehen. Ein magnetischer Blechtrenner kann die Teile im Puffer darüber hinaus voneinander getrennt halten. Das System wurde mit Hilfe eines Computersteuerungssystems im eigenen Werk entworfen, entwickelt und produziert.

Goudsmit hat vor kurzem für Van Geel Systems einen magnetischen Blechstapler entwickelt und produziert. Der Produzent von Kabelrinnen und -zubehör aus dem niederländischen Boxtel hatte bislang Probleme beim Stapeln von perforierten Blechen. Dieses Stapeln ist für einen reibungslosen Ablauf des Produktionsprozesses erforderlich und dient als Zwischenbevorratung für den nächsten Bearbeitungsschritt. Ein Vakuumsystem war keine Option, da die Platten perforiert sind. Darum wurde ein Magnetsystem gewählt. Da dieses Magnetsystem mit einem mechanischen Positioniersystem versehen ist, können die Platten exakt innerhalb der vorgeschriebenen Toleranz von 2 mm gestapelt werden.

Auch Backformen sind aus Blech

Das von Capway (einem Kunden von Goudsmits Magnetic Systems) entwickelte Fördersystem ist speziell für Bäckereien geeignet. Es handelt sich dabei um ein spezielles Förderband, das aus zwei Ketten besteht, die mit Stäben verbunden sind. Dank dieser Konstruktion können zerbrechliche Produkte über gerade Strecken, durch Kurven und über eventuelle Höhenunterschiede ohne Bandunterbrechungen befördert werden. Das Produkt verschiebt sich nicht und unterliegt keinen unnötigen Quetschungen. In Bäckereien dreht sich alles um beständige Produktionsabläufe, die dank dieses pfiffigen Fördersystems gewährleistet werden. Magnetkomponenten sorgen dafür, daß der Produktionsprozeß ohne Unterbrechungen abläuft. Vor allem bei stark abfallenden oder steigenden Förderbändern werden Magneten genutzt, um zu vermeiden, daß Backformen sich verschieben. Außerdem werden Magnete eingesetzt, um beispielsweise die Backform festzuhalten, während das Brot herausgenommen wird.

In Verpackungsstraßen für die Metallindustrie (beispielsweise für das Verpacken oder Verarbeiten von Nägeln, Schrauben, Federn, Muttern und Ringen) und in Produktionsstraßen für bestimmte technische Produkte werden an diversen Stellen Magnete montiert.

Zunächst die so genannten „Slide Bed Conveyors“, geschlossene magnetische Förderbänder, die Metallteile befördern.

Von Nägeln und sonstigen Kleinteilen

Dies geschieht vertikal, nach oben über Entfernungen von zwei bis drei Metern und hat den Vorteil, daß die Produkte sauber, problemlos und sicher transportiert werden. Dieser Typ Förderband besitzt keine äußeren beweglichen Teile. So kann nichts hängenbleiben oder beschädigt werden, zudem können keine Produkte eingeklemmt werden. Auch für die Beförderung von Schrauben und Muttern, gestanzten Produkten, Stanzabfall, Kugellagerteilen, Stahlstrahlmitteln, Spänen sowie Dreh- und Bohrabfällen können solche Fördersysteme äußerst sinnvoll sein.

Ein weiteres Einsatzgebiet von Magneten in Verpackungsstraßen ist das Ausrichten der Produkte während des Verpackens. Um das Verpackungsvolumen so weit wie möglich zu verringern, werden die Produkte mit Elektromagneten in Richtung der Wiegemaschine (500 Gramm bis 25 kg) ausgerichtet. Dadurch landen sie alle in derselben Richtung in der Verpackung, was rund 40 Prozent Volumeneinsparung bedeutet. Durch die hohe Geschwindigkeit, mit der der Richtmagnet das magnetische Feld auf- und abbaut, können 36 Verpackungen pro Stunde gefüllt werden. Nach dem Richten und Verpacken von Metall- und Stahlwaren besteht die Möglichkeit, daß das Produkt selbst auch magnetisch geworden ist. Dies ist der dritte Punkt, an dem ein Goudsmit-Produkt eingesetzt werden kann: ein Entmagnetisiergerät. Damit können die Produkte in der Verpackung wieder entmagnetisiert werden. So werden auch in anderen Industriezweigen viele Probleme vermieden. Zum Beispiel: Ferromaterialien und -werkzeuge können aus unterschiedlichsten Gründen magnetisch werden, so beispielsweise während des Schmirgelns, Schleifens, Polierens, Schweißens, Stanzens oder Schneidens. Aber auch der direkte Kontakt mit zum Beispiel (magnetischen) Systemen kann das Produkt magnetisieren, ebenso wie eine scheuernde Bewegung während einer Bearbeitung oder eines Transports. Die direkte Folge: Magnetische Produkte kleben aneinander und ziehen Staub und Späne an. Neben diesen Problemen gibt es noch andere störende Folgen: Beschädigte Gewinde bei der automatischen Bearbeitung von Schrauben und Muttern, Störungen in den Bearbeitungsmaschinen durch das Kleben der Produkte oder schlechte Ergebnisse bei Oberflächenbearbeitungen wie Vernickeln oder Verchromen. Unerwünschte Magnetisierung kostet Zeit und Geld!

Ausgerichtet zur Weiterfahrt

Die magische Anziehungskraft, die Magnete auf viele Menschen ausüben, regt nicht nur die Phantasie an. Magnete bieten auch Lösungen für diverse Probleme in der Metall- und Stahlwarenindustrie.

Erschienen in Ausgabe: 09/2002