"Impulsive" Trennung

Die neue Dimension in der Trenntechnik

Vom 08. bis 10. Mai wurde er im Rahmen der Technologie-Tage bei Schuster Präzision, Denklingen, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: der neue „7G-Impulser“, der Stangen, Rohre und Profile bis 50 mm Querschnitt ohne Materialverlust, Grat und Verschmutzung trennt. Die anfängliche Skepsis ob der völlig neuen Technologie wich bei den zahlreichen Fachbesuchern auf Grund der enormen Potentiale des neuen Gerätes schnell Staunen und Begeisterung.

24. September 2003
Impulsive Trennung: So sieht die Trennfläche beim 7G-Impulser aus.
Bild 1: "Impulsive" Trennung (Impulsive Trennung: So sieht die Trennfläche beim 7G-Impulser aus.)

Die Grundidee hinter dem 7G-Impulser ist sehr einfach: Ähnlich einem Karateschlag wird das zu trennende Material durch einen kurzen, exakt definierten Impuls getrennt, ohne daß das Werkzeug in das Material eindringt. Beim 7G-Impulser werden dabei durch den äußerst hohen Schlagimpuls Schallwellen erzeugt, die sich durch die spezielle Gestaltung des Werkzeuges gleichmäßig im zu trennenden Material ausbreiten und die Trennung bewirken. Die Kunst besteht hierbei darin, die Schallwellen auf den Punkt zu konzentrieren und eine gleichmäßige Verteilung von außen nach innen zu erreichen.

Beschleunigung im Impulserelement

Die Entwickler bei Schuster Präzision haben in den nur rund sechs Monaten von der Idee bis zur Vorstellung des 7G-Impulsers das Machbare innerhalb der Mechanik und Elektronik ausgereizt: Auf seiner Beschleunigungsstrecke beschleunigt der Impulser auf eine Geschwindigkeit bis 15 m/s. Dabei entwickelt das nur wenige Kilogramm schwere Impulserelement eine Kraft von etwa 200 Tonnen. Da diese Kraft jedoch auch wieder aufgefangen werden muß, kommt dem vierfach Dämpfungspaket des 7G-Impulsers eine äußerst wichtige Rolle zu. Eigens entwickelte Dämpfungsmechanismen sind im Werkzeug und im Stahlunterbau unter dem Werkzeug eingebaut. Das Mineralitgußgestell ist ebenfalls ein dazu gehöriges wichtiges Dämpfungselement.

Materialunabhängig sauber trennen

Die Vorteile des 7G-Impulsers liegen zum Einen darin, daß er alle Materialien trennt, dabei aber keinen Verschnitt, keinen Grat und keine Verunreinigung durch etwaigen Schmier- und Kühlmittel verursacht. Somit entfällt die komplette Reinigung vor der Weiterverarbeitung, was Geld spart und die Umwelt nachhaltig schont. Ein weiterer Vorteil liegt in der enormen Geschwindigkeit: Taktzeiten bis etwa 1 Sekunde sind möglich. Dabei wird die Taktzeit allein durch die Werkstücklänge, nicht durch den Durchmesser oder das Material selbst bestimmt.

Eine Beispielrechnung verdeutlicht schnell die enormen Einsparpotentiale: Dauert das Absägen eines Automatenstahls mit 50 mm Durchmesser rund 30 Sekunden, längt der 7G-Impulser dasselbe Material in maximal ein bis zwei Sekunden ab. Braucht man beispielsweise 1.000 Abschnitte, benötigt die Säge über 8 Stunden, der 7G-Impulser ist aber bereits nach rund einer halben Stunde fertig. Durch ein Werkzeug-Schnellwechselsystem kann er binnen weniger Minuten für neue Trennaufgaben umgerüstet werden und ist auch sonst sehr bedienfreundlich. Über die Steuerung müssen lediglich ein Code für das Material, der Durchmesser, die gewünschte Länge und Stückzahl eingegeben werden. Alles andere läuft automatisch ab. Der angeschlossene Stangenlader kann im Standard drei Meter lange, auf Wunsch aber auch längere Stangen aufnehmen. Selbstverständlich befinden sich auch Bündellader im Lieferprogramm und auch direkt vom Coil kann der 7G-Impulser ablängen.

Der 7G-Impulser erzielt sehr gute Winkelgenauigkeiten, glatte Trennflächen und arbeitet äußerst verschleißarm. Im Gegensatz zum Abscheren verursacht er kein Fließen im Material und erzielt dadurch bessere Trennflächen ohne jegliche Gefügeveränderung und ohne Grat.

Ohne Gefügeveränderung, ohne Grat

Bei Anwendern von Langdrehautomaten kann jetzt oftmals darüber nachgedacht werden, doch Abschnitte zu bearbeiten und so die Nachteile des Drehens von der Stange zu eliminieren. Weitere Einsatzgebiete finden sich bei Umformern, in der Automobil- und Zulieferindustrie, bei Hydraulik-Herstellern oder einfach überall dort, wo abgelängte Abschnitte benötigt oder auch erzeugt werden.

Erschienen in Ausgabe: 08/2003