Immer bergauf

Fokus/Schneiden u. Schweißen

Das Vorarlberger Unternehmen Gassner Stahlbau profitiert vom weltweiten Boom des Berg- und Wintersports. Ein neues Plasmaschneidsystem von Esab ermöglicht eine deutliche Steigerung der Produktivität.

16. Februar 2010
Die Sicherheit ist entscheidend im Bau von Liften und Seilbahnen
Bild 1: Immer bergauf (Die Sicherheit ist entscheidend im Bau von Liften und Seilbahnen)

Im Industriegebiet Bürs bei Bludenz, gleich neben der österreichischen Rheintal-Autobahn, befinden sich auf einem zirka 40000 Quadratmeter großen Betriebsgelände die sehr modernen Werkhallen der Gassner Stahlbau GmbH. Kaum einer der in Sichtweite vorbeieilenden Reisenden dürfte wissen, was hier entsteht.

Seit 1974 fertigt Gassner Sessel für Seilbahnen und Skilifte, mittlerweile auch Kabinen, Seilbahnstützen sowie die unterschiedlichsten Verkehrs- und Transportbrücken. Auch im allgemeinen Stahlbau ist Gassner aktiv.

Nicht ohne Grund liegt der Schwerpunkt von Gassner Stahlbau aber bei allem, was mit Seilbahnen und Liften zu tun hat: Gassner gehört zur Doppelmayr/Garaventa-Gruppe, dem, so wird angenommen, weltweiten Marktführer dieser Branche, der allein im Geschäftsjahr 2007/2008 bemerkenswerte 144 Seilbahnprojekte gebaut und installiert hat.

Die Unternehmensgruppe hat Produktionsstätten sowie Vertriebs- und Serviceniederlassungen in über 30 Ländern rund um den Globus und konnte bis heute knapp 14000 Seilbahnen in 79 Ländern realisieren. Und für jedes Projekt, ob in Portland (Oregon) im Westen der USA oder auf der Halbinsel Kamtschatka im äußersten Osten Russlands, lieferte Gassner Stahlbau eine Vielzahl kompletter Elemente und Bauteile.

Die Sicherheit ist entscheidend

Alexander Mischitz – er ist der Plasmaspezialist im Hause Gassner Stahlbau – erklärt die besonderen Anforderungen in der Schweißtechnik, die an die Seilbahn-Spezialisten gestellt werden: »Der Sicherheitsaspekt spielt im Seilbahnbau natürlich eine ganz große Rolle. Wir arbeiten mit Kohlenstoffstahl S355J2G3 und mit Aluminium. Als Schweißbetrieb der Güteklasse I und mit unserer Qualitätszertifizierung nach ISO 9001:2000 können wir jederzeit ein Optimum an Sicherheit garantieren. Insofern ist Gassner Stahlbau gerade auch beim Schneiden des Materials auf beste Ergebnisse angewiesen«, und er fährt fort: »Schneiden und Schweißen sind Bereiche, die exakt aufeinander abgestimmt sein müssen, um tadellose Materialverbindungen zu bekommen. Mit dem Plasmaschneiden haben wir sicher das für uns am besten geeignete Verfahren gewählt.«

Hierfür ist in Bürs eine Portalschneidmaschine vom Typ ›Suprarex SXE-P 400‹ von Esab Cuitting Systems im Einsatz.

Zwölf mal drei Meter Arbeitsfläche

Die Laufbahnlänge der Anlage mit einem Absaugschneidtisch beträgt zwölf Meter, die Schneidbreite liegt bei drei Metern.

Eine Besonderheit ist das System ›m³ plasma‹, mit dem diese Maschine arbeitet. Bei Gassner besteht es aus zwei PT36-Plasmabrennern mit separaten Antrieben, jeweils eigener 400-Ampere-Stromquelle und externer Wasserkühleinheit sowie aus einer zentralen Maschinensteuerung vom Typ Vision 55.

Abgerundet wird dieses leistungsstarke Komplettsystem von der Esab-eigenen Programmiersoftware ›Columbus.Net‹ zur einfachen Erstellung der individuellen Schneidprogramme inklusive der materialsparenden Teileverschachtelung.

Funktionsreiche Steuerung

Mit dem Systembrenner PT-36 von Esab lassen sich ohne Werkzeugwechsel sowohl Schnitte unterschiedlichster Geometrie, Fasenschnitte im Schweißfasenwinkel von 0 bis ±45° als auch die gängigsten Markier- und Beschriftungsarbeiten erledigen.

Der Schneidbereich der Esab-Anlage ist abhängig von der verwendeten ›m³ plasma‹-Stromquelle und liegt in Baustahl, Edelstahl und Aluminium zwischen zwei und maximal 60 Millimetern. Optional lässt sich dieser Plasmabrenner auch für Schnitte bis 150 Millimeter in Edelstahl und Aluminium aufrüsten.

Erstmals nutzt Esab im System ›m³ plasma‹ die sogenannte Shield-Gas-Technik, bei der neben dem Plasmagas ein Sekundärgas (zum Beispiel Sauerstoff oder Stickstoff) eingesetzt wird, das den Lichtbogen umhüllt und ihm eine stützende, stabilisierende Hülle gibt.

Das Ergebnis dieser Methode ist ein besonders feiner, exakter Lichtbogen, der gegenüber herkömmlichen Verfahren eine deutlich größere Dichte und Stabilität aufweist und, so verspricht Esab, zu höheren Schnittgeschwindigkeiten, präziseren Schnittkanten und glänzenden Schnittflächen führt.

Unterschiedliche Schnittqualitäten vorwählbar

Eine Innovation im Plasmaschneiden sieht der Experte Alexander Mischitz in der Möglichkeit, im ›m³ plasma‹-System vier unterschiedliche Schnittqualitätsstufen vorwählen und sogar während des Schneidprozesses zwischen ihnen wechseln zu können: »Im höchsten Qualitätsmodus ›Präzision‹ entspricht das Ergebnis mindestens der Norm ISO 9013-3 und kann sie sogar deutlich übertreffen, im Modus ›Produktion‹ bekommen wir einen guten Mittelwert aus Präzision und wirtschaftlicher Schnelligkeit, die nächste Stufe ›Trennschnitt‹ schließlich wird für Hochgeschwindigkeits-Mengenschnitte genommen, und der Spezialmodus ›R2‹ ist für runde Oberkanten gedacht.«

Vollautomatischer Betrieb möglich

Plasmaspezialist Alexander Mischitz ist überzeugt, mit der Kombination aus Schnelligkeit und Präzision die richtige Entscheidung getroffen zu haben: »Die hohe Schneidgeschwindigkeit dieser Maschine und die wirklich bartfreien Schnittkanten sind ein wesentlicher Beitrag zu mehr Produktivität. Manuelle Nacharbeiten an den Schweißkanten werden auf ein Minimum reduziert.«

Ein weiterer Vorteil, so Alexander Mischitz, sei die Möglichkeit, die CNC-Schneidanlage im vollautomatischen Betrieb laufen zu lassen. »Insgesamt konnten wir mit der ›Suprarex‹ und dem System ›m³ plasma‹ unsere Schneidproduktivität um gut und gerne 30 Prozent verbessern«, lautet das Fazit von Alexander Mischitz.

Sebastian Erdle,

Fachjournalist Nitzschecom Public Relations & Communications, Stuttgart

Hintergrund

1904 erfand Oscar Kjellberg die Stabelektrode und gründete die Firma Esab. Seit dieser Zeit verbessert Esab ständig die vorhandenen Methoden und Materialien. Gleichzeitig hat Esab neue Methoden entwickelt, um die Herausforderung des technischen Fortschrittes zu erfüllen.

Heute produziert Esab Schweißzusätze und Ausrüstungen für nahezu jeden Schweiß- und Schneidprozess. Mehr als 100 Jahre Forschung, Entwicklung und Herstellung haben Esab zu einem Weltmarktführer im Schweißen und Schneiden und zu einem internationalen Lieferanten von Produkten, Know-how und Dienstleistungen gemacht.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010