Ich bin, also denke ich

Editorial

Kaffee, so bitter, dass man ihn nur zum Würzen gezuckerter Milch (Rezept: eine Portion Espresso mit einem gehäuften Esslöffel Zucker verrühren und die fünffache Menge Milch über diese zähe Creme schütten; für Alkoholisten gerne noch einen doppelten Whiskey obendrauf) genießen kann, ist ein Problem für die Umwelt und deshalb auch für uns Menschen.

03. November 2016

Schlimm genug, dass für die Erzeugung einer Tasse Kaffee (125 bis 150 ccm) etwa die tausendfache Menge Wasser (etwa 140 l) nötig ist. Viel schlimmer ist es, wenn dieser Kaffee aus einer Kapsel kommt, besonders aus einer Aluminiumkapsel. Nicht weil er ein Vielfaches teurer ist, denn mit dem Preis steigt der Genuss, sondern: Aluminium ist ein Metall, und Kaffee ist nicht nur entsetzlich bitter, sondern auch sauer. Nicht auszuschließen, dass sich Aluminium löst und vom menschlichen Körper aufgenommen wird, sich vielleicht in diversen Organen und im Gehirn ablagert. Das würde erklären, warum der Konsum von Kaffeekapseln so rasant wächst. Das wäre eine Art Perpetuum mobile, nur gespeist aus Geisteskraft– oder etwa ? Liebe ich deshalb Eiskonfekt?

Gegenüber Plastik hat Aluminium unter anderem den Vorteil, dass es theoretisch vollständig und praktisch ohne Qualitätsverlust recycelbar ist und sich dieses Recycling auch wirtschaftlich lohnt. Aber zunächst einmal muss es aus der Erde geholt und energieaufwendig herausgelöst werden. Während Plastiktüten, vom Winde verweht, inzwischen mancherorts von Bäumen geerntet werden können, kann man Aluminiumkapseln noch nicht wie Kartoffeln setzen und vermehren. Vielmehr könnte man selbst mit hundertprozentigem Aluminiumrecycling (Deutschland ist nah dran) wegen des rapid wachsenden Bedarfs nur etwa 40 Prozent davon mit Sekundäraluminium decken.

Dass das Leichtmetall nicht nur schlecht ist, sondern im Gegenteil weit mehr Nutzen als Schaden verursacht, kann man auf der ›Aluminium 2016‹ erleben und auch in dieser bbr nachlesen. Es kommt– wie beim Plastik (und bekanntlich bei Beton)– sehr darauf an, was man daraus macht: Gegen langlebige Güter ist nichts einzuwenden, gegen Wegwerfartikel wie Verpackungsmaterial eine ganze Menge– leider im Wortsinne, denn die Welt erstickt im (vor allem Plastik-) Müll, selbst wenn er nicht, wie bei uns häufig, in Rauch aufgeht.

Weil wir gerade bei den Stichworten teuer, oft unnütz und schwer wiederverwendbar sind: Die Gehälter deutscher Aufsichtsräte sind in den letzten fünf Jahren laut der Unternehmensberatung Korn Ferry um 50 Prozent gestiegen, die der Aufsichtsratsvorsitzenden allerdings ›nur‹ um 25. War es bei Ihnen weniger, wissen Sie jetzt auch, warum. Aber die Jahresgespräche sind ja nicht mehr weit.

Auch Weihnachten und Silvester nicht, die Zeit für gute Taten und Vorsätze. Wie fast jedes Jahr möchte ich deshalb an die Idee ›Brot statt Böller‹ erinnern und daran, dass kein Mensch teuren Kapselkaffee braucht und manches Männerspielzeug eine Nummer kleiner ausfallen kann, also ein Tetra- statt eines Oktokopters oder ein 1:10- anstelle eines 1:8-Truggys. Was man halt so braucht. Entsprechendes gilt auch für die Damen: An weniger Duft muss man näher ran. Klischees – ich weiß.

Egal, was Sie sich in den nächsten Wochen für die kommenden Monate vornehmen werden, grübeln Sie nicht über die Wähler in den USA und Österreich, denn Sie können ohnehin nichts (mehr) ändern (obwohl man sich schon fragt, warum einige aus unserem Lieblingsnachbarland stammende Politiker namens Her solch einen Faible für Georg H. von Schönerer und Kornblumen haben)! Denken Sie vielmehr an die Goldenen Worte eines berühmten Philosophen: Ich bin, also denke ich!

Hans-Georg Schätzl

Erschienen in Ausgabe: 07/2016