Hypothekenkrise - Erschwert sie die Kreditvergabe für den Mittelstand?

Dazu Dr. Niels Oelgart, Referatsleiter Geld und Währung, Unternehmensfinanzierung und Statistikpolitik beim DIHK, Berlin, und Stefan Marotzke, Pressesprecher Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Berlin.

14. März 2008
Pro: Dr. Niels Oelgart
Bild 1: Hypothekenkrise - Erschwert sie die Kreditvergabe für den Mittelstand? (Pro: Dr. Niels Oelgart)

Pro: Die Erschütterungen der US-Finanzmarktkrise sind auch in Deutschland zu spüren. Schon seit dem letzten Herbst verschärfen die Kreditinstitute die Kreditstandards, so das Ergebnis einer Befragung der Europäischen Zentralbank bei Banken. Die Unternehmen bestätigen diese Entwicklung. Eine DIHK-Umfrage mit 25.000 Unternehmensantworten ergibt: Rund jeder fünfte mittelständische Betrieb mit bis zu 500 Beschäftigten klagt über verschlechterte Kreditkonditionen beziehungsweise über die Ablehnung seines Kreditgesuchs. Vor allem kleine Unternehmen und die Baubranche geben noch größere Hürden beim Kreditzugang an. Dass aber der Mittelstand bislang noch mit einem blauen Auge davongekommen ist, liegt vor allem an den Betrieben selbst. Ihnen ist es in den letzten Jahren dank eines harten Sanierungskurses sowie einer hervorragenden Weltkonjunktur gelungen, ihr Eigenkapital aufzustocken. Dadurch hat sich ihre Kreditwürdigkeit merklich verbessert. 70 Prozent der mittelständischen Betriebe geben in der genannten DIHK-Umfrage an, dass sich ihre Kreditkonditionen trotz der Finanzmarktturbulenzen nicht verändert haben, bei 10 Prozent ist sogar eine Verbesserung zu verzeichnen. Dr. Niels Oelgart

Contra: Nein, die Kreditvergabe an den Mittelstand ist nicht gefährdet. Durch die sogenannte Subprime-Krise haben einige der international tätigen deutschen Banken Schwierigkeiten mit ihrer Liquidität. Diese Schwierigkeiten haben aber bislang nicht auf die Realwirtschaft übergegriffen. Es gibt derzeit auch keine Anzeichen, dass dies noch geschieht. Wesentlicher Grund dafür ist, dass der deutsche Finanzmarkt mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken zwei große und starke Gruppen hat, deren Institute dezentral aufgestellt in den jeweiligen Regionen tätig sind. Sparkassen sammeln Geld von den Kunden aus der Region und investieren es wieder in der gleichen Region. Sie sind in aller Regel nicht an ausländischen Kapitalmärkten engagiert. Subprime spielt bei ihnen keine Rolle. Im Gegenteil: Die Sparkassen haben 100 Milliarden Euro mehr Einlagen als ausgegebene Kredite. Das bedeutet: In einer Zeit der Liquiditätsenge stabilisieren sie das gesamte System. Und sie haben ausreichend Eigenkapital, das sie in den vergangenen Jahren auch zu Lasten der Eigenkapitalrendite aufgebaut haben. Im vergangenen Jahr stiegen die Darlehensauszahlungen an Unternehmen und Selbstständige um 7,5 Prozent und die Darlehenszusagen um 7,0 Prozent. Der Kredithahn bleibt offen!

Stafan Marotzke

Erschienen in Ausgabe: 03/2008