Hybride Zukunft

Fokus Werkstoffe

Vom 8. bis 11. Juni wird von der Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH die zweite Proform, Fachmesse für Stanz- und Spritzgießtechnik im innovativen Technologieverbund, veranstaltet.

01. Juni 2010

Die Proform ist als Kongressmesse mit einem ins Messegeschehen ›eingebauten‹ Vortragsprogramm konzipiert und thematisiert ein wichtiges Innovationsfeld der Metall- und Kunststoffbranche: die Hybridtechnik mit der integrierten Verarbeitung von Metall und Kunststoff in der industriellen Fertigung. Hochrangige Referenten aus Wissenschaft und aus der Wirtschaft bürgen für ein hohes Niveau. Behandelt werden Einsatzgebiete, für die die Verfahrensintegration die richtigen und wirtschaftlichen Lösungen anbietet. Stichworte sind unter anderem: Leichtbau, Kleinbauteile, Hybridbauteile und -baugruppen sowie Mikrosystemtechnik.

Unter anderem werden Vorträge angeboten zu den Themen ›Prozessketten zur Herstellung formschlüssiger Kunststoff-Metall-Hybridbauteilen‹, ›Möglichkeiten der Prozessintegration bei Stanz- und Umformteilen für Hybridbauteile‹, ›Einsatz von Aluminium beim Hinterspritzen‹ oder ›Neue Prozesskette zur Herstellung metalldekorierter Bauteile‹.

Die beliebten Crash-Kurse ›Metall-Umformung für Kunststoff-Experten‹ und ›Kunststoff- und Hybridtechnik für Metall-Experten‹ wurden wieder ins Programm aufgenommen. Die Proform umfasst auch eine Sonderschau zur Elektromobilität. Dort wird gezeigt, welche Bauteile in Elektrofahrzeugen für Hybridbauweise prädestiniert sind.

Die Proform bietet den Besuchern die Möglichkeit, ihre Kompetenz auf dem Sektor der integrierten Verarbeitung von Metall und Kunststoff zu vertiefen. Stefan Baumann, Geschäftsführer der Westfalenhallen Dortmund, erklärt: »Wir zeigen den Nutzen der Verfahrensintegration und bieten einen Raum, der Menschen und Ideen zusammenbringt. Wir sind Kontaktvermittler, denn der Bedarf nach Austausch ist unter den Vertretern der bislang weitgehend getrennt arbeitenden Branchen der Metall- und Kunststoffverarbeitung sehr groß.« Experten sind sich einig: Hybride Bauteile aus Stanz- und Spritzgießteilen sind für viele Unternehmen ein entscheidendes Zukunftsthema. Ziel ist, die Stärken der unterschiedlichen Werkstoffe effektiv zu nutzen. Metalle garantieren Sicherheit und Stabilität. Kunststoffe erlauben erhebliche Gewichtseinsparungen bei komplexer Formgebung. Die Hybridbauweise ermöglicht einerseits die rationelle Fertigung komplexer, hochbelastbarer geometrischer Strukturen, andererseits eine deutliche Gewichtsersparnis.

Integration spart Fertigungskosten

Auf der Proform wird der gesamte Technologieverbund der Produktionstechniken für hybride Bauteile gezeigt. Man geht davon aus, dass durch moderne Integrationsprozesse Fertigungskosten im Schnitt um 20 bis 40 Prozent reduziert werden können. Wichtig sind stabile, sprich fehlerfreie Abläufe. Das bedeutet weniger Kosten für die Kunden und einen klaren Wettbewerbsvorteil. Anschaulich ist das beispielsweise an einer ›Reel-to-Reel‹-Produktionsanlage, die Arburg präsentiert, zu sehen. Von Rolle auf Rolle werden Metalle abgerollt, gestanzt und durch Umspritzen mit Kunststoff veredelt und wieder aufgerollt. Zunächst werden die Halbfertigteile von einer Rolle abgewickelt, direkt am Stanzstrang in das Spritzgießwerkzeug eingebracht, nach dem Umspritzvorgang aus dem Stanzband herausgetrennt und direkt entformt.

Hybridtechnik kann darüber hinaus helfen, Material einzusparen, unter anderem durch die Entwicklung funktionaler Leichtbauprodukte aus Metall- und Kunststoffkomponenten. Insofern ist das Thema der Proform aktueller denn je.

Materialeffizienz ist ein Stichwort der Stunde. Zum Beispiel ist die Deutsche Materialeffizienzagentur (Demea) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie damit beauftragt, Unternehmen über die Bedeutung dieses Themas zu informieren und sie in der Erschließung von Einsparpotenzialen zur Steigerung ihrer Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen.

Es wird erwartet, dass viele Unternehmen auf der Messe und dem integrierten Fachkongress nach Lösungen für die praktische Umsetzung der Verfahrensintegration suchen werden. Know-how und innovative Fertigung bieten Lösungen, um sich für die Zukunft zu stärken.

60 Prozent aller Stanzteile sind mit Kunststoff verbunden

Die Verfahrensintegration ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen für die produzierende Industrie. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, sucht meistens nach technischen Lösungen, um die besonderen Eigenschaften der komplementären Werkstoffe Metall und Kunststoff miteinander zu verbinden. Die Materialvorteile von Kunststoff sind das geringe Gewicht und die bessere Isolation. Bei Metall stehen die hohe Steifigkeit sowie die Leitfähigkeit im Vordergrund. Beide Werkstoffe ergänzen sich ideal. Schon heute sind 60 Prozent aller Stanzteile mit Kunststoff verbunden. Die Verfahrensintegration nutzt additiv die jeweiligen Vorteile der Werkstoffe. Unternehmen erschließen sich enorme Potenziale zur Steigerung der eigenen Wirtschaftlichkeit, wenn sie es schaffen, den Metall-Kunststoff-Verbund ihrer Bauteile intelligent in einer Fertigungslinie zu realisieren.

Zahlen & Fakten

2038 Fachbesucher kamen zur Premiere der Proform 2008 und sorgten durch ihre Entscheidungskompetenz und eine Vielzahl konkreter Projekte und Aufträge ›im Gepäck‹ für Zufriedenheit der Aussteller. Die Fachmesse für Stanz- und Spritzgießtechnik widmete sich erstmals überhaupt der integrierten Verarbeitung von Metall und Kunststoff in der industriellen Fertigung.

Die Messeleitung hat zudem beschlossen, in den ungeraden Jahren unter dem Markendach der Proform das ›Innovationsforum Verfahrensintegration‹ stattfinden zu lassen. Premiere war 2009.

Erschienen in Ausgabe: 03/2010