Hummeln stechen nicht

Irrtum!

Hummeln haben keinen Stachel, sagt der Volksmund. Libellen schon, sagt der Volksmund. Und drei Hornissen können einen Menschen töten, sagt der Volksmund, sieben ein Pferd.

27. August 2010

Hummeln zerfallen bekanntlich in Brummeln und Summeln. Brummeln, das sind die großen, dicken Königinnen, die im zeitigen Frühjahr Nester bauen und Eier legen. Summeln sind ihre wesentlich kleineren Kinder, die aus diesen Eiern schlüpfen. Die felligen, pummeligen Hummeln sind richtige Kuscheltiere, mit Kindchenschema und dem ganzen Liebhab-Programm. Stundenlang möchte man sie knuddeln und streicheln.

Richtig!

Bloß nicht! Hummeln gehören zu den Bienen, und sie haben sehr wohl einen Stachel – allerdings ohne Widerhaken. Und Hummeln können stechen – freilich nur unter günstigen Umständen (günstig für die Hummeln, versteht sich). Und die sind häufiger, als man denkt. Den bbr-Chefredakteur und seine Gemahlin hat es innerhalb weniger Wochen erwischt: Sie im Schuh, ihn auf dem Kopf – und zwar ganz oben. Da der Hummelstachel relativ dick und stumpf ist, müssen sich Hummeln abstützen können, um die Menschenhaut damit zu durchdringen. Kein Problem im Schuh – und ebensowenig in den Haaren. Besonders weh getan hat’s nicht, und nach einer halben Stunde war’s wieder vorbei. Und beide Hummeln haben’s überlebt.

Hornissen, völlig gelöst vom Kindchenschema (und völlig desinteressiert an Kuchen), haben den bbr-Chefredakteur noch nie gestochen. Auf eineinhalb Meter ließen sie ihn an ihr Nest heran. Dann kamen die Scheinangriffe, zuletzt Stirn an Stirn. Die Chancen für einen gesunden (das heißt: nicht allergisch reagierenden) Erwachsenen, von Hornissen erstochen zu werden, geht gegen null, denn ihn müssten viele hundert bis einige tausend Tiere auf einmal stechen. Das wären mehrere – Territorien bildende – Völker. Die stächen sich lieber gegenseitig ab.

Erschienen in Ausgabe: 04/2010