Hot Stamping 4.0

Die Warmumformung von Stahlblech ist von vielen Faktoren abhängig, die sich unmittelbar auf die Qualität der Teile auswirken. Deshalb sollten sie sich lückenlos rückverfolgen lassen. Das ist mit einer neuen Lösung möglich, die Schuler für den „Smart Press Shop“ auf der Euroblech zeigt.

24. September 2018
Das von Schuler entwickelte System gibt Einblicke in die Prozesse der Linie und zeichnet gleichzeitig sämtliche dazugehörigen Daten auf. (Bild Schuler)
Bild 1: Hot Stamping 4.0 (Das von Schuler entwickelte System gibt Einblicke in die Prozesse der Linie und zeichnet gleichzeitig sämtliche dazugehörigen Daten auf. (Bild Schuler))

Als erste Anlage hat Schuler seine Formhärtelinie im Hot Stamping Tech Center am Stammsitz in Göppingen mit der Software vernetzt. Video- und Wärmebildkameras geben in Echtzeit einen Überblick von Platinenzuführung, Transfer und Teileauslauf, während das System parallel kontinuierlich Prozessdaten aufzeichnet und dokumentiert. Die Informationen stammen aus den zahlreichen Sensoren, die in Presse, Werkzeug, Ofen und Kühlaggregaten verbaut sind. Die empfindlichen Fühler registrieren selbst geringste Abweichungen in Temperatur oder Druck.

Das Prozessüberwachungssystem schafft es dabei, die enormen Datenmengen der Sensoren von mehreren Megabyte pro Sekunde nicht nur zusammenzuführen, sondern auch über die verschiedenen Schnittstellen hinweg miteinander zu synchronisieren. Damit zu jedem Zeitpunkt die richtigen und notwendigen Informationen vorliegen, werten Algorithmen die Daten aus und verringern den Speicherbedarf zu einer zweckmäßigen Größe. Dadurch ist es möglich, die Entwicklung verschiedener Prozessdaten im Langzeittrend darzustellen.

Fehlerquellen auf einen Blick erkennen

Anlagenbetreiber können auf diese Weise die Produktionsbedingungen jedes einzelnen warm umgeformten Teils genau zurückverfolgen und anhand der Daten überprüfen, ob die Platinen ausreichend hoch erhitzt wurden, lange genug in der Presse lagen und in der richtigen Zeit abgekühlt sind. Mögliche Fehlerquellen sind auf einen Blick zu erkennen – egal, ob ein Brenner im Ofen ausgefallen ist oder das Formhärtewerkzeug stetig an Präzision eingebüßt hat.

Forderungen an die Hersteller vor allem sicherheitsrelevanter Bauteile, die optimalen Produktionsbedingungen etwa von warm umgeformten B-Säulen auch noch nach vielen Jahren beweisen zu können, werden derzeit von verschiedenen Seiten immer lauter. Die von Schuler neu entwickelte Lösung „Machine Monitoring System“ (MMS) erkennt dabei auch, wenn ein Anlagenbediener manuell Einstellungen an der Linie ändert, ohne es zu protokollieren. Das stellt gleichzeitig sicher, dass keine wichtigen Informationen verloren gehen.

Weitere Funktionen geplant

Die Software läuft nicht nur vor Ort in der Liniensteuerung, sondern auch auf jedem Windows-PC. Dieser greift dann über eine geschützte Verbindung auf die Daten zu, die im gesicherten Firmennetzwerk liegen. Schuler wird das System schrittweise um weitere Funktionen etwa zur vorausschauenden Instandhaltung ausbauen.

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