Hoffnung auf Leben

Drei Schuler-Mitarbeiter helfen Leukämiepatienten

16. September 2010

Die Suche nach passenden Stammzellenspendern für Blutkrebspatienten unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Pressenherstellers Schuler ist ein voller Erfolg. Im Sommer 2008 hatte das Unternehmen die Belegschaft am Standort Göppingen eingeladen, sich durch eine Blutprobe als mögliche Stammzellenspender registrieren zu lassen. Über 250 Schuler-Mitarbeiter, also fast ein Viertel der Belegschaft am Standort, hatten sich an der Aktion beteiligt. Jetzt hat schon der dritte Schuler-Mitarbeiter Stammzellen für einen Leukämiepatienten gespendet.

Durch die Typisierung können die genetischen Gewebemerkmale möglicher Spender anhand einer Blutprobe festgestellt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Merkmale mit denen einer kranken Person übereinstimmen, ist so groß wie die eines Sechsers im Lotto. Drei Schuler-Mitarbeiter kamen bereits als mögliche Spender in Frage und haben geholfen. Armin Haferbier, Programmierer im Werkzeugbau des Pressenherstellers, hat sich kürzlich einer Knochenmarksoperation unterzogen. Der 41-Jährige half einem 48-jährigen Mann in Kanada. Zuvor hatten bereits zwei Schuler-Mitarbeiter Stammzellen gespendet.

„Für mich war es keine Frage, zu helfen. Jede Operation ist belastend, aber ich würde es sofort wieder tun“, erklärt Theresia Wieschok ihren Entschluss für den lebensrettenden Eingriff. Da Empfänger und Spender in den ersten zwei Jahren nach der Spende anonym bleiben, weiß Theresia Wieschok nur, dass sie einem achtjährigen Jungen in Deutschland geholfen hat. „Obwohl ich den Jungen nicht kenne, fühle ich mich eng verbunden und hoffe, dass meine Spende ihn rettet“, so Theresia Wieschok. Sollte der Junge noch einmal Hilfe benötigen, ist ihm Theresia Wieschok jetzt als Spenderin fest zugeteilt.

Auch Vertriebsmitarbeiter Ralf S. hat Stammzellen gespendet. Er entschied sich für die periphere Stammzellenentnahme. „Leider wissen viel zu wenige, wie einfach es ist, mit dieser Methode Stammzellen zu spenden“, erklärt Ralf S. Vor der eigentlichen Stammzellenentnahme, die einer Dialyse-Behandlung gleicht, injiziert man über mehrere Tage ein Medikament, das im Blut die Produktion von Stammzellen anregt. „Wenn überhaupt, entstehen hier Unannehmlichkeiten. Dem Körper wird eine Infektion vorgetäuscht. Dieser reagiert darauf mit einer übermäßigen Produktion von Stammzellen, um die scheinbare Infektion abzuwehren“, beschreibt Ralf S. Die überschüssigen Stammzellen werden dann stationär mit einem Zellseparator – einer Art Zentrifuge – aus dem Blut des Spenders gesammelt. „Die eigentliche Entnahme hat fünf Stunden gedauert“, so Ralf S. Der Empfänger seiner Stammzellen lebt im Ausland. „Ich freue mich, dass ich helfen konnte. Es gibt noch einen großen Mangel an Informationen zur Spende. Ich kann meine Mitmenschen nur ermuntern, sich zu trauen! Die DKMS organisiert und informiert umfassend“, so Ralf S.

Laut der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erkrankt in Deutschland alle 45 Minuten ein Mensch an Leukämie. Für viele Patienten ist die Übertragung von Stammzellen die einzige Heilungsmöglichkeit. Leider findet jeder fünfte Betroffene keinen passenden Stammzellspender, da viele Menschen eine Knochenmarkspende mit der Entnahme von Rückenmark verwechseln. Dabei ist die Spende selbst laut DKMS für den Spender gefahrlos, von dem üblichen Narkoserisiko abgesehen. Bei 80 Prozent der Spender können die notwendigen Stammzellen mittlerweile ambulant aus der Armvene entnommen werden.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) berichtet dem Spender auf Wunsch vom weiteren Ergehen des Patienten. In den ersten zwei Jahren nach der Spende müssen Spender und Empfänger anonym bleiben. Nach Ablauf dieser Zeit dürfen sie sich auf Wunsch kennenlernen.