Höhere Stückzahlen, erschwingliche Preise

Neue, preisgünstige Abkantmaschinen-Reihe zur Euroblech

Maschinen, die den Namen Hämmerle tragen, sind vor allem für zwei Dinge bekannt: Erstens, daß sie mit ihrem Dreipunkt-Biegeverfahren sehr genaue Ergebnisse erzielen, und zweitens, daß sie dafür auch etwas teurer sind als andere. Das zweite soll sich ab Dezember ändern. Zur Euroblech stellt Hämmerle eine komplett neue Maschinenreihe vor, die mit Dreipunkt- oder Luft-Biegeverfahren ausgestattet sein kann. Durch höhere Stückzahlen sollen die Preise deutlich niedriger ausfallen als bisher.

09. April 2001

Hämmerle geht in die Offensive. Der Hersteller von Biege- und Walzenrichtmaschinen aus dem Schweizer Ort Brugg, der bisher ein eher exklusives Nischendasein geführt hatte, will seinen Kundenkreis deutlich vergrößern. Zwei Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle: das Produkt und der Vertrieb.

In Vertriebsangelegenheiten soll für Hämmerle die Bystronic-Vertriebsstruktur zum Stechen kommen. Seit 1997 gehört der Biegespezialist zur Bystronic-Gruppe, zunächst als weiterhin eigenständig geführte AG, die Mitte 2000 als Division in der Bystronic Laser AG aufgegangen ist. Name und Logo bleiben trotzdem erhalten. Denn Bystronic-Chef Ferdi Töngi hält große Stücke auf eingeführte Marken und „Hämmerle ist eine hervorragende Marke“. Wenn man schon zu einem Unternehmen mit weltweitem Vertrieb gehört und noch dazu den gleichen Kundenkreis anspricht, liegt es nahe, sich über einen gemeinsamen Vertrieb Gedanken zu machen.

Besserer Marktzugang in Übersee

Guido Uebelmann, Geschäftsführer der Division Hämmerle, ist sich im klaren, daß einige Möglichkeiten im Vertrieb bisher noch nicht ausgeschöpft werden konnten: „Wir sind all die Jahre sehr mitteleuropäisch geblieben. Der US-Markt wurde zum Beispiel bis heute gar nicht bearbeitet. Auch in Europa gibt es einige Länder, wie zum Beispiel Skandinavien, England oder selbst Italien, wo wir nur wenig agierten, und Länder wie Griechenland, Türkei oder in Osteuropa (ausgenommen GUS), wo wir bis heute geringe Vertriebsanstrengungen unternommen haben. Das Bystronic-Vertriebsnetz bietet uns jetzt die Möglichkeit, auch diese Märkte zu bearbeiten.“

Doch gerade neue Märkte öffnen sich nicht von selbst. Daher ist man bei Hämmerle und Bystronic seit längerer Zeit daran, die Märkte zu sondieren und sich auf die jeweiligen Bedürfnisse einzustellen. Schon ab der ersten verkauften Maschine muß zum Beispiel auch der Service einbezogen werden. Darum werden inzwischen die Bystronic-Mitarbeiter und -Vertreter aus verschiedenen Ländern auf Hämmerle-Maschinen geschult.

Neue Maschinen für neue Märkte

Zur Euroblech Anfang Dezember ist es dann soweit. Die neue Maschinenreihe, die neue Märkte erobern soll, wird präsentiert. Guido Uebelmann ist davon überzeugt, daß sie alle Erwartungen erfüllen wird: „Wenn wir den Weg in neue Länder und Märkte gehen wollen, müssen wir davon ausgehen, daß nicht alle Kunden die Präzision einer Dreipunkt-Biegemaschine brauchen und sich nicht alle diese Maschinen leisten können. Für die Zukunft brauchen wir auch Maschinen, die nicht nur ganz oben angesiedelt sind, was Preis und Qualität anbelangt. Wir brauchen Maschinen, mit denen wir ins mittlere Segment vorstoßen können.“

Das war das erklärte Ziel. Scheiterten bisher so manche Geschäfte am Preis der Hämmerle-Maschinen, sollte das zur geplanten Offensive korrigiert sein. Die Kosten für die Dreipunkt-Versionen liegen dann zwar - bedingt durch die technisch aufwendigere Ausstattung - immer noch ein wenig über vergleichbaren Luft- Biegemaschinen. Für die Kunden, die weniger hohe Winkelqualitätsansprüche haben, aber trotzdem sehr flexible Maschinen benötigen, wurde nun auch das Luft- Biegeverfahren ins Angebot aufgenommen.

Um kostengünstige und trotzdem sehr flexible Maschinen anbieten zu können und sich dabei selber nicht zu ruinieren, enthält das Konzept auch deutlich höhere Stückzahlen. Geplant ist, die Stückzahlen der heute verkauften Maschinen schon im kommen Jahr mindestens zu verdoppeln, und dies in den nächsten Jahren fortzusetzen. Die Ziele sind, laut Guido Uebelmann, hoch gesteckt, aber sicher realistisch.

Auch das Maschinenkonzept hat eine „Frischzellenkur“ erfahren, und das neue Hämmerle-Angebot ist kaum wiederzuerkennen. Mit einem modernen, konsequent modularen Aufbau nutzten die Entwickler die Möglichkeiten der Variantenkonstruktion über alle Modelle hinweg. Das spart Kosten und Herstellungszeit, was auch mit Blick auf die Zukunft wichtig sein könnte, wenn es darum geht, höhere Bestelleingänge staufrei zu bewältigen. Edgar Strack, Entwicklungsleiter Abkantpressen bei Hämmerle: „Die gesamte Maschine wurde konsequent weiterentwickelt. Der Maschinenständer mit den Vorteilen der letzten Hämmerle-Generation wurde mit denjenigen der C-Ständerbauweise kombiniert. So wurde dann auch die gesamte Hydraulik und Steuerung sowie die integrierte Sicherheit auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Um ein ansprechendes Design und optimale Ergonomie zu erreichen, haben wir von der ersten Stunde an mit professionellen Designern zusammengearbeitet. Ein wesentlicher Punkt in der Konstruktion war, die Voraussetzung zu schaffen, auf derselben Basismaschine Dreipunkt- und Luftbiege-Werkzeuge aufzunehmen.“

Verfahrenswechsel durch Werkzeugwechsel

Das Dreipunkt-System sollte im Endeffekt einer - wenngleich aufwendigen - Option gleichkommen, für die sich der Kunde freilich schon bei der Bestellung entscheiden muß. Tatsächlich unterscheiden sich Dreipunkt- und Luftbiegemaschinen nur noch in den spezifischen Zusatzkomponenten und im Werkzeugsystem. Während das Dreipunkt- Verfahren weiterhin auf Hämmerle-Werkzeuge angewiesen ist, ist die Luftbiegereihe mit einem Standard-Werkzeugsystem („Wila“) ausgerüstet.

Der Maschinenständer besteht aus einzelnen Modulen, die bei der Endmontage zusammengeschraubt werden. Schweißen entfällt. Das hat in der Fertigung den Vorteil, daß es nur spanende Bearbeitung gibt, und das Material von weiteren Spannungen verschont bleibt. Um eine schnelle Montage zu ermöglichen, wurde die Maschine in Baugruppen aufgeteilt, die getrennt vormontiert werden. Die Endmontage benötigt daher nur sehr wenig Aufwand.

Großer Wert wurde auf gleiche oder ähnliche Komponenten bei der gesamten Baureihe gelegt und auch umgesetzt. Zum Beispiel bei der Hydraulik; hier wurden ganz neue Wege beschritten mit Unternehmen, die zu den weltweit führenden auf diesem Gebiet gehören. Das Gleiche gilt für die Maschinenelektrik: Die gesamte Verdrahtung der maschinenseitigen Komponenten wird im voraus steckerfertig konfektioniert.

Die Steuerung ist weitgehend eine Eigenentwicklung, die zusammen mit Bystronic entwickelt wurde. Edgar Strack erklärt: „Auch hier galt als oberstes Ziel, eine vernünftige Basis mit Ausbaumöglichkeit zu schaffen, um zukünftig gleiche Bedingungen bei den Biegemaschinen und den Laseranlagen aufzuweisen.“ Die auf zwei PCs basierende Steuerung mit 15“-TFT-Flachbildschirm besteht auch aus einzelnen Modulen: aus dem Modul MMC (Bedieneroberfläche), der CNC zum Ansteuern und Positionieren der Achsen sowie einer Datenbank - und natürlich nicht zu vergessen, das Modul Biegefolge-Software. Das vollständig neu gestaltete und mit viel Aufwand „designte“ Bedienungs-Panel läßt die Biegefolgegrafiken in einem völlig neuen und übersichtlichen Erscheinungsbild darstellen. Auch hier wurde, wie bei der gesamten Maschine, immer der Mensch in der Vordergrund gestellt. Denn Hämmerle will, wie bis heute gewohnt, nur topmotivierte Maschinenbediener.

Mit zu dieser Motivation soll neben dem sehr einfachen Bedienen der Maschine auch die neueste Sicherheitstechnologie helfen. Das für Hämmerle eigens entwickelte, berührungslos wirkende Schutzsystem erhöht massiv die Sicherheit und steigert die Produktivität.

Hämmerle-Maschinen sollten natürlich auch von der mechanischen Seite her Besonderes bieten. Daher ließ man sich etwas einfallen, das nun auch die Luft- Biegemaschinen laut Geschäftsführer Uebelmann vom restlichen Marktangebot unterscheidet: „Bei unseren Maschinen sind die Hauptzylinder an der Innenseite der Seitenständer angebracht. Dadurch ist es möglich, die Seitenständer ganz außen liegend zu plazieren. Das hat den Vorteil, daß unsere Peripherie, Standard Sechsachsenanschlag, und hintere Biegehilfen optional, trotz C-Ständer- Prinzip auf der gesamten Biegelänge genutzt werden können.“ Dies bringt enorme Vorteile beim Biegen auf mehreren Stationen und beim Handling von Biegeteilen.

Die neuen Hämmerle

Die neuen Hämmerle-Maschinen gibt es in zwei Typenreihen, einer P- und einer A- Serie, wobei P für Dreipunkt und A für Luft steht. Beide Serien gibt es mit einer Preßkraft von 60 t, 80 t und 130 t, und in den Längen 1.100/1.600 mm, 2.000/2.600 mm und 2.600/3.100 mm. Dazu gibt es verschiedene Peripherien, wie Mehrachsenanschläge, hintere und vordere Biegehilfen sowie weitere Optionen. Auf der Euroblech wird eine Maschine Typ A 60 aus der Serie „A“ und eine P 130 in Dreipunktausführung mit verschiedenen Peripherien zu sehen sein. Im Laufe des kommenden Jahres wird das Maschinenprogramm weiter ausgebaut.

Mit drei Punkten zur Präzision

Bei der Dreipunkt-Technik ist im Gegensatz zum Freibiegen ein stets unveränderter Biegewinkel gewährleistet. Der Biegewinkel wird bestimmt durch die beiden Matrizen- Einlaufkanten und den höhenverstellbaren Matrizennutengrund. Das segmentierte Oberwerkzeug ist auf dem Hydrokissen abgestützt, das die äußeren und maschinenseitigen Auffederungseinflüsse kompensiert und auf der jeweiligen Biegelänge eine konstante Kraftverteilung garantiert. Ein hochwertiges Biegen ist daher auch dann gegeben, wenn an mehreren Stationen der Maschine gearbeitet wird.

Blech und GlasDie Schweizer Bystronic-Gruppe macht Geschäfte mit Blech und Glas. Seit 1. April 2000 hat das Unternehmen, das zur Conzzeta-Holding (ehemals ZZ-Holding) gehört, einen neuen Vorsitzenden. Ferdi Töngi hat Ernst Zumstein nach 35 Jahren erfolgreicher Tätigkeit abgelöst. Bänder, Bleche, Rohre unterhielt sich mit ihm über Blech, Hämmerle und die Zukunft.

? Herr Töngi, Sie sind Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bystronic-Gruppe, die im Prinzip zwei Standbeine hat: Blech und Glas. Wie paßt das zusammen, und wie teilen sich die Geschäfte auf?

! Ja, wir haben zwei Unternehmensbereiche, eben Blech und Glas. Zunächst war Bystronic nur auf Glasbearbeitung beschränkt. Erst mit der Entwicklung von Laserschneidmaschinen eroberte man sich das weitere Geschäftsfeld Blechbearbeitung. Der Kundenkreis und das Anforderungsprofil sind bei beiden Bereichen komplett verschieden. Mein Ziel ist daher, beide, unabhängig voneinander, zu fördern und wachsen zu lassen.

Was den Umsatz anbelangt, hat die Blechbearbeitung inzwischen überholt. Im letzten Geschäftsjahr haben Laser-, Abkant- und Wasserstrahlmaschinen mit 650 Mitarbeitern ungefähr 280 Mio. CHF und die Glasverarbeitungsmaschinen mit 500 Mitarbeitern 160 Mio. CHF erreicht.

? Der Blechbereich hat mehr Facetten als Laserbearbeitung und Abkantpressen. Planen Sie, die Geschäfte auszuweiten?

! Wir werden uns auf die beiden bestehenden Applikationen konzentrieren und deren Entwicklung forcieren. Die beiden haben ein hohes Synergiepotential durch eine gleiche Kundenstruktur, das es erst zu nutzen gilt. Diese Synergie wird sich in Zukunft auch auf die eingesetzte Software ausdehnen. Denn wenn sie biegen, werden die Teile länger, also müssen sie vorher verkürzt geschnitten werden. Da ist eigentlich die Synergie der Prozeßdurchgängigkeit zu suchen.

? Sie wollen die Entwicklung sowohl beim Biegen wie auch beim Lasern forcieren. Welche Investitionen stehen an?

! Für den Laserbereich wird in eine Halle in Niederönz investiert. Dann haben wir bereits beschlossen, in den USA zu bauen, auch schwergewichtig für den Laserbereich. Aber das Bauen ist eigentlich nicht unser Geschäft und somit nicht die wichtigste Investition. Viel wichtiger sind Investitionen in Maschinenentwicklung, wie sie bei Hämmerle stattgefunden haben. Dort haben wir etwa 20 Prozent des Umsatzes investiert. Für den ganzen Blechbereich liegen die Investitionen so um die vier Prozent.

? Wie schätzen Sie momentan die wirtschaftliche Situation ein, allgemein und auf Ihr Unternehmen bezogen?

! Die Wirtschaftssituation ist gut, und sie hält auch noch drei Jahre. Das behaupte ich aus der einfachen Überlegung heraus, daß der Aufschwung in Deutschland ja erst angefangen hat. Relativ langsam beginnt es auch in Japan wieder aufwärts zu gehen. Dort gibt es Zuwachsraten beim Werkzeugmaschinengeschäft von 20 bis 25 Prozent. Davon abgesehen ist der Blechbereich nach wie vor ein Wachstumsmarkt, vor allem, was den Laser anbelangt. Der Markt wächst immer noch um zehn bis 15 Prozent pro Jahr.

? Was sind die wichtigsten Forderungen, die an Sie als Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen gestellt werden?

! Ich denke, der erste Anspruch des Kunden ist die einfache Bedienung. Daneben wird Unterstützung im Handling und Automation gefordert. Wir machen heute ungefähr die Hälfte des Umsatzes im Bereich Blech mit Stand-alone-Maschinen und die andere Hälfte mit Maschinen, die mit Lagersystemen, Handling-Geräten und so weiter ausgerüstet sind. Ich denke, das wird weiter zunehmen. Auch die Simulation findet immer mehr Anhänger. Der Kunde möchte schon im voraus feststellen, ob er die Abläufe so fertigen kann oder nicht.

? Wo sehen Sie Ihre Kernkompetenzen im Blechbereich?

! Ein entscheidender Vorteil ist, eine eigene Laserquelle zu haben. Es sind nicht viele Unternehmen, die auf eine eigene Laserquelle zurückgreifen können. Das sind wir, das ist Trumpf, Amada - aber nur in Japan - und Mitsubishi. Alle anderen sind abhängig von Zulieferanten. Außerdem ist es nicht nur die Laserquelle allein, sondern die Verbindung zwischen Laserquelle, Strahlengang und CNC, das alles zusammen ist entscheidend für den Laserprozeß. Beim Abkanten liegt die Kernkompetenz im Zusammenspiel von Mechanik, dem Know-how des Biegevorgangs, der eigenen CNC und Applikations-Software, und zudem läuft der ganze Biegeprozeß dreidimensional ab und läßt sich schwerer nachvollziehen.

? Und was hat die Technik von morgen zu bieten?

! Auf unserem Gebiet geht es in Richtung höhere Leistung - zumindest, was die Laserquelle anbelangt, und in Richtung höhere Schnitt- und Positioniergeschwindigkeit. Entscheidend ist, daß eine Schneidzeitverkürzung zustande kommt.

Erschienen in Ausgabe: 12/2000