Höhere Qualitätsansprüche

Bessere Richtergebnisse, größere Produktivität, immer höhere Materialfestigkeiten sowie verschiedenartige Materialien wie etwa Edelstahl, lackierte oder verzinkte Bänder erfordern neue Entwicklungen im Anlagenbau.

22. November 2011
1. Die Anlage produziert Blechtafeln in hoher Qualität und Präzision.
Bild 1: Höhere Qualitätsansprüche (1. Die Anlage produziert Blechtafeln in hoher Qualität und Präzision.)

Querteilanlagen der neuen Generation sind leistungsfähig, präzise und ökonomisch. Mit Abmessungen von 1500 x 3 mm stellt Camu aus Bressanvido eine neue Präzisionsrichtanlage für Banddicken von 0,5 bis 3mm vor, die für ein bekanntes Service-Center konzipiert wurde. Sie besteht aus den Hauptkomponenten Coillager, Abwickelhaspel, Bandeinführgerüst, Richtmaschine, fliegende Schere, Schrottweiche, einem auch für empfindliche Bleche geeigneten Stapler und einem Wiegesystem.

Die Anlage ist je nach Ausführung etwa 30 m lang. Der Abwickelhaspel hat eine Tragkraft von 20t und ist für Coilinnendurchmesser von 508 mm und Außendurchmesser von 1800mm geeignet. Er wird durch einen Drehstrommotor mit Reglersteuerung angetrieben. Ein pneumatisches Bremssystem, das auch als Notbremssystem ausgelegt wurde, gewährleistet einen reibungslosen Blechablauf.

Durch den Andrückarm mit angetriebenen gummierten Walzen können die Blechcoils sicher und einfach geöffnet werden. Die Seitenverschiebung des Abwickelhaspels ermöglicht es, das Blechcoil lagegerecht zu zentrieren. Das auf dem Haspeldorn hydraulisch gespreizte Coil wird durch die groß dimensionierten Segmentflächen nicht beschädigt.

Ein Bundhubwagen, angetrieben durch einen geregelte Drehstrommotor, verfährt die Coils vom Coillager zum Abwickelhaspel. Der Hubvorgang, um das Coil auf den Haspeldorn zu setzen, erfolgt hydraulisch. Die Kontaktflächen zwischen dem Coil und dem Hubprisma sowie dem Coillager sind mit Nylonplatten belegt, um Beschädigungen am Coil zu vermeiden.

Richten als zentrale Aufgabe der Anlage

Loris Basso, einer der beiden Brüder, die gemeinsam das Unternehmen Camu leiten, beschreibt die Querteilanlage von Camu: »Eine der wichtigsten Eigenschaften der Anlage ist ihre Flexibilität und Vielseitigkeit. Kurze Rüstzeiten für verschiedene Materialdicken und -festigkeiten sind durch das einfache Bedienen der Anlage gewährleistet.«

Das Bandeinführgerüst wurde mit einem langen Teleskoptisch ausgerüstet, um Coilaußendurchmesser von 500 mm bis 1800 mm verarbeiten zu können. Der Teleskoptisch wird über Hydraulikzylinder bewegt. Zwei gummierte Vorschubwalzen ziehen das Blech vom Abwickelhaspel ab. Eine dreiwalzige Vorrichtmaschine ist dem Vorschubwalzenpaar nachgeschaltet.

»Für Blechdicken ab 2 mm ist eine Vorrichtmaschine sinnvoll, um den Coilanfang vorzurichten, bevor dieser abgeschnitten wird«, so Basso.

Alle Baugruppen der Anlage sind für ein optimales Ergebnis wichtig. Zweifellos ist jedoch die Richtmaschine das ›Herz‹ einer solchen Anlage, da sie für Qualität und Ebenheit der Platinen verantwortlich ist. Basso betont: »Heute erreicht unsere neue Generation von Richtmaschinen in ihrer Konzeption und Leistung ein Top-Level.«

Die Richtmaschine hat 19 Richtwalzen (neun oben, zehn unten), 21 Zwischenwalzen und sieben Stützwalzen. Letztere werden unabhängig voneinander über ein Schiebekeilsystem verstellt und nicht über das klassische Spindelsystem.

»Diese Lösung erlaubt eine wiederholgenaue Einstellung der Richtwalzen und verhindert deren Durchbiegung. Daher ist dieses System dem Spindelsystem mit nur zwei Verstellspindeln vorzuziehen.«

Die neun Oberwalzen sind baugleich (6high). Die oberen sieben Stützwalzen werden laut Wartungsplan jährlich neu eingestellt und manuell, nicht wie die unteren motorisch, eingestellt.

Die Kippung des oberen Walzenstuhles mit seinen halbmondartigen Führungen erfolgt über unabhängig voneinander arbeitende Elektromotoren, die einzeln programmiert werden und über ein Display ablesbar sind. Der obere Walzenstuhl wird durch jeweils zwei Motoren auf der Bediener- und der Antriebseite über Gewindespindeln vertikal bewegt, so dass auch hier eine Kippung erfolgen kann.

Eines der Hauptprobleme von Richtmaschinen ist die Verformung des Maschinenrahmens während des Richtvorgangs. Camu-Richtmaschinen der neuen Generation wurden vollständig neu konzipiert, so dass auch hochfeste Materialien auf den Maschinen gerichtet werden können. Ein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Änderung der Rahmenkonstruktion, die aus hochfestem Stahl gefertigt wurde, um die Biegesteifigkeit des Maschinenbettes zum Oberteil zu erhöhen.

»Schlussendlich ist der Kunde der Gradmesser, ob eine Maschine Erfolg hat oder nicht, da diese seine Wettbewerbsfähigkeit festigt«, erläutert Basso.

Nützliches Zubehör der Richtmaschinen ist eine Walzenreinigungsvorrichtung, die automatisch ein Filzstück mehrmals von rechts nach links schleppt, um die Walzen von Verunreinigungen zu befreien. Die Richtmaschinen können auch mit einem Kassettensystem ausgerüstet werden.

Gute Qualität

Nach der Richtmaschine folgt ein Rollengang mit PU-überzogenen Rollen. Die Rollen werden über einen geregelten Motor mit Bremse angetrieben.

Das Arbeiten mit einer fliegenden Schere ist abhängig von einem guten Richtergebnis und hat somit einen großen Einfluss auf die Produktivität und Qualität des Schneidergebnisses. »Die Qualität des Schnittes«, so Basso, »ist sehr gut und fast gratfrei, da wir eine sehr schnelle Schere mit einer Taktzeit von 0,5 s benutzen, die über eine gehärtete Kugelumlaufspindel präzise verfahren wird.«

Nach der fliegenden Schere kommt der Stapelbereich für die Blechplatinen und eine Schrottweiche. Vor dem eigentlichen Stapler sind zwei verschiedene Förderbänder mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, wobei das Förderband mit der schnelleren Geschwindigkeit für kurze Blechteile ist, um ein leistungsfähiges Stapeln zu gewährleisten.

Der Schwingarmstapler ist speziell für ein kratzfreies Stapeln der Bleche konzipiert worden. Die pneumatisch beweglichen Schwingarme sind mit Rollen versehen und ermöglichen auch bei Blechbreiten von 1500 mm ein einwandfreies Positionieren der Platinen über dem Stapelbereich. Die seitlichen Breitenanschläge und der hintere Längenanschlag werden motorisch verfahren und über Drehgeber können diese vom Bedienpult eingestellt werden. Ein Scherenhubtisch, auf dem die Bleche gestapelt werden, senkt sich automatisch mit größer werdendem Blechstapel.

Auch das Konzept des Staplers von Camu wurde überarbeitet. Um die Produktivität zu steigern, war es notwendig, die Stapelgeschwindigkeit zu erhöhen. So wurde eine neue Druckluftanlage entworfen und mit speziellen Akkumulatoren ausgerüstet.

Die Querteilanlage wird über zwei Bedienpulte bedient. Ein Bedienpult ist für die Funktionen des Staplers, das andere Bedienpult (in der Nähe des Abwickelhaspels) für alle Anlagenfunktionen.

Optimierung

Die Maschinen wurden unter Berücksichtigung verschiedener Parameter entworfen und hergestellt. Diese sind Flexibilität, Vielseitigkeit, Präzision und Produktivität. »Jede einzelne Maschine und jedes Bauteil«, meint Fabio Basso, »kann zu einem Brennpunkt werden, wenn diese nicht, unter Berücksichtung der erforderlichen Parameter, in das Gesamtkonzept einer Anlage passen.«

Die beschriebenen automatischen Funktionen und Einstellungen müssen aufeinander abgestimmt und

optimiert sein und benötigen daher ein hohes Maß an technischem Verständnis. Daher kann eine solche Anlage von nur einer Person bedient werden (mit Unterstützung einer weiteren Person für das Beladen der Coils).

Hintergrund

Seit 30 Jahren konstruiert und baut Camu Maschinen und Anlagen für die Coils verarbeitende Industrie. Dies sind Längsteilanlagen für Spaltbänder und Querteilanlagen für Tafelbleche. Die Banddicken reichen bei den Längsteilanlagen von 0,2 bis 8 mm und bei den Querteilanlagen bis 15 mm.

Die Exportrate von Querteilanlagen liegt bei 65 Prozent. Das Unternehmen stellt auch Pressenvorschubanlagen her. Es gibt zwei getrennte Firmensitze für konstruktive Arbeiten und Fertigung. In Bressanvido (VI) ist die Konstruktions- und die Montageabteilung, und in Camignano di Brenta (PD) ist die Fertigung zu Hause. Die Mission des Unternehmens basiert auf ständiger Forschung, technischer Weiterentwicklung und einem hochwertigen After-Sales-Service.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011