Hochkantrichten

Serie Technik

Plan und ohne Säbel, so sollte das Bandmaterial vor der Weiterverarbeitung sein. Doch gerade bei gewalzten oder längsgeteilten Bändern kommt es oft zu »Säbelfehlern«. Durch Hochkantrichten kann dem begegnet werden.

05. Mai 2009

Seit 45 Jahren auf dem Markt ist Kohler, Hersteller von Bandzuführanlagen für Pressen und Stanzautomaten. Dies beinhaltet Richtmaschinen für Bänder und Teile, Hochkantrichtanlagen, Ab- und Aufwickelhaspeln sowie Pressenautomatisierungssysteme. Ebenso werden Anlagen für die Automobil- und Stahlindustrie, die Langteilefertigung sowie Sonderanlagenhergestellt. Das Unternehmen beschäftigt 130 Mitarbeiter (Stand: 2008).

Der Bedarf am Hochkantrichten entsteht beim Walzen oder beim Längsteilen von Bändern durch frei werdende innere Spannungen. Auch bei der Stabstahl-Herstellung werden diese Fehler, auch Säbelfehler genannt, durch das Anlassen des Materials hervorgerufen.

Verschnitt minimieren

Bei säbeligen Bändern wird an der Bandkante ein gewisser Anteil weggeschnitten. Dieser Verschnitt kann, speziell bei längeren Teilen durch Hochkantrichten erheblich reduziert werden. Bei Betrieb mit Folgeverbundwerkzeugen wird die Bandführung im Werkzeug wesentlich präziser eingesetzt. Die Folge ist eine Optimierung des Materialeinsatzes und eine Qualitätssteigerung des Endproduktes. Im Idealfall können sogar die Teile mit der am Band vorhandenen Kante hergestellt werden. Neben dem eingesparten Material sind weniger Schnitte nötig. In manchen Fällen wird sogar eine Werkzeugstation eingespart.

Durch die kontinuierliche Messung des Säbels und die Übergabe der Werte zur SPS kann der Hochkantrichtapparat automatisch nachjustiert werden. Dadurch minimiert sich der Einstellaufwand. Die Qualität des Produktes ist auch nicht vom Ausbildungsstand des Maschinenbedieners abhängig.

Plan und ohne Säbel

Kohler setzt auf eine besondere Art der Richtmaschinenkonzeption, die dazu geeignet ist, das Band sowohl plan als auch hochkant zu richten. Dabei wird der im Teil befindliche Säbel ebenso sicher eliminiert wie die Unebenheiten. Im Einlauf-HK (Hochkantrichtapparat) wird das Band präzise zentriert und der Richtmaschine zugeführt.

Die Einstellung der nachgeschalteten Präzisionsrichtmaschine wird so gewählt, dass das Teil sowohl planeben als auch gut plastifiziert wird. Der Auslauf-HK wird seitlich so positioniert, dass das Teil über die hohe Kante verändert wird und die Maschine gerade verlässt. Nach der HK-Richtmaschine kann optional eine Messeinrichtung aufgebaut werden, um das Richtergebnis zu kontrollieren.

Es ist durchaus möglich, den Hochkantrichtprozess zu automatisieren und die Einstellung des HK durch die Messergebnisse zu beeinflussen. Es kann sowohl eine Optimierung nach gerade als auch ein vorbestimmter Säbel im Band gewählt werden. Dazu werden die Verstellachsen des Hochkantrichtapparates als Positionierachsen ausgebildet.

Zusatzprozess

Ähnliche Resultate werden beim Streck-Biegerichten genutzt. Auch bei diesem Richtverfahren werden die Säbelfehler im Band reduziert. Dabei wird der Effekt ausgenutzt, dass das Material in der Richtmaschine in den elastisch-plastischen Bereich gebracht wird, wodurch sich die Kräfte, die notwendig sind, um das Material zu recken, enorm reduzieren. Das Streck-Biegerichten ist jedoch ein zusätzlicher Arbeitsprozess, der das Produkt erheblich verteuert. Kohler bedient den Markt mit der Hochkanttechnologie im Schmalbandbereich bei Sägeblättern bis hin zu LKW-Längsträgerrichtanlagen.

Franz Müllerleile

Erschienen in Ausgabe: 3-4/2009