Herr der Strahlen

Das Laserstrahlschneiden hat bei ACP in Penzberg einen hohen Stellenwert. Zwölf Laserschneidmaschinen verrichten hier ihre Arbeit. Gemeinsam ist ihnen nur eines, der Hersteller Trumpf aus Ditzingen.

06. Dezember 2006

»Bereits in den 80er-Jahren hatten wir - damals noch als MAN Nutzfahrzeuge AG, Werk Penzberg - erstmals Kontakt mit Trumpf.« Werner Splistisser, Leiter Einkauf/Vertrieb bei Automotive Components Penzberg erzählt kurz und bündig die Etappen bis zum heutigen, imposanten Laserschneidmaschinenpark. Mit dem Einzug der Lasertechnik in Penzberg wurden die schnellen Stanz-Nibbelmaschinen langsam ausgemustert. »Unser Hauptkunde ist derzeit die MAN Nutzfahrzeuge AG mit ihren Werken in München, Salzgitter, Nürnberg, Steyr sowie der Sonderfahrzeugbau in Wien. Auch andere Partner greifen gerne auf die Kompetenz der ACP zurück. Wir sind spezialisiert auf die LKW-Teilefertigung vor allem aus Blech und Rohr«, so Werner Splistisser. Derzeit fertigt der Zulieferer rund 3.500 verschiedene Stahlblechteile in 420er und 500er Festigkeitsgüten sowie in Stückzahlen von einem bis 1.000 und mehr Stück.

150 Tonnen Blech pro Tag

Losgröße eins gilt hier vorrangig für die Ersatzteilfertigung und das Blechteile-Prototyping, das in Penzberg für die Versuchsabteilung von MAN in München erledigt wird. »Pro Monat erhalten wir zwischen sechzig und achtzig Aufträge für Änderungen und Neuteile«, erzählt Werner Splistisser. Rund 150 Tonnen Tafelblech gehen Tag für Tag durch die Produktion, die bei den inzwischen zwölf Laserschneidmaschinen - mit Laserleistungen von 2,6 bis 6,0 kW, davon fünf mit Doppelkopf ­ausgestattete Flachbettlaser sowie eine 3D-Laserzelle Baujahr 2004 mit 5 kW ­Leistung von Trumpf - ihren Lauf durch die verschiedenen Fertigungsabteilungen beginnen. »Jede einzelne Laserschneidmaschine ist autark. Wir betrachten jede Maschine als einen Baustein und haben daher vom Steuerschrank bis zur Gasversorgung alles auf Plattformen über der jeweiligen Maschine angeordnet«, erläutert Werner Splistisser das Konzept. Das birgt nicht nur Vorteile, wenn eine Maschine nach etwa fünf bis sechs Jahren ausgetauscht wird, sondern erweist sich auch für die Serviceleute als ein echtes Plus, denn über den Maschinen verbleibt genügend Platz, um ungestört Servicearbeiten durchführen zu können. Durch die Idee der Plattformen wurde die Hallenhöhe clever genutzt und die Aufstellfläche pro Maschine auf ein Minimum reduziert. Dass es bei ACP boomt, zeigt sich an den 19 Wochenschichten, die derzeit gefahren werden, sowie den zahlreichen Aufträgen, die nach außen vergeben werden. Die »Just-in-time«-, »Just-in-sequence«- und Kanban-Fertigung, wie sie bei ACP gefahren werden, erfordern eine ausgeklügelte Logistik. Inzwischen hat APC ein Blechlager mit rund 400 Plätzen à drei Tonnen Aufnahmekapazität. Von hier aus werden die Bleche auftragsbezogen zur Maschine gefahren und dort automatisch mit den »Trumpf-Liftmaster«-Stapeleinheiten auf den Maschinentisch gehoben. Jede Flachbettlasermaschine bei ACP ist mit einem Wechseltisch aus­gestattet. Das spart weitere Zeit. Die Restgitter werden vom Liftmaster auf spe­zielle Transportwagen geladen, die regelmäßig geleert werden. Da ACP nicht über eine Restmaterialverwertung verfügt und durch die auftragsbezogene Fertigung nicht jedes Blech bis zum letzten Rest verwertet werden kann, ist man dazu über­gegangen, das Auftragssteuerungssystem ToPs 1000 von Trumpf einzusetzen.

ACP setzt auf Trumpf

»Jede unserer Laserschneidmaschinen ist mit einem Server verbunden, um zu gewährleisten, dass immer mit dem derzeit aktuellen Programm gearbeitet wird. Zusätzlich ist jede Maschine mit einem IPC zur Maschinendatenerfassung ausgestattet. Dies ergibt einen Überblick über den Nutzungsgrad der Anlage sowie Informa­tionen über Störungen organisatorischer und technischer Art.« Über ein gesondertes Auftragssteuerungssystem weiß man bei ACP jederzeit wo welcher Auftrag gerade abgearbeitet wird, unabdingbar für eine Fertigung just in sequence. Zudem müssen ja auch die regelmäßige Wartung jeder einzelnen Maschine sichergestellt und eventuelle Ausweichmaschinen zur Verfügung gestellt werden. Ob ein Laserschneidkopf oder Doppelkopfbestückung, elf 2D-Laserschneidmaschinen - fünf davon Doppelkopfanlagen - oder die 3D-Lasercell zum Schneiden und Schweißen, ACP setzt bei seinen Laserschneidmaschinen ausschließlich auf Trumpf. Da ist natürlich die Kommunikation zu Trumpf ein Thema: »Wir haben seit Jahren einen Ansprechpartner bei Trumpf. Zum Thema Wartung gibt es generell immer wieder Verbesserungspotenzial, wenngleich die Wartung durch Trumpf sehr gut ist«, meint Werner Splistisser zufrieden. Alle neuen Flachbettlasermaschinen kauft ACP übrigens in der Doppelkopfausführung: »Wir können hier einen wesentlich höheren Teiledurchsatz gegenüber der Einkopfanlagen erreichen.«

Von 3D zu Tops 1000

Die 3D-Lasercell wird etwa zum Besäumen dreidimensional umgeformter Blechteile genutzt. »Wir verwenden hochfeste Stahlgüten, die nur sehr schwer umformbar sind. Gerade an den Ecken sind daher oftmals hohe Materialspannungen vor­handen. Durch das berührungsfreie Laserschneiden können wir eine rissfreie Fertigung dieser Bauteile garantieren.« Auch der Einsatz des Auftragssteuerungssystems ToPs 1000 für die 2D-Flachbett­laserschneidanlagen rechnet sich laut Werner Splistisser sowohl für ACP als auch für deren Kunden: »Wir können durch die intensivere Ausnutzung der Bleche unseren Kunden eine bessere Preisbasis bieten«, so der Einkaufs- und Vertriebsleiter - und zeigt dies sogleich am Beispiel einer Trumatic-HSL-4002C-Flachbettlasermaschine mit zwei Schneidköpfen, die aus einer Blechplatine nicht nur vier große Rahmenbauteile, sondern zahlreiche kleine Anbauteile geschnitten hat. _

Know-HowTrumpf auf Rekordkurs

Trumpf ist eine Hochtechnologiegruppe mit den Schwerpunkten in der Fertigungsund Medizintechnik. Der Ditzinger Werkzeugmaschinenhersteller und Laserspezialist beendete das Geschäftsjahr 2005/06 mit einem Rekordumsatz von 1,65 Milliarden Euro. Mit einer Wachstumsrate von 18 Prozent zeigt sich das Unternehmen unter seiner neuen Geschäftsführung erfolgreich. Motor des Unternehmenserfolgs waren Werkzeugmaschinen für die Blechbearbeitung. Auch das laufende Geschäftsjahr entwickle sich gut, so Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf Gruppe - Trumpf erwartet einen Umsatz von mehr als 1,8 Milliarden Euro.

BackgroundZwölf mal Laser

Bei ACP in Penzberg arbeiten zwölf Laserschneidanlagen von Trumpf mit einer Gesamtlaserleistung von 35,4 kW. Insgesamt sind 11 Flachbettlaser von der L 3030 (2,6 kW, Baujahr 1995, Tischgröße 3.000 x 1.500 mm), bestückt mit einem Laserkopf bis zur hochmodernen L 3050 (6,0 kW, Baujahr 2006, Tischgröße 3.000 x 1.500 mm) mit zwei Arbeitsköpfen im Einsatz. Highlight der Laserabteilung ist die Lasercell TLC 1005 für die 3D-Bearbeitung. Sie ist sowohl zum Laserschneiden als auch zum Laserschweißen geeignet.

Erschienen in Ausgabe: 12/2006