Herausforderung „unmöglich“

»Geht nicht gibt’s nicht«, ist nicht nur ein Spruch aus der Werbung. Bei der Jung Stanztechnik ist er Philosophie. Heraus kommen Premium-Produkte, die man Allerdings nicht im Baumarkt finden kann.

17. November 2006

Eine Edelstahlsteckdose mit beleuchtetem Lichtstreifen an ihrer Unterkante und einer Blende, die nur 6 mm aufträgt, das ist nur eine der Spezialitäten aus der neuen »FD-design«-Produktlinie von Jung. Das Schalksmühler Unternehmen stellte diese Hightech-Serie 2006 erstmals auf der Fachmesse light& uilding vor. Inzwischen hat das Werk, das Elektro-Installations-Geräte und -Systeme herstellt, am Standort Schalksmühle (www.jung.de) die Produktion der Serie aufgenommen. Eine Besonderheit dabei: Die Edelstahl- und Aluminium-Blenden mit den extrem gestalteten Ecken (extreme Ziehverhältnisse) lassen sich nur dank einer speziellen Technik herstellen. Dazu haben sich die Entwickler von Jung mit den Entwicklern von Hieger (www.synchropress.de) zusammengesetzt und die erste Synchropress-Produktionspresse mit elektronisch geregeltem Ziehkissen gemeinschaftlich entwickelt. Dabei partizipierten die Partner jeweils am Know-how des anderen und lernten, selbst mit 0,4 mm dünnem Edelstahl, ihre Designvorstellungen (scharfe Kanten) rissfrei umzusetzen.

Special-Edition

Hieger-Chef Johannes Hülshorst lobte bereits in der bbr-Februarausgabe in der Titel­story (»Visionärer Praktiker«) seine Kunden: »Unsere Kunden verfügen über echten Pioniergeist.« Die Synchropress mit 1.000 kN Presskraft und einer Tischlänge von 2,50 Metern wurde erstmals mit dem neuen elektronischen Ziehkissen ausgestattet und steht inzwischen in der Produktion bei Jung in Schalksmühle, genauer gesagt in den Räumen der Jung-Stanztechnik. »Der Kauf der Synchropress hat sich für uns gelohnt«, re­sümiert deren Betriebsleiter, Frank Ehrenthal. »Sie wird als eine reine Produktionsmaschine eingesetzt, die eine Menge zu bieten hat. So etwa die Werkzeugüberwachung mit Analog- und Digital-Sensorik. Das elektronische Ziehkissen ist sozusagen die fünfte Achse der Maschine. Durch die Möglichkeit, die Kraft am Niederhalter wegabhängig variabel einstellen zu können, konnten wir Teile fertigen, die auf anderen Pressen gerissen sind. Das elektronische Ziehkissen (mit 50 kN Maximalkraft) erlaubt das variable Nachfließen des gezogenen Materials beim Ziehprozess. So können wir das dünne Edelstahlmaterial selbst über ›scharfe‹ Kanten ziehen«, erläutert Ehrenthal die Qualitäten der Synchropress. Natürlich räumt er ein, dass bis zum regulären Einsatz bei Jung einige Kinderkrankheiten zu kurieren waren: »Das war hinsichtlich der Werkzeugüber­wachung für Hieger absolutes Neuland. Deren Software-Programmierer hat allerdings einen sehr guten technischen Background und konnte alle unsere Wünsche technisch verstehen und richtig umsetzen. Das Ganze hat Hieger in der Synchropress-Steuerung programmiert«, lobt Ehrenthal das Engagement von Hieger. Die Projektierungsphase dauerte etwa ein Jahr, bis die vollelektrische Presse gebaut wurde. Von der Auslieferung bis zum vollen Produktionsanlauf vergingen dann nochmals etwa fünf Monate.

Serientauglich

Übrigens, die Werkzeuge baut Jung selbst. Zum Beispiel verfügen sie über gesteuerte Stempel, die ein Maximum an Werkzeugflexibilität erlauben: »Wenn wir Platinen für unser Aluminium-Programm produzieren, dann können wir mit ein und dem selben Werkzeug die Aussparungen für eine Zweier-, Dreier-, Vierer oder Fünfer-Leiste stanzen«, erläutert der Betriebsleiter die Vorzüge des gesteuerten Werkzeuges. Dass die Synchropress mit den zahlreichen Einstellmöglichkeiten kein »Spielzeug« ist, macht Frank Ehrenthal an ein paar Fakten fest: »Inzwischen sind wir dazu übergegangen auch einige Aluteile, die wir bisher auf einem Hochleistungs-Stanzautomaten herkömmlicher Bauart gestanzt haben, mit unserer Synchropress zu fertigen. Wir stanzen natürlich unsere edelsten Teile, wie die Edelstahl- und Aluminiumartikel des FD-design die fünf Sichtflächen haben - nur auf der Synchropress.« Die Jahreslosgrößen pro Artikel taxiert Ehrenthal für die Synchropress mit Serien bis zu 400.000 Teilen. Derzeit läuft die Presse, wie alle Pressen der Stanzerei, 1,5-schichtig. Natürlich bedeutet das Arbeiten an der Synchropress auch für die Mitarbeiter eine Umstellung: »Wir haben gemeinsam mit den Programmierern von Hieger versucht, die Oberfläche der Steuerung möglichst an die bestehenden Steuerungen anzupassen. Dennoch müssen sich die Mitarbeiter daran gewöhnen, dass sie hier keinen Hubwinkel einstellen können, wie an den mechanischen Stanzautomaten, sondern die Hubtiefe in Millimetern.« Für jede neue Materialcharge gilt es einige Parameter nachzu­regeln: »Das wird innerhalb kürzester Zeit empirisch er­mittelt«, so Frank Ehrenthal, sichtlich zufrieden über die Leistungsfähigkeit der Presse, die für 100 Hübe pro Minute ausgelegt ist. Neben der Produktion von hochpräzisen Funktions- und Designstanzteilen für die eigenen Produkte des Hauses Jung aus dem Bereich der Elektro-Installations-Geräte und -Systeme fertigt die Jung-Stanztechnik komplizierte Präzisionsteile und Baugruppen für die Bereiche Automotive, Kommunikation und Elektronik (www.jung-stanztechnik.de). »Wir produzieren zu 80 Prozent Teile für das Jung-Produktprogramm und 20 Prozent in Lohnarbeit für Fremdfirmen. Diesen Anteil möchte ich auf 50 Prozent anheben«, erläutert Frank Ehrenthal die Ziele für die Jung-Stanztechnik. _

Know-HowSynchropress mit elektrischem Ziehkissen

Die Synchropress-Presse bei Jung ist eine vollelektrische 1.000-kN-Presse mit einem 2,50-Meter-Tisch. Sie kann mit 100 Hüben pro Minute fahren und wird als reine Produktionspresse genutzt.

Neben den elektrischen Spindelantrieben verfügt diese Presse über ein »elektronisches Ziehkissen« mit 5 kN Haltekraft, das exakt dosierte, wegabhängige Kräfte auf die Niederhalter erlaubt.

Aufgrund dieser Kombination aus Synchropress und elektronischem Ziehkissen ist es möglich, selbst extreme Ziehkanten und Ecken in Designabdeckungen und Rahmen aus Edelstahl und Aluminium zu realisieren. Die Synchropress-Technologie wird auf der Euroblech in Halle 27, Stand J 24, zu erleben sein.

BackgroundDie Innovationstreiber

Seit über 90 Jahren steht der Name Jung für Fortschritt und Erfolg in der Elektro-Installation. Technische Innovation, hoher Qualitätsstandard und anspruchsvolles Design bestimmen die ständige Weiterentwicklung der Jung-Elektro-Installations-Geräte und -Systeme. Für den weltweiten Vertrieb produziert das Unternehmen Schalter, Steckdosen, Dimmer, Wächter, Jalousiesteuerungen und viele elektronische Geräte für die verschiedensten Anwendungsbereiche. Das 1993 fertig gestellte Schulungszentrum in Schalksmühle ist der Mittelpunkt der Weiterbildungsaktivitäten. In Seminaren werden hier das breite Spektrum der Elektronik und die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Bus-Technik vermittelt. Für ein Spezialtraining steht ein mit modernster Elektronik ausgestattetes KNX/EIB-Labor zur Verfügung. Eingebunden in dieses traditionsbewusste Unternehmen ist die Jung-Stanztechnik eine tragende Säule für Innovation. Die Firma Jung fertigt an den Standorten Schalksmühle und Lünen und beschäftigt insgesamt 560 Mitarbeiter. Der Familienbetrieb wird von dem geschäftsführenden Gesellschafter Harald Jung in dritter Generation geleitet.

Erschienen in Ausgabe: 10/2006