Herausforderung Alu

Technik

Aluminiumlegierungen benötigen nicht nur einen anderen Korrosionsschutz als Stahl, sondern auch die Vorbehandlung unterscheidet sich erheblich – eine Herausforderung selbst für Spezialisten.

07. Februar 2012
Innovative Vorbehandlung in drei Phasen: Entfettung, Dekapierung und chromfreie Konversion Bildquelle: Benseler
Bild 1: Herausforderung Alu (Innovative Vorbehandlung in drei Phasen: Entfettung, Dekapierung und chromfreie Konversion Bildquelle: Benseler)

Leichtmetalle wie Aluminium finden in vielen Industriezweigen eine immer breitere Verwendung. Vor allem aufgrund des geringen Gewichtes ersetzt Aluminium oft den bislang verwendeten Werkstoff Stahl. Für die Produktion ergeben sich daraus jedoch neue Herausforderungen. Dies gilt im Speziellen für nachgelagerte Fertigungsschritte wie beispielsweise den Korrosionsschutz.

Die Benseler-Unternehmensgruppe, seit über 50 Jahren auf dem Markt, befasst sich bereits seit einigen Jahren damit, Aluminium wirkungsvoll gegen Umwelteinflüsse zu schützen. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass Aluminium nicht wie Stahl vorbehandelt werden kann. Es gilt daher, das richtige Vorbehandlungsverfahren für die entsprechende Legierung zu finden.

Derzeit wird eine Vielzahl von Aluminiumlegierungen verwendet, die jede für sich unterschiedlich reagieren. Deshalb müssen bei der Vorbehandlung des Werkstoffs die eingesetzten Chemikalien und die Prozessparameter auf die jeweilige Legierung abgestimmt werden.

Der Schlüssel zum Erfolg liege – so Benseler – neben umfangreicher Erfahrung und großem Prozess-Know-how in der engen Abstimmung zwischen den Herstellern der Bauteile und dem Oberflächenveredler.

Ein beispielhaftes Projekt setzt Benseler derzeit für einen Hersteller von Karosserieaußenteilen um, der die Markgröninger Unternehmensgruppe mit der Beschichtung verschiedener Ersatzteile, beispielsweise Türen, Motorhauben und Heckklappen für Audi, beauftragt hat.

Die Karosserieteile aus einer warmaushärtbaren Aluminiumknetlegierung werden bei Benseler angeliefert. Um das Material optimal auf die Korrosionsschutzbeschichtung vorzubereiten, setzt der Oberflächenspezialist auf eine innovative Vorbehandlung in drei Phasen: Entfettung, Dekapierung und chromfreie Konversion.

Dieses Verfahren unterscheidet sich in der Vorbehandlung von Stahl, wo klassischerweise eine Zinkphosphatierung eingesetzt wird. Ferner muss beispielsweise vorab geprüft werden, ob die Entfettungs- und Reinigungsverfahren in der Vorbehandlung in der Lage sind, die vom Hersteller verwendeten Umformhilfsmittel vollständig zu entfernen.

Denn die Karosserieteile müssen komplett von Fett und Schmierstoffen befreit sein, bevor die Weiterbearbeitung durch die chromfreie Konversion und die kathodische Tauchlackierung (KTL) stattfindet. Nur so kann eine gleichmäßige Schutzlackierung gewährleistet werden, die neben dem geforderten Korrosionsschutz eine wichtige Grundlage für die makellose Lackierung mit Wagenfarbe ist.

Bei Karosserieteilen, die aus mehreren Einzelteilen bestehen, wird im Anschluss an die KTL-Lackierung eine Bördelfalz-Versiegelung aufgebracht, um bei den sich überlappenden Bereichen das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern und damit die Korrosionsanfälligkeit zu minimieren. So gelingt es, das Aluminium mindestens ebenso wirksam vor äußerlichen Einflüssen zu schützen, wie man es von Stahl kennt.

Benseler hatte 2010 mit den ersten Probeläufen zur Beschichtung der Aluminium-Ersatzteile für Audi begonnen und liefert sie seit 2011 an Händler weltweit aus. Ab 2012 werden am Benseler-Standort Frankenberg Karosserieersatzteile für weitere Modelle hinzukommen. Benseler übernimmt übrigens anders als die meisten klassischen Lohnbeschichter auch vor- und nachgelagerte Montagearbeiten.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012