Guter Draht

Wenn Langlebigkeit, Robustheit und Tragfähigkeit sowie ein geringes Eigengewicht gefragt sind, kommt Draht aus Edelstahl Rostfrei ins Spiel. Neben Anwendungen in Medizin, Industrie und Bauwesen sind es vor allem Spezialseile aus verdrillten Drähten, die Edelstahldraht zum unverzichtbaren Element in Architektur und Abspanntechnik machen.

30. März 2017
Zur Herstellung von Drahtseilen  nicht nur aus Edelstahl Rostfrei  werden Drähte zu Litzen verdrillt. (Bild: Edelstahl Rostfrei)
Bild 1: Guter Draht (Zur Herstellung von Drahtseilen nicht nur aus Edelstahl Rostfrei werden Drähte zu Litzen verdrillt. (Bild: Edelstahl Rostfrei))

Von der Rohstahlproduktion über Walzen und Wärmebehandlung bis zum Drahtziehen erfordert die Herstellung von Blankdraht aus Edelstahl Rostfrei viele exakt aufeinander abgestimmete Prozessschritte. Durch Walzen entsteht Grobdraht, der durch eine sich verjüngende Öffnung eines Zieheisens, Ziehsteins oder Walzgerüstes gezogen wird. Diese Öffnung ist in mehreren Produktionsschritten immer kleiner, so dass der Draht ohne Materialverlust immer länger und dünner wird.

Neben runden Edelstahldrähten gibt es auch Produkte mit quadratischen oder rechteckigen Querschnitten. Zur Herstellung von Edelstahlseilen wird in aller Regel jedoch Runddraht eingesetzt. Werkstoffeigenschaften und Fertigungsverfahren haben nicht nur auf die anwendungsbezogene Eignung maßgeblichen Einfluss, sondern auch auf die Optik der aus den Drähten hergestellten Produkte.

Da sich die Ziehsteine im Prozess abnutzen, weist die Drahtoberfläche eine leichte Streifigkeit auf. Um diese einzuschränken, müssen die Ziehsteine im Mikrometer-Bereich poliert und gezielt eingesetzt werden. Durch abschließendes Glühen erhält der Edelstahldraht die benötigte Dehnung und Zugfestigkeit. Die Edelstahldrähte sind aus Duplexstahl, aus austenitischen oder ferritischen Edelstahllegierungen.

Richtiger Dreh

Zur Herstellung von Drahtseilen werden Drähte in entsprechender Dicke zu Litzen oder Kardeelen und diese wiederum zum Seil verdrillt. Dieses Verdrillen wird auch Schlagen und das Produkt geschlagene Seile genannt. Von der Wahl der Verseilungsart der Litzen – standardmäßige Drahtüberkreuzung oder parallele Verseilung – hängt die Biegeleistung und Lebensdauer der Seile ab.

Auch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Schlagarten eines Seils beeinflussen die Seileigenschaften. Ob Hub-, Abspann-, Verstell-, Schließ- oder Windenseil: Eine anwendungsspezifische Auswahl gewährleistet eine lange Lebensdauer. In vielen dieser Anwendungen reicht ein Stahlseil. Bei rauen und korrosiven Umgebungsbedingungen sind jedoch Drahtseile aus Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel unverzichtbar.

Perfekte Hülle

Im Bauwesen überzeugt Edelstahldraht als Gestaltungselement sowie als funktionale Sicherung. Als Geländerfüllung stellen Edelstahlseile ihre filigrane Ästhetik und robuste Leistungsfähigkeit in Treppenhäusern, auf Balkonen oder als Brüstungen an Brücken unter Beweis. Zu Gewebebahnen oder -paneelen verwoben, werden Edelstahlseile und -draht zur textilen Gebäudehülle, die widrigen Witterungsbedingungen wie starkem Wind dauerhaft trotzt.

Deshalb werden Edelstahlgewebe nicht nur aus dekorativen Gründen als Fassadenbekleidung genutzt, sondern auch als leistungsfähige Absturzsicherung im Stadion- oder Parkhausbau. In normalen atmosphärischen Bedingungen eignen sich die Werkstoffgüten 1.4401 und 1.4571. In salz- oder schwefeldioxidhaltiger Luft werden bevorzugt höher legierte nichtrostende Stähle eingesetzt.

Sicheres Netz

Ein breites Einsatzspektrum bieten zu Netzen verarbeitete Edelstahlseile. Im Gebirge bilden sie für Wanderer eine kaum sichtbare, aber effektive Barriere, um einen Absturz zu verhindern. An Brücken haben sich Auffangnetze aus Edelstahlseilen der Werkstoffklasse 1.4404 für die Suizidprävention bewährt. Den Pariser Eiffelturm sichert ein Edelstahlnetz vor unbefugtem Beklettern.

Als Alternative zu massiven Gittereinzäunungen werden vorgespannte Netzkonstruktionen aus Edelstahlseilen immer häufiger in Tiergärten verwendet. Hier verbinden dreidimensional geformte Tiergehege hohe Transparenz mit räumlicher Trennung.

Grüner Draht

In der Fassadenbegrünung treten Befestigungssysteme aus Edelstahldraht optisch zurück und überlassen als Rankhilfe den Kletterpflanzen die Bühne. Die Drahtdicke richtet sich nach der Art der Pflanzen. So genügen dünne Edelstahlseile oder -drähte mit einem Durchmesser von zwei Millimetern für schwachwüchsige Sorten wie Clematis, während vier Millimeter dicke Rankhilfen schwergewichtigeren Pflanzen wie Blauregen gewachsen sind. Der Werkstoff verhindert auch Algen- und Moosbewuchs.

Stabiler Halt

Eine Schlüsselrolle nimmt Edelstahldraht im Segelsport ein. Hier sind 1x19-Seile aus 19 Litzen als zugfeste Variante für stehendes Gut im Einsatz. Diese Absteifungen dienen zur Stützung der Masten in Längsrichtung sowie zur Befestigung der Segel – dem sogenannten Trimm. In Querrichtung verspannen „Wanten“ die Masten. Früher dienten Wanten aus Naturfasern auch zum Aufentern (Hochklettern), um die Segel einzuholen oder zu lösen.

Heute fangen Edelstahlseile mit wenig Gewicht die Windlasten ab, um den Mast in Position zu halten. Die Auslegung des Edelstahlseils richtet sich nach Masthöhe, Segelfläche und Art der Anbringung. Üblicherweise werden hierfür ebenfalls 1x19-Seile verwendet. Nur Regattasegler setzen auf dünne Spezialdrähte wie 7x7-Seile. Mit sieben Litzen aus ebenso vielen Drähten sind diese wesentlich leichter – allerdings bei einer rund 30 Prozent geringeren Zugfestigkeit als bei 1x19-Seilen.

So verschieden die Einsatzbereiche für Edelstahldraht auch sind: Wo immer es auf Beständigkeit gegen Rost, Säure oder extreme Temperaturen ankommt, erfüllt er durch maßgeschneiderte Auslegung der Legierungsbestandteile hohe Qualitätsstandards. Seile, die das Warenzeichen Edelstahl Rostfrei tragen, geben die Gewähr einer sachgerechten Materialauswahl und fachgerechten Verarbeitung.