Gute Chancen für das Durchstarten nach der Krise

Bain-Analyse: Zukunft des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus

20. Oktober 2010

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat die Krise schneller und profitabler überwunden als zunächst befürchtet. Seit Jahresbeginn zeigen die Auftragseingänge wieder steil bergauf und auch jenseits der aktuellen Zahlen sind die mittel- und langfristigen Aussichten gut. Die Kapazität „atmete“ dank flexibler Arbeitszeitmodelle und Kurzarbeit durch die gesamte Rezession mit, ohne dass die Unternehmen große Know-how-Verluste oder hohe Anlernkosten für neue Mitarbeiter zu verschmerzen hatten. Eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung Bain & Company zeigt, dass die kurzfristigen Ertragsaussichten gut sind und globale Trends Wachstumsperspektiven eröffnen, die gerade für den deutschen Maschinenbau vielversprechend sind. Allerdings muss der Maschinen- und Anlagenbau auch einige Hausaufgaben erledigen, vor allem die Anpassung an neue Werkstofftrends, die globalere Arbeitsteilung der Branche und eine stärkere Service-Orientierung. Die Auftragslage im deutschen Maschinen- und Anlagebau erholt sich derzeit rapide. Für den August meldete der Branchenverband VDMA ein Auftragsplus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine im September durchgeführte Umfrage von Bain & Company unter Top-Managern zeigt, dass 20 Prozent der Maschinenbauer glauben, die Branche habe die Finanz- und Wirtschaftskrise bereits überwunden, während eine klare Mehrheit von 72 Prozent angibt, sie befände sich gerade auf dem Weg aus der Krise. Nur acht Prozent sind der Meinung, der Maschinenbau stecke noch mitten in der Krise - und das, obwohl dieselben Manager zu 66 Prozent der Meinung sind, Deutschland als Ganzes habe die Krise noch nicht überwunden. 340 Maschinenbau-Insolvenzen hat die Krise letztes Jahr gefordert.

Das waren weniger als in anderen Krisenjahren. 2010 wird die Zahl der Insolvenzen dank des anziehenden Geschäfts voraussichtlich etwas zurückgehen. Derzeit ist die durchschnittliche Kapazitätsauslastung von 60 bis 70 Prozent im letzten Jahr wieder auf über 80 Prozent gestiegen. Und die Zeichen stehen bereits wieder auf Neueinstellungen. Insgesamt beschädigte die Krise die Branchenstruktur kaum. Die wesentlichen Unternehmen bestehen fort. Zudem verlor die Branche nur rund 3,5 Prozent ihrer Mitarbeiter und damit kaum Know-how. Auch mittelfristig sind die Aussichten der Branche nach Ende der Krise gut. 73 Prozent der von Bain befragten Manager glauben, dass der deutsche Maschinenbau gestärkt aus der Krise hervorgehen wird.

Bereits kurz- und mittelfristig wirksame Wachstumsimpulse kommen aus der Automobilindustrie, der Luftfahrt und der Energieerzeugung: So wird der deutsche Maschinenbau vom Trend zu kleineren Automotoren und zur Elektrifizierung des Antriebsstrangs profitieren. Denn für die nächste Generation der Antriebstechnik – E-Autos, Hybridfahrzeuge und mehrfach aufgeladene Turbomotoren – sind neue Fertigungsanlagen notwendig. In der Luftfahrt müssen neue Werkstoffe wie Kohlefaser und Titan eingeführt werden, um kerosinsparende Flugzeuge zu ermöglichen.

Auch hier sind neue Maschinen für die Fertigung mit hoher Wahrscheinlichkeit „Made in Germany“. Im Energiesektor wird der weitere Ausbau regenerativer Energien und intelligenter Stromnetze eine der großen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte sein – in Europa und darüber hinaus. Deutsche Unternehmen gehören in diesem Bereich zu den führenden Anbietern auf dem Weltmarkt.