Gut strukturiert durch die Wabe

Technik/Lager und Logistik

Individuelle Anforderungen verlangen nach individuellen Lösungen. Das zeigt sich besonders bei der Realisierung eines anspruchsvollen Logistikprojektes wie bei der Ingrid L. Blecha Ges.m.b.H. in Österreich.

18. März 2015

Nicht nur eine Nummer sein – für die Ingrid L. Blecha Ges.m.b.H. war das bei der Wahl eines Partners für ihre Lagerumstrukturierung ein entscheidendes Kriterium. Für das Projekt suchte das österreichische Unternehmen nach einem Logistikexperten, der sowohl die Bedürfnisse und Anforderungen als auch die Vorstellungen und Wünsche Blechas genau verstand.

Nach kurzen Sondierungsgesprächen fiel die Entscheidung auf die Friedrich Remmert GmbH. »Mit Remmert haben wir den idealen Partner für die Erweiterung unseres Langgutbereichs gefunden«, erklärt Michaela Bauer, Prokuristin bei Blecha. »Remmert hat sich viel Zeit für uns genommen und ist in der Beratung instinktiv auf Aspekte eingegangen, die uns sehr am Herzen lagen. Nach über einem Jahr im Einsatz sind wir mehr als zufrieden mit der Anlage“, so Michaela Bauer weiter.

Zahlreiche Anforderungen

Die Ingrid L. Blecha Ges.m.b.H. ist ein Handelsunternehmen mit dem Fokus auf Aluminium-Produkten. Abgesehen von der Rohmaterial-Distribution in weltweit mehr als 60 Ländern umfasst das Leistungsportfolio die Realisierung diverser Anarbeitungsleistungen. Zu den Spezialitäten des Betriebes gehören unter anderem Aluminium-Rohrfittings und Aluminium-Zaunsysteme. An seinem Standort Neunkirchen bevorratet Blecha mehr als 2200 Aluminiumstandardprofile und -rohre in verschiedenen Güten, Legierungen und bis 18 Meter Länge sowie diverse Blechplatinen. Früher lagerten die Werkstoffe am Boden und in Regalen, verteilt auf vier Hallen. Angesichts von rund 6000 Lagerplätzen pro Halle wurde ein Material häufig an mehreren Stellen bevorratet. Die Transparenz über die Bestände ging so verloren. Lange Wege und umständliche Werkstoffsuchen waren programmiert.

Als Folge verzögerte sich immer wieder die Abwicklung von Kundenaufträgen. »Unser bestehendes Lagerkonzept war nicht mehr wirtschaftlich genug. Wir haben daher entschieden, einen Teil unserer Langgutlagerung umzustellen und in ein modernes Automatiksystem zu investieren«, berichtet Michaela Bauer. »Auf diese Weise wollten wir die vorhandene Grundfläche besser nutzen und unsere Lagerkapazität steigern. Außerdem sollten sich alle logistischen und produktionstechnischen Prozesse verbessern.«

Reibungsloser Materialfluss

In erster Linie dient das neue Lager für Langgüter mit einem Gewicht ab 4 kg/m. Diese hatten früher sowohl die Bevorratung als auch das Handling erschwert. »Aufgrund der Anforderungen haben wir Blecha zu einem Wabenlager geraten«, erklärt Matthias Remmert, Geschäftsführer der Friedrich Remmert GmbH. »Sie meistern so mit einem Schlag viele Herausforderungen.« Um genug Kapazitäten für künftiges Wachstum zu haben, wurde das Lagersystem in einer neuen, fünften Halle errichtet. Blecha stehen hier auf 920 m² Grundfläche 1138 Lagerplätze à 2 t Traglast zur Verfügung.

Das Materialhandling erfolgt schnell und zuverlässig. Binnen weniger Sekunden lagert ein Regalbediengerät die Aluminiumrohre und -profile ein und aus. Die Zugriffszeiten auf das Langgut haben sich dadurch um ein bis zwei Drittel verkürzt. »Das neue Wabenlager sollte eine reibungslose Kommissionierung und Anarbeitung ermöglichen«, erläutert Michaela Bauer. »Auf Basis seiner langjährigen Erfahrungen hat Remmert ein Lösungskonzept entwickelt, das genau darauf abgestimmt ist.« Neue Langgüter gelangen über eine dem Warenein- und -ausgang nahegelegene Lagerstation ins System. Materialien für die Kommissionierung werden an derselben Station wieder ausgelagert.

Anschließend sieht das Materialflusskonzept die schnelle Distribution des Langguts vor. Es wird dazu auf einen Rollgang gelegt. Daran angeschlossen ist eine Wickelmaschine, die Rohre und Profile für den Versand verpackt. »Die automatische Verknüpfung von Lager und Kommissionierung bietet große Vorteile«, erzählt Michaela Bauer. »Gerade Aufträge mit vielen Posten werden innerhalb kürzester Zeit bearbeitet.«

Ebenso effizient wie die Kommissionierung vollzieht sich die Anarbeitung. Für eine durchgängige Fertigung sah das Lagerkonzept den Anschluss einer Säge an das Wabenlager vor. Die Versorgung der Maschine erfolgt über eine zweite Lagerstation. Das Zuführen der Rohre und Profile an die Säge sowie den Abtransport der Zuschnitte realisiert Blecha mittels Hallenkran. Durch die automatische Bevorratung und das vereinfachte Handling konnte Blecha die Produktivzeit der Säge um mehr als die Hälfte erhöhen.

Perspektive für die Zukunft

Über ein Jahr wird die neue ›Wabe‹ bei Blecha inzwischen eingesetzt. »Bereits kurz nach der Integration des Lagers hat sich einiges bei uns getan«, so Michaela Bauer. »Der Durchsatz in der Kommissionierung und Anarbeitung stieg deutlich. Des Weiteren konnten wir unser Artikelsortiment ausbauen. Das ist für unser Geschäft ein erheblicher Gewinn.«

Ein weiterer Vorteil ist ein verbessertes Bestandsmanagement. Die Planbarkeit der Aufträge sowie das Bestellverhalten wurden dadurch optimiert. »Derzeit planen wir den Ausbau des Wabenlagers. Dabei verlassen wir uns wieder auf das langjährige Know-how und die effizienten Ideen von Remmert«, ergänzt Michaela Bauer.

Erschienen in Ausgabe: 02/2015