Gut gekühlt

Technik/Fügen

Nahtqualität und Geschwindigkeit tragen dazu bei, dass Schweißer effizienter arbeiten und damit Kosten sparen können. Mit dem modifizierten WIG-Prozess Arctig hat Fronius aus Wels in Oberösterreich eine Innovation für das mechanisierte Verbindungsschweißen entwickelt, die diesen Anforderungen gerecht wird.

14. Mai 2018
Das WIG-Verfahren Arctig von Fronius sorgt für hohe Schweißgeschwindigkeiten und eine hohe Nahtqualität. Bild: Fronius
Bild 1: Gut gekühlt (Das WIG-Verfahren Arctig von Fronius sorgt für hohe Schweißgeschwindigkeiten und eine hohe Nahtqualität. Bild: Fronius)

Das Arctig-Verfahren von Fronius beruht auf dem Prinzip des Wolfram-Inertgas- oder kurz WIG-Schweißens. Dabei brennt ein Lichtbogen zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem metallischen Werkstück in einer sauerstofffreien, reaktionslosen Gasatmosphäre. Der Stromfluss erhitzt die Elektrode, wodurch ein Elektronenfluss entsteht. Dadurch sinkt der Gesamtwiderstand, was zu einem weichen, breiten Lichtbogen führt.

Viele Materialien und hohe Ansprüche

Dank des inerten Schutzgases finden keine chemischen Reaktionen mit dem flüssigen Schmelzbad statt. Die Anwender erreichen damit eine laut Fronius »perfekte Nahtoptik ohne Anlauffarben und Spritzer sowie eine optimale Schuppung«. WIG-Schweißen eignet sich für viele verschiedene Materialien und Anwendungen – auch für anspruchsvolle Werkstoffe wie Titan.

Der Arctig-Schweißprozess ist für Anwendungen im Behälter- und Rohrleitungsbau, in der Turbinenfertigung sowie im Sondermaschinen-, Kran oder Tankbau prädestiniert.

Wichtigste Neuerung ist der optimierte Schweißbrenner mit einem Elektrodenspannsystem, das eine Kühlung der Elektrode bis in die Spitze ermöglicht. Das erhöht den Gesamtwiderstand und führt zu einer hohen Lichtbogenspannung.

Die Elektronenemission erfolgt nun auf einer kleinen Stelle und mit enormer Dichte. Der Lichtbogen ist dadurch schmaler und fokussierter, und der Nutzer erzielt eine ausgezeichnete Nahtqualität. Ein weiterer Vorteil: Die Kühlung verhindert das Überhitzen der Elektrode. Das sorgt neben einer erhöhten Lichtbogenstabilität für längere Standzeiten und eine verbesserte Zündung.

Die Anwender können sämtliche WIG-Stromquellen von Fronius ab einer Leistung von 220 Ampère problemlos auf den Arctig-Prozess upgraden. Nötig sind dafür nur der neue Brenner sowie ein zusätzlicher Rückkühler, der die Kühlleistung und die geforderte Temperaturstabilität sicherstellt.

Arctig ist zudem auch als Komplettsystem erhältlich. Dank der Fokussierung und des hohen Lichtbogendrucks lassen sich mit Arctig Bauteile bis zu einer Materialdicke von zehn Millimetern einlagig schweißen.

Kürzere Bearbeitungszeiten und weniger Zusatzmaterialkosten

Beim klassischen WIG-Schweißen sind dafür oft mehrere Lagen notwendig. Auch auf die zeitintensive Anarbeitung der Teile können Nutzer in vielen Fällen verzichten. Durch die spaltfreie Nahtvorbereitung kommt der Arctig-Prozess ohne Badstütze aus. Der Aufwand für die Nachbearbeitung ist deutlich geringer, weil die Naht kaum überhöht ist und es durch die reduzierte Wärmeeinbringung nur zu wenig Verzug kommt.

Die Anwender können damit Bearbeitungszeiten erheblich verkürzen – auch, weil das Verfahren höhere Schweißgeschwindigkeiten ermöglicht. Darüber hinaus lassen sich aufgrund des niedrigeren Nahtvolumens Materialkosten einsparen.

Auch in puncto Handhabung überzeuge Arctig, so Fronius: Die Bedienung ist ganz ähnlich wie beim WIG-Schweißen. Das bedeutet einen klaren Vorteil für den Anwender, weil er sich nicht umstellen muss und sofort ohne aufwendiges Einlernen schweißen kann. Dies reduziert nicht nur den Schulungsaufwand, sondern beugt auch Bedienfehlern vor. Eingestellt werden müssen nur wenige Parameter. Nutzer können auf die herkömmlichen Standard-WIG-Elektroden zurückgreifen. Diese lassen sich schnell wechseln und bei Bedarf einfach nachschleifen. Durch das neue Elektrodenspannsystem wird die Elektrode großflächig gespannt. Um eine bessere Zugänglichkeit zur Naht zu ermöglichen und den Lichtbogen besser zu beeinflussen, lässt sich das freie Ende der Elektrode je nach Anforderung beliebig einstellen.

Zahlen & Fakten

Fronius Perfect Welding ist einer der Innovationsführer für Lichtbogen- sowie Widerstandspunktschweißen und einer der globalen Marktführer für robotergestütztes Schweißen. Stromquellen für manuelle Anwendungen, Schweißzubehör und ein breites Dienstleistungsspektrum ergänzen das Portfolio. Fronius Perfect Welding hat mehr als 1.000 Vertriebspartner weltweit, um überall möglichst nah am Kunden zu sein.

Erschienen in Ausgabe: 03/2018