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Maschinenbauer mit breitem Programm

Nein, es gibt sie nicht, die viel zitierte eierlegende Wollmilchsau. Auch wenn Geschäftsführer Ralf Dunkes eben diese ins Feld führt, wenn er erklärt, was die S.Dunkes Maschinenfabrik so alles herstellt. BBR besuchte ihn in seinem Werk in Kirchheim/Teck und fand dort die universelle „Taumelniet-tuchier-zieh-stanz-räderaufundabzieh- IHU-montage-pulver-hydraulikpresse“ vor - und dies noch in Verbindung mit den unterschiedlichsten Werkzeugwechselsystemen.

15. Juli 2004

Kaum ein Mittelständler in der Umformtechnik - verzeihen Sie mir in diesem Fall den unscharfen Begriff - ist dermaßen breit aufgestellt, wie die S.Dunkes GmbH. Vielleicht eines der Geheimnisse, warum das Unternehmen die Depression der Pressenhersteller in den letzten drei Jahren völlig anders erlebte. „Wir hatten im letzten Jahr, trotz aller konjunkturellen Negativmeldungen, ein optimales und zufriedenstellendes Ergebnis“, erklärt Geschäftsführer Ralf Dunkes. 2003 ein gutes Jahr? Das „überraschende“ Ergebnis bedarf der näheren Erläuterung. S.Dunkes ist ein Maschinenbauer der eher atypischen Art. Mittelständig, weltläufig aber dabei bodenständig und gleich auf zahlreiche Nischen spezialisiert. Begonnen hat es vor über 40 Jahren, verglichen mit den großen Pressenbauern also ein „Youngster“. Nietmaschinen - von denen Dunkes im laufe der Jahre bereits übe 12.000 Stück in alle Welt verkauft hat -, Taumelnietmaschinen, Hydraulikpressen, Richttechnik, IHU-Pressen, Kombinierte Stanz-, Umformpressen bis circa 3.000 Tonnen Preßkraft und Tischgrößen von 4,5 x 2 Metern und, und, und. Das Produktfolio ist für einen Betrieb dieser Größenordnung - mit 70 Mitarbeitern - beachtlich zu nennen. „Bei uns bekommen Sie von der kleinsten Nietmaschine für 3.000 Euro, bis zur Großpresse für etwa 3,5 Mio. Euro so ziemlich alles“, verrät der Geschäftsführer. „Wir entwickeln dabei spezielle Lösungen für Kunden, die, in Kombination aus den verschiedenen Produktbereichen, aus 1. Hand, nur schwerlich zu bekommen sind. Da geht es nicht um große Serien, sondern um absolut individuelle Lösungen. Wir konzentrieren uns dabei oftmals auf die komplexesten Anforderungen Seitens unserer Kunden. Paßt beispielsweise die Hydraulik nicht auf die Presse weil die Hallenhöhe es nicht erlaubt, dann bauen wir die halt um die Presse herum. Sucht der Kunde eine komplett automatisierte Presse mit automatischem Werkzeugwechselsystem und mehreren individuell gesteuerten Achsen inklusive der Komplettsoftware, dann ist er bei uns richtig“, Ralf Dunkes und seine Mitarbeiter befassen sich tagtäglich mit den ausgefeiltesten Anforderungsprofilen. „Bei uns gibt es keine A-, B- oder CKunden, von der kleinsten Nietmaschine bis zur automatisierten Presse werden unsere Kunden gleichermaßen umsorgt.“ Man macht hier auch nicht alles selbst: „Wir haben bewußt eine kalkulierbare Fertigungstiefe, ausgelegt für kurzfristig zur Verfügung zu stellende Ersatzteile oder Bauteile, bei denen eine gewisse Qualität und Knowhow erforderlich ist“, meint Ralf Dunkes, da keine Serien gebaut werden ein nachvollziehbares Konzept, denn der Maschinenbauer muß schnell und flexibel agieren.

Flexibilität

Die Flexibilität der Mitarbeiter ist das Pfund, das Dunkes in die Waagschale werfen kann. „Wichtig ist, daß die Mitarbeiter frei entscheiden können. Kundenwünsche, zum Beispiel während einer Maschinenabnahme werden unverzüglich durch das jeweilige Team umgesetzt. „Daß dies selbst während der Mittagspause erfolgt, versteht sich von selbst“, erläutert Dunkes das Miteinander in seinem Unternehmen. „Anders wäre das gar nicht möglich, wenn unsere Mitarbeiter wegen jeder Änderung oder Kundenwunsch jemanden fragen müßten.“ Die Ideen der Kunden aufzunehmen und selbst Ideen einzubringen, daß ist das Wertvolle an den Mitarbeitern, die sich in erster Linie für die, - für ihre - Kunden engagieren. Jeder dieser „freien“ Mitarbeiter trägt zum Erfolg des Gesamtunternehmens bei und Ralf Dunkes lobt ihr Engagement. „Die gehen oft nicht nach 8 Stunden nach Hause, sondern eher nach 10. Wer bei uns arbeiten will, muß das wissen“, so der Geschäftsführer. Daß hier nicht auf die Uhr sondern auf die Qualität geschaut wird ist ein weiteres Indiz für die Motivation der Mitarbeiter. Kooperation gefragt

„Oft laufen Projekte auch über Jahre, wenn etwa gemeinsam mit großen Kunden entwickelt, getüftelt und ausprobiert wird“, erläutert der Geschäftsführer. Dies birgt allerdings auch einige Gefahren, wenn man bedenkt, wie oft die Köpfe in Großkonzernen wechseln und mit ihnen die Ideen, die Kooperationsbereitschaft und manchmal auch das Geschäftsgebaren. „Wenn ich betrachte welch hochkomplexen Aufgaben die Kunden weltweit haben, dann würde ich mich manchmal freuen, wenn es so eine Art Netzwerk mittelständischer Unternehmen gäbe. Jeder würde seine Spezialisten für einen bestimmten Teil der Anlage bereitstellen und das Marketing würde zentral von einer Stelle aus für das gesamte Netzwerk organisiert“, erläutert der Geschäftsführer, der sich so seine Gedanken macht, wenn er den oftmals ruinösen Preiskampf der Unternehmen untereinander betrachtet. „Dabei geht es nicht um Preisabsprachen, denn am Ende würden doch die Kunden profitieren, wenn Sie nicht jeden einzelnen Mittelständler einladen und das Angebot besprechen müßten, sondern ein Gesamtangebot einer Firmengruppe bekämen. Er bräuchte dann nur noch entscheiden welches Firmennetzwerk den Zuschlag erhalten soll.“ Ralf Dunkes plädiert für die Kooperation im Wettbewerb.

Und noch ein weiteres Problem des Mittelstandes bringt er auf den Punkt: „Es gilt nicht mehr das langfristige Denken, wenn etwa früher große Projekte und Investitionen über 20 oder 25 Jahre liefen, dann ist das heute schlicht unmöglich. Das Rating der Banken zwingt die Unternehmen zu Steigerungen im mehrstelligen Prozentbereich, sonst werden ihnen die Kreditlinien gekürzt. Damit geht das ganze eindeutig zu Lasten der Investitionen.“ Daß solche Mittelstandsnetzwerke immerhin auf technischer Ebene schon funktionieren, zeigen bereits einige erfolgreiche Beispiele.

Erschienen in Ausgabe: 05/2004