Gesundheit! – Sicher schweißen

Fokus/Schweißrauchabsaugu

Arbeitsschutz rückt verstärkt in den Fokus. Die gesetzlichen Vorgaben werden wahrscheinlich sogar noch verschärft. Intelligent gestaltete Systeme zur Luftreinhaltung gehen über die reine Absaugung und Filterung hinaus.

18. März 2015

Bedeuten neuartige Schweißverfahren und Zusatzwerkstoffe auch weniger Schweißrauch? Nach Ansicht der Kemper-Experten eine fatale Fehleinschätzung. Im Nano-Bereich steige die Anzahl der Partikel sogar. Schweißrauch berge ein enormes Gefährdungspotenzial. Nanopartikel sind meist kleiner als 1 µm, die meisten sogar kleiner als 0,1 µm (ultrafeine Partikel). Somit ist der Schweißrauch alveolengängig (Alveolen = Lungenbläschen). Deshalb senkte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2014 den Arbeitsplatzgrenzwert für alveolengängige Stäube (Partikel unter 10 µm). Nachdem der Grenzwert bereits 2001 von 6 auf 3 mg/m³ gefallen war, sank er nun auf 1,25 mg/m³. Aber selbst das war nur der Anstoß für weitere Verschärfungen. Derzeit erarbeitet der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eine neue ›Technische Regel Gefahrstoffe‹ speziell für solche Stäube. Metall verarbeitenden Betrieben bleibt zwar unter bestimmten Bedingungen eine Übergangsfrist bis 2018. Doch nicht nur aus Rechtsgründen, sondern auch zum effektiven Schutz der Mitarbeiter sollten Unternehmen den Arbeitsschutz bereits jetzt sehr ernst nehmen.

Zentrales Instrument zur Ermittlung der richtigen Absaug- und Filteranlage ist die Gefährdungsbeurteilung. Der Fokus liegt vor allem auf der Kombination aus Werkstoff und Schweißverfahren. Mindestens ab einer mittleren Gefährdungsklasse sind lufttechnische Maßnahmen einzuleiten. Ein prinzipiell hohes Gefährdungspotenzial weisen die meistverbreiteten Verfahren Schutzgas- (MIG/MAG) und Lichtbogenhandschweißen mit umhüllten Stabelektroden (LBH) auf. Bei der Verarbeitung von CrNi-Stählen entstehen Einzelpartikel ab 10 nm (MIG/MAG) oder 50 nm (LBH), die sich zu Haufwerken bis 100 nm beziehungsweise 500 nm agglomerieren können.

W3-Filter für ultrafeine Partikel

W3-Filter ist hier Pflicht. Diese erzielen einen Abscheidegrad über 99 Prozent bei Schweißrauch und sollten schon heute Standardausrüstung sein.

Bereits Einsteigermodelle von Kemper verfügen über eine W3-Zulassung. Der mobile Smartmaster (13 m²) eignet sich für sporadisches Schweißen auch von CrNi-Stahl und ist bereits für einen dreistelligen Betrag erhältlich. Der ebenfalls mobile Maxifil nimmt mit 42 m² Filterfläche das Fünf- bis Sechsfache an Partikeln auf.

Ein hoher Abscheidegrad ist aber noch lange nicht ein hoher Erfassungsgrad. Entscheidend ist, Stäube an ihrer Entstehungsstelle möglichst vollständig zu erfassen, damit sich die Gefahrstoffe erst gar nicht ausbreiten. Niedrigvakuum-Punktabsaugsysteme erfassen die Partikel meist in 30 cm Abstand zum Entstehungsort. Mit flanschförmigen Abdeckungen verhindert Kemper beispielsweise, dass Falschluft (unbelastete Luft) angesaugt wird. Diese Form ermöglicht einen um 40 Prozent höheren Erfassungsgrad als ovale Absaughauben.

Hoher Erfassungsgrad wesentlich

Um 360° drehbar und freitragend verbessern solche Hauben dank der einfachen Handhabung zudem die Akzeptanz durch die Schweißer. Von deren Verhalten hängt der Erfassungsgrad maßgeblich ab. Wird die Absaughaube falsch positioniert, gelangen Schadstoffe trotz effektivster Filtertechnik in die Umgebung. Eine integrierte Leuchte in der Absaughaube verbessert die Sicht auf das Werkstück, und der Schweißer führt den Absaugarm alleine deshalb nach – mit positivem Effekt auf den eigenen Schutz und den der Umgebung.

Alternativen zu den Niedrigvakuum-Punktabsaugungen sind brennerintegrierte Systeme sowie trichter- oder schlitzförmige, meist durch Magnete in Position gehaltene Hochvakuum-Punktabsaugungen. Wo nicht manuell geschweißt wird, sind Absaughauben mit seitlichen Schutzlamellen erste Wahl – die Größe richtet sich nach dem Arbeitsradius des Roboters.

Stehen kleinteilige Schweißungen an mehreren Stellen oder die Beschaffenheit der Werkstücke Punktabsaugungen entgegen, gewährleisten Raumlüftungen in Kombination mit der persönlichen Schutzausrüstung des Schweißers den Arbeitsschutz – auch als Ergänzung zu Punktabsaugungen. Sie schützen zudem Unbeteiligte vor den Schadstoffen und erhöhen die Luftqualität im gesamten Raum. Die BGHM empfiehlt die Verdrängungslüftung, die den natürlichen Auftrieb des Schweißrauchs nutzt, anstelle von Mischlüftungen. Der Cleanair-Tower von Kemper, der mit Verdrängungslüftung arbeitet, ist frei im Raum positionierbar und gewährleistet eine kontaminationsfreie Staubentsorgung.

Entsorgung ist zu beachten

Wegen der steigenden Gefahren im Nano-Bereich ist auch die Staubentsorgung zu berücksichtigen. Kemper stellt für die Einwegfilter einen kontaminationsfreien Wechsel und für abreinigbare Filter eine kontaminationsfreie Staubentsorgung sicher.

Vor dem Hintergrund verschärfter Grenzwerte ist es für Betriebe jetzt an der Zeit, bereits ergriffene lufttechnische Maßnahmen überprüfen zu lassen. Kemper misst dazu die Gefahrstoffkonzentration an den Schweißstellen und belegt entweder den Nutzen lufttechnischer Maßnahmen oder zeigt Schwachstellen auf. Diese Messungen sind Teil der verpflichtenden Wirksamkeitsanalyse.

Ausgaben für Luftreinhaltung amortisieren sich schnell: Atmen Schweißer keine schädlichen Partikel ein, leiden sie weniger unter Ermüdung, Atembeschwerden, Kurzatmigkeit, bronchialen Erkrankungen, Vergiftungen durch Mangan-, Blei- oder Cadmiumoxid oder unter Metallfieber beim Schweißen verzinkten Materials. Folge sind weniger Arbeitsunterbrechungen und Fehltage, eine höhere Arbeitszufriedenheit und vor allem eine insgesamt höhere Qualität und Produktivität.

Checklist

- Priorität: Gefahrstoffe möglichst im Entstehungsbereich

erfassen.

- Größe des Arbeitsplatzes: Um den gesamten Arbeitsbereich

ohne Behinderung abzudecken, auf richtige Länge und Anordnung der Absaugarme achten.

- Leichtgängigkeit der Absaugarme: Sorgt für eine gute

Akzeptanz, die durch die Arbeitsleuchte noch verbessert wird.

- Kopf- und Körperposition des Schweißers: Atembereich darf

niemals in den Rauchkegel gelangen.

- Gesichtsschutz: Automatisch abdunkelnde Helme sorgen für

freie Hand und erleichtern das Nachführen der Haube.

- Werkstoffe und Verfahren: Daraus ergibt sich die Auswahl

des richtigen Filters und sonstiger Komponenten.

- Häufigkeit und Dauer der Arbeiten sind entscheidend für

Auswahl und Dimensionierung des Filtergerätes oder einer zentralen Filteranlage.

Erschienen in Ausgabe: 02/2015