Geringerer Verschnitt

Über 40.000 verschiedene Blechteile fertigt Stengel, Ellwangen (Jagst), derzeit in seinen drei Werken. Im Dünnblechbereich möchte Firmenchef Josef Stengel seine ‚Salvagninis’ nicht missen.

11. Mai 2006

Auf drei Standbeine kann sich der Blechverarbeitungsspezialist Stengel heute stützen: Weiße Ware, Büromöbel und den Ladenbau. „Bei der Großserienfertigung ist eigentlich ein permanenter Abwärtstrend zu beobachten. Immer mehr wird die Produktion ins Ausland verlagert“, so Josef Stengel. Doch daraus erwuchsen seinem engagiert geführten Familienunternehmen keine Nachteile, da dieser Trend durch flexible Fertigungstechnologien für Kleinserien inzwischen mehr als wettgemacht wurde. „Im Januar konnten wir einen Rekordumsatz von plus 20 Prozent verzeichnen. Die Sparte Ladenbau hat hier den Platz 1 errungen.“

Im Aufwärtstrend

Der Betrieb wurde im Jahre 1967 von seinem Vater gegründet. Bis zur Übergabe der Geschäftsleitung im Jahre 1988 beschäftigte das Unternehmen 16 Mitarbeiter. 1990 wurde der Betrieb im Industriegebiet Ellwangen durch das Werk II erweitert, ausgestattet mit einer Dieffenbacher-Tiefzieh-Pressenstraße zur Herstellung von Spülen und anderen Edelstahl-Tiefziehteilen für Kunden der Hausgerätebranche. 1999 folgte der Neubau von Werk III, wo von nun an auf weiteren 4.000 qm Kühlschränke, Büro- und Küchenmöbel montiert, verpackt und kommissioniert wurden. Das Werk III ist inzwischen auf 17.500 qm angewachsen - eine weitere Erweiterung steht ins Haus - und Stengel beschäftigt aktuell 200 Mitarbeiter. Von der Konstruktion der Blechteile, inklusive dem Musterbau bis zur Herstellung aller Blechkomponenten und der Komplettmontage reicht das Spektrum des Blechverarbeiters, der pro Jahr 3.500 Tonnen Stahl, 2.000 Tonnen Edelstahl und einige dutzend Tonnen Aluminium verarbeitet. Die erste Salvagnini bei Stengel, war 1989 ein TB 20 Biegezentrum, das er 1992/93 durch das erste P4-1612 ersetzte. Vom Musterbau bis zur Fertigung von Losgrößen bis 500 Teile, setzt das Unternehmen die Salvagnini-Maschinen - die Biegemaschinen werden in Österreich gefertigt, die Stanzmaschinen und das MV Lager kommt aus Italien - heute ein. Insgesamt zwei komplette CNC-Stanz- und Biegelinien, eine S4 Stanzmaschine und ein P4 Biegezentrum unterschiedlichen Alters und Größe, werden von dem mächtigen MV- Lager vollautomatisch versorgt. Die hochflexiblen Fertigungssysteme glänzen durch viele Besonderheiten, die selbst eine fast mannlose Produktion in der Nacht erlauben.

Nahezu unschlagbar bis 1,5 mm

Im hochmodernen Werk findet man zahlreiche Blechverarbeitungsmaschinen anderer Hersteller, von Abkantpressen bis zu 3D-Laserschneidmaschinen, doch die Salvagnini-Fertigungszentren sind in einem Punkt unschlagbar: „Im Dünnblechbereich (bis 1,5 mm Materialstärke) sind die Salvagnini-Maschinen fast immer am produktivsten«, so der Geschäftsführer mit ansteckender Begeisterung, und er nennt ein Beispiel, das täglich Materialkosten spart: „Keine flexible Blechbearbeitungsmaschine hat einen solch kleinen Spannbereich, wie die Salvagnini-Maschinen, wo der kleinste Spannrand lediglich 28 mm beträgt. Das Resultat ist weniger Verschnitt, und das spart uns beim Edelstahl täglich viel Geld.“ Natürlich wird dieser geringe Spannrand mit ein wenig geringerer Genauigkeit erkauft, ein Grund, dass hier ein ausgewähltes Teilespektrum läuft. Auf die neuste P4-2516 abt-Biegezelle mit der Option P (sie läuft zweischichtig) ist der Geschäftsführer besonders gut zu sprechen: „Wir haben pro Tag Tausende Werkzeugwechsel, die die P4 innerhalb von Sekunden vollautomatisch - auch im laufenden Prozess - durchführt. Durch die freie Programmierbarkeit der Kantenschwinge können wir ein höchst kompliziertes, an den Ecken vorgestanztes- und -geformtes Edelstahlblechteil an der Längskante mit einer Radiuskantung versehen, ohne dass es zu der sonst üblichen Faltenbildung kommt.“ Das vollautomatische MV-Materialversorgungslager mit 650 Lagerplätzen für 2.000 Tonnen Material mit den beiden angebundenen Salvagnini- Stanz- und Biegelinien sowie einer weiteren vollautomatischen Salvagnini S4-Stanzmaschine läuft nun seit 2004 nahezu störungsfrei. Sicher der Hauptgrund, warum der Blechfertiger nichts auf Salvagnini kommen lässt und eine Bestätigung seines Komplimentes an Salvagnini: „Das sind einfach tolle Maschinen.“

BackgroundBlechfertigung vom Feinsten

Die Stengel Apparatebau GmbH wurde 1967 gegründet. Geschäftsführer ist Josef Stengel. Das Familienunternehmen ist auf den Sektoren weiße Ware, Büromöbel und Ladenbau aktiv und liefert weltweit. In den drei Werken arbeiten ins­gesamt 200 Mitarbeiter (davon 14 Auszubildende). Über 40.000 verschiedene Blechteile in Stahl, Edelstahl und Aluminium fertigt das Unternehmen aktuell. Neben der hochmodernen Blechfertigung vom Stanzen über Laserschneiden, Biegen, Formen, Ziehen verfügt das Unternehmen über eine eigene Schweißerei sowie eine hochmoderne Pulver­beschichtungsanlage, in der die Farbe innerhalb von nur 10 min gewechselt werden kann. Überschüssiges Pulver wird aufgefangen und wieder verwertet. Gerade in der Edelstahlverarbeitung hat sich das Unternehmen einen Namen bei internationalen, renommierten Kunden gemacht. Für die Dünnblechverarbeitung setzt das Unternehmen auf die Maschinen von Salvagnini. Im Jahr verarbeitet Stengel momentan etwa 3.500 t Stahl und 2.000 t Edelstahl.

Know-HowDas P4-2516 abt-Biegezentrum von Salvagnini

Max. Biegelänge = 2.500 mm

Max. Biegehöhe = 165 mm

Min/max. Blechstärke = 0,5 mm bis 3 mm

abt = Technologie zur automatischen Kompensation der Wärmeausdehnung von Maschinenteilen

Niederhalter ALA = Automatic Length Adjustment

Erschienen in Ausgabe: 04/2006