Geothermie-Brunnen für neue Rohbauhalle von Daimler niedergebracht

Neue Anlage spart jährlich rund fünf Millionen Kilowattstunden Energie ein

29. Juni 2010

Ab Ende 2011 laufen in Rastatt die ersten Fahrzeuge der Nachfolgegeneration der A- und B-Klasse vom Band. Dazu investiert die Daimler AG 600 Millionen Euro in das Werk Rastatt – in Ergänzung zu den bestehenden Gebäuden entsteht eine weitere Produktionshalle für den Karosserierohbau.

Besonderheit des neuen Rohbaugebäudes: Ein innovatives und umweltfreundliches Energiekonzept, das neben der Abwärme aus dem Produktionsprozess auch die natürliche oberflächennahe Erdwärme (Geothermie) nutzt. Grundwasser dient hierbei als Energiequelle.

Nun ist auf der Baustelle ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die fünf Entnahme- und sechs Rückführungsbrunnen sind niedergebracht. Grundwasser aus fünf bis 15 Meter Tiefe wird zukünftig zum Heizen und Kühlen der Produktionshalle genutzt und anschließend dem Erdreich wieder zugeführt. So lassen sich Jahr für Jahr rund fünf Million Kilowattstunden Energie einsparen und rund 800 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen vermeiden – im Vergleich zur Nutzung von Fernwärme, Erdgas und Kompressionskälte.

„Auf unsere energieoptimierte Rohbauhalle können wir wirklich stolz sein. Ein Gebäude mit 66.000 Quadratmetern Grundfläche mittels Geothermie zu temperieren: das hat Modellcharakter und zeigt, welchen Stellenwert der Umweltaspekt bei uns auch in der Produktion hat“, sagt Peter Wesp, Leiter Mercedes-Benz Werk Rastatt.

Derzeit laufen auf dem Rastatter Werksgelände die Bauarbeiten an der Geothermie-Anlage auf vollen Touren. Gerade wurden die Entnahme- und Rückführungsbrunnen im Umkreis der neuen Rohbauhalle gebohrt (Durchmesser jeweils 1,2 Meter) und ausgebaut. Die Brunnen werden nun über im Erdreich verlegte Rohrleitungen (rund 2000 Meter) mit der Energiezentrale verbunden.

Anschließend folgen Elektrifizierung und Automatisierung der Anlage, bevor diese dann stufenweise in Betrieb genommen wird. Zur Eignungsprüfung des Rastatter Werksgeländes wurde im Herbst 2008 eine positive geologische Erkundung durchgeführt. Um die Position der einzelnen Brunnen zu bestimmen, haben Geologen im Vorfeld ebenfalls umfangreiche Untersuchungen durchgeführt.

Die wasserrechtliche Erlaubnis, Grundwasser für Heiz- und Kühlzwecke auf dem Werksgelände des Mercedes-Benz Werkes in Rastatt zu nutzen, liegt seit November 2009 durch das Regierungspräsidium Karlsruhe vor.

Oberflächennahe Geothermie ist eine erneuerbare Energie. Bei der Nutzung von Erdwärme dient das Grundwasser als Energiequelle. Selbst an kältesten Tagen beträgt die Temperatur des Grundwassers etwa 12° C. Die Förderung des Wassers zur Wärmepumpe erfolgt über den sogenannten Entnahmebrunnen.

Zum Heizen entzieht die Wärmepumpe dem Grundwasser Energie, zum Kühlen wird dem Grundwasser Energie zugeführt. Das Wasser wird dem Erdreich anschließend über die Schluckbrunnen wieder zugeleitet.