Seit etwas mehr als 63 Jahren gibt es die Firma Schages. Wann hat sich Ihr Vater auf das Laserschneiden spezialisiert?

Als in den 70er- und 80er-Jahren der Wettbewerbsdruck in der Blechbearbeitung und die gestiegenen Ansprüche der Industrie mehr Innovationen und Investitionen in moderne Techniken forderten, entschloss sich mein Vater Heinz Schages sen. und ich, der Jungingenieur Heinz Schages, ins Laserschneiden einzusteigen. Das war 1988. Dem war ein Besuch bei Messer vorausgegangen, wo ich den Laser filmte. Als mein Vater den Film sah, entschied er spontan »Die Maschine brauchen wir« – und bewies damit ein gesundes Maß an Weitblick. So haben wir mit der maschinellen Blechbearbeitung begonnen, weil die manuelle Arbeit einfach zu teuer geworden war. Darüber hinaus konnten mein Bruder und ich eine Menge lernen über moderne Technologien und Arbeitsverfahren. Zum Glück hatten wir ausreichend Platz, um die neue Technologie überhaupt angehen zu können.

Worauf sind Sie heute spezialisiert?

Unsere Spezialitäten sind Dienstleistungen und Problemlösungen für metallverarbeitende Kunden. Dazu gehören die Bereiche:

  • XXL-Laserschneiden bis 12 x 3 Meter
  • XXL-Rohrschneiden bis 12 Meter Länge
  • XXL-Fasenschneiden (Schweißkantenvorbereitung)
  • Präzisions-Laserzuschnitte als Einzelteile, in Klein-, Mittel- und Großserie
  • CNC-Abkanten (Biegen bis 4 Meter Länge / 3.200 Kilonewton Presskraft
  • Kundenberatung in Sachen lasergeeigneter Konstruktion zur Kosten- und Zeitersparnis in weiterverarbeitender Fertigung.

Seit März 2019 ist das Unternehmen neu zertifiziert nach ISO 9001 und ISO 14001 sowie als Dienstleister zur Umsetzung der werkseigenen PK nach EN 1090 und der Übertragung der Werkstoffkennung nach Mat.-Kennz. nach RL 2014/68/EU. Das Unternehmen besteht heute aus einem Team von 35 Mitarbeitern, die für flexible und termingerechte Abwicklung der Aufträge sorgen.

»Unsere Kunden sind überwiegend metall- verarbeitende Betriebe aus Industrie und Handwerk.«

— Heinz Schages jun., © Schages

Schneiden Sie alle Werkstoffe?

Unter Berücksichtigung der speziellen Eigenschaften der jeweiligen Werkstoffe schneiden Laser fast ausnahmslos alle Werkstoffe. Die Frage ist, welcher Laser für welchen Werkstofftyp und welche Bearbeitungsaufgabe geeignet ist. Allein für den Bereich Metallbearbeitung stehen verschiedenste Laser zur Verfügung, so dass nicht pauschal für alle Werkstoffe eine Aussage getroffen werden kann – weder wirtschaftlich noch technisch.

Wie ist ihr Maschinenpark ausgestattet?

Moderne Gas- und Festkörperlaser im Leistungsbereich bis 10 Kilowatt schneiden Teile mit höchster Genauigkeit. Darunter befinden sich auch zwei Maschinen zur Rohrbearbeitung sowie eine Maschine für überformatige Blechteile bis 12 x 3 Meter.

In welche Regionen liefern Sie Ihre Produkte?

Wir beliefern Kunden aus Nordrhein-Westfalen und den umliegenden Bundesländern. Diese Kunden haben vielfach auch Niederlassungen im restlichen In- sowie im Ausland. In deren Auftrag liefern wir selbstverständlich auch dorthin.

Aus welchen Industriebereichen kommen Ihre Kunden?

Unsere Kunden sind überwiegend metallverarbeitende Betriebe aus Industrie und Handwerk – auch aus dem Mittelstand: Stahlbauer, Maschinen- und Apparatebauer unterschiedlicher Größe, Handwerker und Einzelkämpfer. Wie auch immer – all jene, für die sich eine eigene Laseranlage nicht lohnt, die aber trotzdem in ihrer jeweiligen Wettbewerbssituation diese Technologien einsetzen müssen.

Nicht vergessen möchte ich aber auch unsere sogenannten ›Spezialitäten‹: kreative Ideen, die meist von Designern, Messebauern – oft auch Künstlern – an uns herangetragen werden. Wenn es uns aber allzu kreativ oder kurios erscheint, dann lehnen wir auch mal einen Auftrag ab. In der Regel bemühen wir uns aber auch hier, eine zufriedenstellende, gemeinsame Lösung zu finden. Dabei kommen uns immer wieder unsere handwerklichen›Wurzeln‹ zugute.

Was waren Ihre schwierigsten Aufträge?

Die heutigen Anlagen haben ein breites Leistungsspektrum und eine Vielzahl von Anwendungsparametern, so dass wirklich schwierige oder problematische Aufträge selten geworden sind. Solche Aufträge kommen heute eher aus der Richtung »so was müsste doch auch mit Laser gehen, oder?«.

Dafür gibt es ein schönes Beispiel aus unseren Laser-Anfängerjahren: die Anfertigung einer Serie von Kunstbüchern mit metallenem Einband – zur Hälfte aus Kupfer und zur Hälfte aus Stahl. Das wollte uns einfach nicht gelingen – nicht zuletzt aus damals noch mangelnder Erfahrung, obwohl ja angeblich ›alles schneidbar‹ sein sollte. Heute wissen wir natürlich, dass Kupfer nur mit Lasern einer bestimmten Wellenlänge technisch einwandfrei schneidbar ist, mit den sogenannten Festkörperlasern. Leistungsstarke Fiber-Laser sind jedoch erst seit wenigen Jahren auf dem Markt und bei uns im Einsatz.

Damals mussten wir dagegen erst einmal sehr viel Detailaufwand in die Ermittlung von wenigstens halbwegs geeigneten Schneidparametern stecken, was in Kooperation mit den Applikations-Ingenieuren des Herstellers unserer Laserschneidanlage, Messer Cutting Systems, aber kein Problem war. Und was dann auch zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat: der Kunde war zufrieden.

Diese damalige Aktion ist auch bis heute immer noch ein gute Beispiel dafür, wie wir in Zusammenarbeit mit unseren Kunden, durch langjährig bewährte Kooperation mit Spezialisten und nicht zuletzt durch eigenes handwerkliches Geschick auch bei solchen, eher problematischen Aufträgen erfolgreich Lösungen erarbeiten können.

Seit Kurzem ist auch die 3. Generation der Familie Schages, Ihre Tochter, in der Geschäftsführung des Unternehmens. Welche Aufgaben hat sie übernommen?

Seit dem 15. April 2019 ist meine Tochter, Bettina Schütze, in die Geschäftsführung aufgestiegen. Damit rückt die 3. Generation des Familienunternehmens in die Geschäftsleitung nach. Sie zeichnet für die Buchhaltung und administrative Aufgaben im Haus verantwortlich – unter anderem für die Digitalisierung unserer internen Abläufe.

Apropos Generationswechsel: Wie war das denn bei Ihnen und Ihrem Bruder?

»Generationswechsel« war eigentlich bei unseren Eltern nie ein Thema. »Die Jungs übernehmen die Firma …« hieß es, so lange wir zurückdenken können. Natürlich, es gab immer viel zu tun, meistens sogar zu viel, und so blieb für solche Überlegungen kaum Zeit. Warum auch? »Es war doch eh alles klar!« Und der Kunde wartete schließlich …

Dass mein Bruder und ich diese Frage in unseren eigenen Familien dann doch anders geregelt haben, mag auch daran liegen, dass in der heutigen Zeit viel mehr auf einzelne Wünsche und eigene Vorstellungen eingegangen werden kann, als das damals üblich und der Fall war. Die Zeiten haben sich halt geändert. Alles unterliegt einer laufenden Veränderung. Und das ist gut so.

Haben Sie Expansionspläne?

Auch die Firma Schages entwickelt sich ständig weiter. So sind stets Wissen und Technik im Unternehmen auf dem neuesten Stand zu halten, wenn man am Markt agieren will.

Und genau da liegt unser Schwerpunkt: Nicht wachsen um jeden Preis, sondern die vorhanden Ressourcen bestmöglich nutzen und zum Nutze einer bestmöglichen Kundenzufriedenheit weiter entwickeln. Das ist unser Credo. In diesem Sinne hat die Firma Schages neben dem Maschinenpark in den letzten Jahren in betriebliche und bauliche Projekte annähernd 10 Millionen Euro investiert. Zuletzt in den kompletten Umbau des Bürogebäudes aus den 1980er-Jahren. Weitere geplante Projekte sind die Verbesserung der aktuellen Internetanbindung und weitere Digitalisierung der firmeninternen Abläufe, die seit der Firmengründung im Jahre 1956 stetig gewachsen sind.

Zahlen & Fakten

1956 gründete Schlossermeister Heinz Schages sen. die Schlosserei, die im Laufe der Zeit zu einem Schweißfachbetrieb wurde. Ein weiteres Standbein wurde ab 1971 die industrielle Blechver-arbeitung. Die Söhne des Gründers, beide Diplomingenieure, arbeiteten sich in das Unternehmen ein und leiten es bis heute in der 2. Generation. Seit dem Einstieg in die Lasertechnik 1988 bietet Schages CNC-Laserschneiden für metallverarbeitende Betriebe. Nach der Erstzertifizierung 1998 wurde Schages 2008 auch UM-zertifiziert – seit 2010 nach der neuen Norm 2008/2009. 2015 kam die WPK-Zertifizierung nach DIN EN 1090 dazu. Seit 2019 ist Schages neu zertifiziert nach ISO 9001 und ISO 14001 sowie als Dienstleister zur Umsetzung der werkseigenen PK nach EN 1090 und der Übertragung der Werkstoffkennung nach Mat.-Kennz. nach RL 2014/68/EU.

Hans Georg Diederichs Fachjournalist aus Grevenbroich www.schages.de