Gemeinsam noch produktiver

Auf der Productronica wird in Halle B6 ein Beispiel für innovatives Qualitätsengineering bei der Herstellung, Verarbeitung und Prüfung von Stecksystemen zu sehen sein. Bruderer, Kramski und SLE Electronics zeigen hier eine komplette Fertigungslinie.

22. November 2005

Bruderer wird an der diesjährigen Productronica (15. bis 18.11.2005 in München) als Mitaussteller auf dem Stand der Firma SLE (B6.353) auf­treten. Der neu gestaltete BSTA 250-75 wird mit einem sehr interessanten Hochleistungs-Stanzwerkzeug der Firma Kramski vorgeführt. Das auf der Anlage gefertigte Stanzteil ist insofern speziell, als dass es bis dato gedreht werden musste und demzufolge der Ausstoß nicht vergleichbar war. Bruderer hat sich bei der diesjährigen Productronica mit SLE einen starken Partner für die Präsentation einer kompletten Stanzlinie ausgesucht. Es ist nicht nur das Ziel, sondern auch der Anspruch von allen Beteiligten, dass den Kunden spezielle und zukunftsorientierte Lösungen angeboten werden können.

Der diesjährige Messestand ist so aufgebaut, dass für die Besucher ein kompletter Fertigungsprozess eines Kabelbaums für die Automobilindustrie gezeigt wird.

Dies ist in dieser Form ein ­absolutes Novum und wird ­bestimmt viele Besucher auf den Stand ziehen. Der BSTA 250-75B wird mit der neuen Farbgestaltung präsentiert, welche für die Zukunft der neue Standard sein wird. Das moderne und frische ­Design soll die technischen Vorteile der Bruderer Maschinen unterstreichen. Die technischen Neuerungen der BSTA-Baureihe zielen auf die Erhöhung der Prozesssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der Kunden. Investitionskosten werden heute nämlich allzu häufig als erstes und teilweise auch einziges Kriterium zur Maschinenauswahl herangezogen. Die an der Messe gezeigte Stanzlinie ­beweist, dass bei ­innovativen Lösungen die Stückkosten pro produziertem Teil deutlich tiefer sind, obwohl die Investitionskosten ziemlich sicher höher sind, als bei manch anderem Anbieter oder anderen Fertigungsverfahren.

Bruderer bietet eine Stanzmaschine, die mit der dynamischen Stößelkorrektur ausgerüstet ist. Dies bietet den Vorteil, dass die Stößellage während des Stanzens geregelt werden kann und somit in allen Be­triebs­geschwindigkeiten immer ­optimal ist. Zusätzlich können bei dieser Maschine die Temperatureinflüsse auf die Stößel­lage gemessen und während des Stanzprozesses in engsten Toleranzen geregelt werden.

Ein weiterer Nutzen dieses Systems sind die nachweislich reduzierten „Butzen“, die aus den Matrizen hochgerissen werden. Die Prozesssicherheit wird somit durch das einmalige Stößelverstellsystem von Bruderer enorm erhöht und durch weniger Stillstandszeiten und geringeren Ausschuss können die Fertigungskosten gesenkt werden. Selbstverständlich bietet die Maschine noch andere Vorteile wie zum Beispiel die integrierten Softwarelösungen zur Werkzeugsicherung, Nockensteuerung und Presskraftmessung. Auch im mechanischen Bereich hat Bruderer in der Vergangenheit einige Neuerungen hervorgebracht, die dem Fachpublikum auf der Messe in München vorgestellt werden sollen.

Stanzwerkzeug

Das Hochleistungs-Stanzwerkzeug der Firma Kramski ist ein weiteres wichtiges Element in der gezeigten Produktions­kette. Die mit dem Werkzeug gefertigten Steckverbinder für den Hochfrequenzbereich wurden früher gedreht und der Ausstoß pro Minute betrug circa 15 bis 20 Stück.

Nach einem Redesign durch die Werkzeugmacher können die Stecker heute mit 500 H/min. gestanzt werden und die Kabel müssen nicht mehr angelötet werden, sondern werden wesentlich schneller und effektiver durch Crimpanschlüsse befestigt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Teile am Trägerstreifen bleiben können. Dadurch können die Steckverbinder nämlich selektiv mit Gold beschichtet werden, was gegenüber der Vollvergoldung von früher zu einer enormen Kostenreduktion führt. Es werden also nicht einfach nur mehr Teile pro Minute hergestellt, sondern auch die anschließenden Prozesse sind schneller, präziser und sicherer, was die Herstellkosten pro Teil um ein Vielfaches senkt. Was durch ein cleveres Design auch noch möglich ist, zeigt die Modulbauweise von Kramski. Ohne das Grundgestell von der Maschine zu nehmen, können nämlich durch Tauschen eines Modules verschiedene Stecker hergestellt werden. So können die Gesamtwerkzeugkosten für die Female- und Male-Stecker ebenfalls ganz anders kalkuliert werden.

Peripheriegeräte

Bei der Herstellung von Steckkontakten werden die metallischen Oberflächen vom Rohband bis zum fertigen Bauteil betrachtet, entsprechend ganzheitlich präsentiert sich dann auch das Produkt- und Leistungsspektrum der SLE electronic GmbH aus Grafenau. Am Stanzbandeinlauf wird mittels eines Bandsprühsystems ein gleichmäßiger, optimierter Auftrag von Schmiermittel gewährleistet. Nach dem Stanzen werden die Bauteile gereinigt und entfettet, damit die Oberflächen sauber und fettfrei zur Verfügung stehen.

Zum Schutze von Steckkontaktblechen und zur Stabilisierung von Übergangswiderständen werden Konserviermedien appliziert oder in Sprühtechnik aufgetragen. Fertige Steckerleisten mit hochwertig veredelten Kontaktoberflächen werden im Kunststoffgehäuse entflittert. Als Reinigungsmedium wird ein fluoriertes Reinigungsmittel ohne Wasserstoff im geschlossenen Kreislauf verwendet. Zinnflitter oder Flitterkrausen, die durch das Bestücken von verzinnten Kontaktoberflächen entstehen, können sicher entfernt werden. Im nächsten Bearbeitungsprozess werden die gereinigten und konservierten Stecksysteme auf einem Halbautomaten mit einem Kabel verbunden, wobei mittels Crimpkraftüberwachung die prozesssichere Verbindung dokumentiert wird. Mittels moderner Schliffbildlabortechnik können die Verbindungen zusätzlich analysiert und dokumentiert werden. Im letzten Schritt wird das gesamte Stecksystem auf seine Funktion komplett geprüft und protokolliert.

Sowohl SLE als auch Kramski und Bruderer stellen sicher, dass einerseits durch integrierte Prozesse und andererseits durch frühes Zusammenarbeiten in einem Projekt mit dem Endkunden ein riesiges Sparpotenzial entsteht.

Daniel Troxler

Erschienen in Ausgabe: 11/2005