Gemeinsam Hightech-Innovationen realisieren

Nichtforschungsintensive Lowtech-Unternehmen und forschungsintensive Hightech-Unternehmen können in Innovationskooperationen voneinander profitieren. Das ist ein zentrales Ergebnis des Verbundprojekts „Low2High“ des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

30. Juni 2011

Auf der Abschlussveranstaltung des Projekts Ende Juni 2011 in Dortmund zeigten die Wissenschaftler, wie das Potenzial solcher Innovationskooperationen ausgeschöpft und die Zusammenarbeit erfolgreich gestaltet werden kann.

Mit dem Forschungsprojekt „Innovationsmanagement für Lowtech-Hightech-Kooperationen (Low2High)“ hat das Fraunhofer ISI eine Lücke geschlossen. Über die Rolle von nichtforschungsintensiven – sogenannten Lowtech-Unternehmen – bei der Entwicklung von innovativen Hightech-Produkten war bislang nur wenig bekannt. Diese Betriebe, deren Aufwendungen für Forschung und Entwicklung weniger als 2,5 Prozent des Umsatzes betragen, finden sich überraschenderweise keineswegs nur in „typischen“ Lowtech-Branchen des Verarbeitenden Gewerbes, auch in forschungsintensiven Branchen wie etwa dem Maschinenbau, der Automobilindustrie und sogar der Medizintechnik sind nichtforschungsintensive Unternehmen ein wichtiger Partner in der Wertschöpfungskette.

Ein wichtiges Ergebnis der Studie: Nichtforschungsintensive Unternehmen sind keineswegs nur passive Empfänger neuer Technologien. Stattdessen geben sie mit ihrem Praxiswissen und ihrer Anwendungserfahrung beim Einsatz von Technologien wichtige Impulse für weitere Innovationsaktivitäten im Hightech-Bereich. „Einer unserer Industriepartner im Projekt Low2High steht seinen Hightech-Kunden aus dem Automotive-Bereich bereits in einem frühen Stadium von Neuprojekten beratend zur Seite. Dabei finden sie gemeinsam die unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten optimale Lösung. Bei Bedarf wird sogar mit Materialforschern von Universitäten zusammengearbeitet“, nennt Projektleiter Oliver Som ein Beispiel.

Auf der Abschlussveranstaltung am 29. Juni 2011 im Kongresszentrum Westfalenhallen Dortmund berichteten die am Projekt beteiligten nichtforschungsintensiven Unternehmen, wie sie die Herausforderungen von Lowtech-Hightech-Innovationskooperationen bewältigt haben.

Ausgehend von realen Problemen wurden die Konzepte und Instrumente zur erfolgreichen Gestaltung von Lowtech-Hightech-Innovationskooperationen zusammen mit vier Industriepartnern entwickelt und in der Praxis erprobt. Die Maßnahmen betreffen die Ausgestaltung von zwischenbetrieblichen Schnittstellen, die Abstimmung der internen Innovationsprozesse auf die Anforderungen des Hightech-Partners sowie die strategische Bewertung von Innovationskooperationen. „Das Projekt hat gezeigt, dass die Mitarbeiter an den Schnittstellen zu Hightech-Partnern durch zum Teil widersprüchliche Vorgaben aus dem eigenen Betrieb und von Kooperationspartnern oft in Zielkonflikte getrieben werden. Die entsprechende organisatorische Einbettung in den Innovationsprozess kann die damit verbundenen Reibungsverluste deutlich minimieren“, beschreibt Oliver Som einen beispielhaften Gestaltungsansatz.

Die Abschlussveranstaltung fand im Rahmen der dritten Tagung des Förderschwerpunkts „Innovationsstrategien jenseits des traditionellen Managements“ statt. Unter diesem Schwerpunkt wurde auch das Projekt Low2High durch das Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie aus Mitteln der Europäischen Union gefördert. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, welche Rahmenbedingungen Unternehmen für zukünftige Innovationsstrategien benötigen.