Geburtstagsmesse

Bei der ersten hybridica gingen 130 Aussteller aus 10 Nationen in München an den Start. bbr besuchte die Messe und sprach mit Ausstellern und Veranstaltern.

05. Dezember 2008

_ »metal meets plastics«, mit diesem Slogan ging die 1. hybridica (www.hybridica.de) an den Start. In Halle C2, nahe ihren Kunden aus der Steckkontakte-Industrie, die auf der parallel stattfindenden electronica in Halle B2 ausstellten, wurde den 130 hybridica-Pionieren die Gelegenheit zum regen Kundengespräch gegeben. Ein Forum mit zahlreichen Beiträgen aus der Praxis der Kunststoff- und Metallbearbeiter, Verbänden sowie die Straße hybrider Bauteile und die gläserne Produktion gaben einen plastischen Eindruck einer jungen, aufstrebenden Industrie. Der Veranstalter, die Münchner Messe GmbH, konnten zur Auftaktveranstaltung (vom 11. bis 14. November 2008) rund 8.000 Fachbesucher — davon 26 Prozent aus dem Ausland — in der Halle C2 zur hybridica begrüßen. »In Zukunft wird es vermehrt hybride Bauteile geben, die freifallend in einer Anlage entstehen«, ist Vertriebsgeschäftsleiter Harald Dannert vom Solinger Werkzeugbauer Kron überzeugt. Noch sind es vorwiegend Automotive- oder Kommunikationstechnikbauteile, die hier in den komplexen Anlagen entstehen, doch am Horizont zeichnen sich weitere interessante Applikationen ab. So in der Medizintechnik oder der Möbelbeschlägeindustrie. Alexander Kasper, Marketingleiter des Werkzeugbauunternehmens Härter, ist nicht nur Messebeirat der hybridica, sondern einer ihrer Vordenker und Initiatoren: »Was hier innerhalb nur eines Dreivierteljahres auf die Beine gestellt wurde, ist schon unglaublich«, freut er sich, »und es könnte die Basis für viele erfolgreiche Veranstaltungen werden, in denen sich die junge Branche präsentieren kann.« Und Alessandro Cesarini, Geschäftsführer der M.E. Bruderer + Partner AG aus Arbon in der Schweiz, freut sich auf der hybridica weitere Spezialitäten seines Hauses vorstellen zu können: »Neben den vollelektrischen Synchropress-Pressen und der auf der Euroblech vorgestellten tmdpress — eine neue Lösung zum Prägen, Umformen und Feinschneiden von komplexen Bauteilen — haben wir jetzt auch die High-Speed-Pressenvorschübe von Vamco International aus den USA sowie die Kniehebelpressen des japanischen Herstellers Kyori im Programm.« Nun kann MEB seinen Kunden eine große Bandbreite an Umformspezialitäten bieten.

Sehen wie’s geht

Die gläserne Produktion zeigte eindrucksvoll, wie heute in modernen Produktionsanlagen fixfertige hybride Bauteile entstehen. Die Messe-Anlage, bestehend aus einer Spulenabwickelhaspel, einem Pneumatikvorschub, einer Bandschweißanlage sowie mit einer Aufwickelhaspel für den Abfallträgerstreifen (alles von Leicht Stanzautomation aus Bretten), dem Spritzgusswerkzeug zum Umspritzen des im Stanzwerkzeug in acht Bearbeitungsfolgen hergestellten Edelstahlclips (Werkzeuge von Kron aus Solingen) sowie der Spritzgussmaschine Allrounder 275V mit 25 Tonnen Schließkraft (von Arburg aus Loßburg), war voll funktionstüchtig. Hier entstanden Edelstahlclips mit Kunststoffgriff, die zur Anzeige des Kalendertages in ein Kalenderblatt eingesteckt werden. Die Zeiten umständlicher Logistik, wo bisher Stanzbänder oder schüttgut zum Kunstoffumspritzen oftmals viele Kilometer weit transportiert werden mussten, um dann möglichst genau in die Spritzgusswerkzeuge eingelegt und mit dem Kunststoff verheiratet zu werden, könnten bald der Vergangenheit angehören. Die Bearbeitungsschritte in einer Hybridbauteilfertigung dauern zwar länger als in reinen Stanz- oder Spritzgusslinien, aber durch den Wegfall beschriebener Logistik sowie durch die mögliche höhere Präzision (die Teile werden nicht mehr entnommen, bis sie fix und fertig aus der Linie fallen) machen diesen vermeintlichen Nachteil mehr als wett.

Hybride Welten

Zur ersten Messe-Pressekonferenz, zu der der Veranstalter, die Münchener Messe GmbH, lud, wurde auch klar, dass sich der Begriff »hybride Bauteile« in Zukunft sicher noch viel weiter fassen lässt. Denn was sind Leichtbaukarosserien heute anderes als hybride Konstruktionen? Die Rolle der Fügetechnik könnte weiter hervorgehoben werden. Und warum sollte das Thema hybride Antriebe nicht mit aufs Tapet kommen? Zunächst aber beschränkt sich die Startveranstaltung auf »metal meets plastics« und nur der Kuchen, den die Veranstalter (Bild 1 v. l.: Geschäftsbereichsleiter GW3 Kurt Schraudi, sein Stellvertreter Thomas Rehbein, die Projektleiterin Elen Richter-Maierhofer sowie der Geschäftsführer der Messe München, Klaus Dittrich) zur Feier des Tages anschnitten, war kunststoff- und metallfrei._

Erik Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 11-12/2008