Gebündelte Kompetenz im Anlagenbau

Titel/Bandanlagen und Richtmaschinen

Seit Ende Oktober 2014 ist die Schnutz GmbH aus Siegen in die Burghardt+Schmidt-Gruppe (B+S) aus Remchingen eingebunden. Die Burghardt+Schmidt GmbH ist nun der neue Inhaber und Partner im Bereich Blechverarbeitung. bbr sprach mit den Geschäftsführern Thomas Baral (B+S) und Dr. Lutz-Stefan Henrich (Schnutz).

04. Februar 2015
Wie bei B+S arbeiten auch bei Schnutz erfahrene Spezialisten.
Bild 1: Gebündelte Kompetenz im Anlagenbau (Wie bei B+S arbeiten auch bei Schnutz erfahrene Spezialisten. )

Von der gebündelten Kompetenz profitieren die Kunden beider Unternehmen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Kosten zu sparen, werden in einigen Bereichen, wie in der Verwaltung und im Vertrieb, Synergien genutzt. Schnutz, als Spezialist für Richtmaschinen bekannt, wird nun eng mit dem Anlagenbauer Burghardt+Schmidt GmbH kooperieren. Damit gehören jetzt zwei international bekannte Maschinenbauer zusammen. Die Produkte und die Märkte ergänzen sich, so dass künftig einem erweiterten Kundenkreis eine deutlich höhere Bandbreite an Leistungen angeboten werden kann. Wir sprachen mit den beiden zuständigen Geschäftsführern Dr.-Ing. Lutz-Stefan Henrich von Schnutz und mit Thomas Baral Geschäftsführer von Burghardt+Schmidt über die Zusammenarbeit und über die künftige Marktstrategie der beiden Traditionsunternehmen in der Blechverarbeitung.

Herr Dr. Henrich, Sie als alter und neuer Geschäftsführer von Schnutz kennen die Vorzüge Ihrer Erzeugnisse sehr genau. Ihr Unternehmen ist nach eigenen Aussagen ein Spezialist für Richtmaschinen und Bandzuführanlagen. Wie bewerten Sie die Zukunft Ihres Unternehmens an der Seite Ihres neuen Partners?

Dr. Henrich: Zunächst einmal ist es richtig, dass Sie von Partnerschaft sprechen. Es ist ja nicht erst seit kurzem so, dass die beiden Unternehmen B+S und Schnutz einen gemeinsamen Markt bearbeiten. Schnutz hat schon seit vielen Jahrzehnten Richtmaschinen gebaut, während B+S eine sehr hohe Reputation im Bereich Bandanlagen hat. Es handelt sich um eine ideale Verbindung, auf deren Basis wir erfolgreich weiterarbeiten und das gemeinsame Geschäft ausweiten können.

Was bedeutet das im einzelnen?

Dr. Henrich: Ein großer Vorteil ist ganz sicher die Zusammenführung von Know-how aus beiden Unternehmen. Unser Wissen in Bezug auf die Richtanlagen kann mit den spezifischen Kenntnissen von B+S zum Thema Bandanlagen so gebündelt werden, dass wir Synergieeffekte in der Entwicklung und beim Design der Anlagen nutzen können. Außerdem kann der Kunde eine erstklassige, auf seine individuelle Fertigungsaufgabe abgestimmte Lösung bekommen.

In der Projektierungsphase neuer Anlagen können wir von Anfang an von den Synergien profitieren und die spezifischen Fachkenntnisse schneller zusammenführen. In einer kompletten Anlage bilden Bandbearbeitung und Richtmaschine eine Einheit. Die Dimensionierung von der Projektierung über die Entwicklung bis hin zur Fertigung und Auslieferung kann nun wesentlich schneller und wirtschaftlicher ausgeführt werden.

Thomas Baral: Ergänzend dazu ist zu bemerken, dass wir, das Unternehmen B+S, seit 1945 komplette Bandanlagen bauen, wobei die Anwendungen zum Teil stark variieren. Unser Programm umfasst Längsteilanlagen, Streck-Biege-Richtanlagen, Querteilanlagen, Verlegespuler, Richtmaschinen und auf Kundenwunsch individuelle Sonderanlagen. Das bedeutete in der Vergangenheit, dass Burghardt+Schmidt und Schnutz sich im Bereich Richtmaschinen teilweise als Wettbewerber getroffen haben.

Darüber hinaus hat jedes Unternehmen natürlich weiterhin seine eigenen Produkte und Märkte, die wir intensiv weiterpflegen wollen. Für Schnutz gehören dazu zum Beispiel die Kunden im Bereich der Lochblechindustrie.

Für eine Übernahme seitens B+S war also das ergänzende Produktspektrum von Schnutz ein wesentlicher Faktor?

Thomas Baral: Ja, aber auch umgekehrt hat die Zusammenarbeit Sinn, weil ja die Schnutz GmbH Erzeugnisse vorweisen kann, die sehr gut zu unserer Strategie passen. Hier gilt es zwischen zwei verschiedenen Richttechnologien zu unterscheiden: Streck-Biege-Richtanlagen und Richtmaschinen. B+S ist Weltmarktführer im Streck-Biege-Richten dünner Materialien. Diese kommen weiterhin aus Remchingen. Im Gegenzug dazu werden die Richtmaschinen in Zukunft aus Siegen kommen. Allerdings gibt es noch einen wesentlichen Aspekt, der auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf. Wir als Hersteller kompletter Bandanlagen für die Blechverarbeitung müssen zunehmend höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der gesamten Anlagen erfüllen. Da ist das zusätzliche Know-how sehr willkommen.

Welchen Aspekt meinen Sie da genau?

Thomas Baral: Richtmaschinen gehören in vielen Blechbearbeitungslinien zu den ganz wichtigen Stationen. Vom Coil abgerollt sieht der Anlagenbediener oftmals nur die typische Coilkrümmung, die von dem Aufwickeln herrührt. Doch der Schein trügt. Meist sind es zusätzliche Unebenheiten und erhebliche Spannungen im Werkstoff, die eine optimale Weiterverarbeitung erschweren. Und weil immer mehr hochfeste Materialien verarbeitet werden müssen, ist es wichtig, eine breite Know-how-Basis zu haben. Mit der Forderung nach immer höheren Streckgrenzen muss zuallererst die Richtanlage für diese gestiegenen Anforderungen ausgelegt und dimensioniert werden. Aber das ist noch nicht alles. Hinzu kommen immer enger werdende Toleranzen, die seitens unserer Kunden gefordert werden. Zusätzlich kann die Aufgabe durch schwankende Materialqualitäten erschwert werden.

Wirken solche Umstände zusammen, braucht der Anlagenbauer schon sehr viel Erfahrung, um die bestmögliche Lösung zu konzipieren. An den Standorten in Remchingen und Siegen verfügen unsere Mitarbeiter über dieses Fachwissen. Wir werden an unseren Standorten in Deutschland festhalten und weiterhin ›made in Germany‹ für unsere Kunden in aller Welt produzieren.

Dr. Henrich: Die Richttechnik ist ein ganz elementarer Bestandteil der Prozesskette. Bei der Produktion vom Coil arbeiten unsere Richtmaschinen direkt in der Bandanlage. Die Unebenheiten im Blech müssen beseitigt und die Eigenspannungen reduziert werden, um die optimale Weiterverarbeitung zu gewährleisten. Die einfachste Aufgabe ist in solchen Fällen die Beseitigung der Coilkrümmung.

In vielen Anwendungsfällen wird eine perfekte Planlage auch dann erwartet, wenn im Laufe der weiteren Verarbeitung Teile aus dem Band ausgeschnitten oder ausgestanzt werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn nach dem Richten mit Lasern gefügt werden soll. Hier muss die Richtmaschine alle Formen von Planheitsfehlern beseitigen und für einen möglichst eigenspannungsarmen Zustand sorgen. Eine hohe Qualität beim Laserfügen wird nur dann erreicht, wenn die zu verbindenden Blechteile absolut plan sind.

Wie erreichen Sie dieses ›Plan-Ziel‹ beim Richten?

Dr. Henrich: Das Richten mit Walzen ist nach wie vor die beste Methode, um nicht nur plane Oberflächen zu erreichen, sondern auch noch die im Material vorhandenen Eigenspannungen zu minimieren.

Technologisch betrachtet ist der Richtvorgang eine in ihrer Richtung mehrfach wechselnde Biegeumformung. Beim Streckbiegerichten wird zusätzlich noch eine Zugspannung überlagert.

Das Material durchläuft beim konventionellen Richtwalzen ein System versetzt angeordneter Walzen, die mehrere Wechselbiegungen verursachen, und so ein Blech durch gezielte Krafteinwirkung über seine Streckgrenze hinaus plastisch verformen. Dabei wird das Blech im Einlaufbereich der Richtmaschine zunächst relativ stark verformt. Beim Durchlaufen der Richtmaschine nimmt die Größe der Verformung dann kontinuierlich ab, bis das Blech die gewünschte flache und ebene Form aufweist.

Thomas Baral: Richtmaschinen der neuesten Generation müssen immer präzisere Ergebnisse bei gleichzeitig größer werdenden Anforderungen liefern. In diesem Zusammenhang wurden ja bereits die hochfesten Stähle und die damit zusammenhängenden höheren Streckgrenzen erwähnt. Diese Maschinen sind somit in unseren kompletten Bandanlagen nicht unerheblich für die Qualität des fertigen Teils zuständig, das am Ende die Bandanlage verlässt. Bleche, die nicht zu einhundert Prozent plan sind, behindern vielfach die weitere Verarbeitung und sind auch die Ursache für fehlerhafte Teile, die am Ende der Bandanlage für vermehrten Ausschuss sorgen. Gute Richtmaschinen erhöhen somit die Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage.

Wirtschaftlichkeit ist ein gutes Stichwort. Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um die Verfügbarkeit der gesamten Bandanlage zu erhöhen und auf einem hohen Niveau zu halten?

Dr. Henrich: Für die Produktivität und die Wirtschaftlichkeit einer Bandanlage oder Richtmaschine sind Durchlaufgeschwindigkeit und Verfügbarkeit entscheidend. Darüber hinaus ist es oft wichtig, dass die Richtmaschine, wie auch die gesamte Anlage, einen großen Produktmix verarbeiten kann. Allein die Durchlaufgeschwindigkeit der Anlage zu erhöhen bringt wenig, wenn es Stationen in einer kompletten Bandanlage gibt, in denen prozessbedingt längere Stillstandzeiten entstehen.

Durch den Einsatz schnell auswechselbarer Richtwalzenkassetten kann einerseits die Verfügbarkeit deutlich erhöht werden. Andererseits kann durch Verwendung von Kassetten mit unterschiedlichen Durchmessern der Einsatzbereich der Richtmaschine und damit der mögliche Produktmix des Kunden deutlich erweitert werden.

Wir bieten Kassettenwechselsysteme mit unterschiedlichem Automatisierungsgrad an. In Abhängigkeit von der Größe der Richtmaschine ist damit ein Kassettenwechsel in wenigen Minuten möglich. So ergibt sich durch den Einsatz verschiedener Walzendurchmesser ein größerer ermöglichter Banddickenbereich.

Viele Kunden verwenden auch mehrere Kassetten mit gleichem Richtwalzendurchmesser. Sie haben dadurch die Möglichkeit, eine Kassette zu warten oder zu überholen, während die andere Kassette im Einsatz ist. Auch dies erhöht die Verfügbarkeit.

Thomas Baral: Der Service bei Schnutz und B+S beginnt mit der umfassenden Beratung in der Projektierungsphase. Oft sind in den Anfängen der Planungsphase die Erwartungen an die gewünschte Anlage noch nicht konkret definiert. Bereits in dieser Phase profitieren die Kunden von unserer Erfahrung und unserem Fachwissen.

Deshalb beraten wir den Kunden schon vor der Bestellung einer Anlage umfassend und kompetent bei der technischen Auslegung seiner Maschine und Anlage.

Dr. Henrich: Abschließend zu erwähnen ist der Service durch die eigenen Mitarbeiter. Die Mitarbeiter kennen die Maschinen und Anlagen und können im Servicefall kurzfristig eingreifen. Probleme werden im Einzelfall mit dem Kunden erörtert und eine Lösung gefunden. Von Fall zu Fall wird entschieden, ob beispielsweise die Walzen einer Richtmaschine ausgetauscht werden müssen oder ob es ausreicht, sie nachzuschleifen.

Mit der Auslieferung einer Anlage gehört zu unserem Angebot, das künftige Personal mit der neuen Anlage vertraut zu machen. Zu diesem Zweck stehen zum Beispiel in unserem Technikum hier in Siegen moderne Richtmaschinen zur Verfügung. Selbstverständlich ist auch unser Außendienst so geschult, dass er direkt vor Ort mit Rat und Tat helfen kann.

Hans-Ulrich Tschätsch

Fachjournalist aus Essen

Hintergrund

Burghardt+Schmidt ist ein international ausgerichtetes Unternehmen und steht seit 1945 für hohe Präzision beim Schneiden und Richten auch dünner und empfindlicher Metallbänder. Die Maschinen und Anlagen sind bei führenden Unternehmen weltweit im Einsatz. SCHNUTZ ist spezialisiert auf branchenspezifische, individuelle Lösungen für Richtmaschinen und Bandanlagen für Bleche und Bänder. Beide Unternehmen verfügen über eine hohe eigene Fertigungstiefe und können ihre Kunden daher mit qualifizierten Serviceleistungen unterstützen – auch vorbeugende Instandhaltung gehört zum Repertoire. Einfache Probleme können meist online gelöst werden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2015