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Technik

Zeulenroda, eine Stadt im Thüringer Vogtland, ist traditionell eine Maschinenbau-Hochburg. Seit Jahrzehnten werden dort Blechverarbeitungsmaschinen hergestellt. Eines der dort ansässigen Maschinenbau-Unternehmen ist die Zeulenroda Presstechnik GmbH, vormals Raster Zeulenroda Werkzeugmaschinen GmbH. Dieses inzwischen zur Profiroll Technologies GmbH gehörige Unternehmen besteht seit 1868 am heutigen Standort und fertigt Maschinen und Anlagen für die Stanz- und Umformtechnik.

06. Oktober 2016

Die Kernkompetenz des thüringischen Unternehmens liegt auch künftig bei den Hochleistungs-Stufenumformautomaten, bei den Stanz- und Umformautomaten, bei den hydraulischen Ein- und Zweiständerpressen sowie bei den hydraulischen Werkzeugprobierpressen. Im Bereich der Lohnfertigung werden außerdem Schweiß- und Bearbeitungsteile auch branchenübergreifend gefertigt. Aktuell wurden Maschinen an die Kräwa GmbH in Renchen-Erlach (Baden-Württemberg) und an die Cawi Stanztechnik GmbH in Schwarzenberg, Erzgebirge, ausgeliefert.

Ungefähr 75 Mitarbeiter arbeiten bei Zeulenroda Presstechnik daran, individuell angepasste Pressen und Umformautomaten für unterschiedliche Einsatzgebiete zu konstruieren und zu fertigen. »Die Maschinenfertigung in unserem Haus orientiert sich an den höchsten technischen Standards und findet in enger Absprache mit unseren Kunden statt.« So bringt der Vertriebsleiter Bernd Donath die Aktivitäten seines Unternehmens auf den Punkt. Das Ergebnis sind verlässliche, effektive Maschinen mit hoher Produktivität, die optimal auf den Nutzen der Kunden zugeschnitten sind. Der Unternehmensgrundsatz lautet: immer eine optimale Lösung, die den hohen Ansprüchen der Anwender entspricht.

Das ist auch die Erfahrung der Nutzer. So bestätigt die Geschäftsführung der Kräwa GmbH aus dem badischen Renchen-Erlach, dass die neue Maschine die Prozesssicherheit der gesamten Fertigungslinie maßgeblich erhöhe. Gründe, die genannt werden, könnten so auch aus einem Werbeprospekt stammen: Die an jeder Arbeitsstation integrierte aktive Presskraftüberwachung ermöglicht eine gute Kontrolle des laufenden Umformprozesses. Hervorgehoben wird in erster Linie die stabile Bauweise der mit hoher Führungsgenauigkeit ausgeführten Maschinen. So würden zum einen die Qualität der Tiefziehteile sichergestellt und zum anderen wichtige Erkenntnisse zur weiteren Prozessoptimierung gewonnen. Auch im Servicefall könne man sich jederzeit auf kompetentes und engagiertes Personal aus Zeulenroda verlassen. Die Experten aus Thüringen sind, wenn es erforderlich ist, innerhalb eines Tages vor Ort.

Bis zu 14 Stationen

Die angesprochenen Tiefziehteile, die bei Kräwa für den Bereich Automotiv hergestellt werden, bestehen aus bis zu 3 mm starken Blechen und werden in bis zu 14 Arbeitsstationen mit einer maximalen Ziehtiefe von 110 mm auf der neuen Maschine gefertigt. Der Stufenumformautomat arbeitet autark und braucht daher nicht in weitere automatisierte Fertigungsabläufe eingebunden werden. Aus dem Bandmaterial, das über einen CNC- Zick-Zack-Walzenvorschub zugeführt wird, werden zunächst ›Ronden‹ ausgeschnitten, die dann über ein integriertes Transfersystem durch unterschiedliche Arbeitsstufen geführt werden. Bei jedem Stößelhub werden in den einzelnen Werkzeugen die Stadien umgeformt, beschnitten, gelocht oder geprägt, sodass in der letzten Arbeitsstufe der Presse ein hochkomplexes Umformteil die Presse verlässt.

Dieses technologische Herstellungsverfahren bezeichnet der Vertriebsleiter der Zeulenroda Presstechnik GmbH, Bernd Donath, als effektive und wirtschaftliche Möglichkeit, um komplexe Zieh-, Biege-, Präge und Schneideteilen schnell und rationell in Serienproduktion herstellen zu können. Bernd Donath: »In den schnellen und präzise arbeitenden Stufenumformautomaten von Zeulenroda Presstechnik durchlaufen Platinen und Umformteile je nach Pressentyp bis zu 28 unterschiedliche Umformstufen. Zum Leistungsumfang unserer Stufenpressen gehören moderne IPC-Steuerungen oder SPS mit TFT-Bildschirm. Dieser gewährleistet eine optimale Maschinenbedienung, einen reibungslosen Produktionsablauf und die Erfassung der Betriebsdaten und bietet die Möglichkeit der Fehlerdiagnose und Fernwartung.« Der Bediener der Presse erhält jederzeit umfassende Informationen über den Status der Presse und den zu bearbeitenden Auftrag. In einer umfangreichen Werkzeugdaten-Verwaltung werden alle Prozessparameter der einzelnen Werkzeugsätze hinterlegt. Diese können bei jedem Werkzeugwechsel wieder hochgeladen werden, wodurch Rüstzeiten und Fehleinstellungen reduziert werden. Die Maschinengestelle der Stufenpressen bestehen aus einer geteilten und spannungsarm geglühten Stahl-Schweißkonstruktion, die durch Zuganker miteinander verspannt ist.

Durch die große Fertigungstiefe bei Zeulenroda Presstechnik GmbH können die meisten Bauteile im eigenen Haus hergestellt werden, wodurch auch im Servicefall schnell reagiert werden kann. Der Standard-Presskraftbereich der Stufenpressen aus Zeulenroda liegt bei 160 bis 8000 kN. Je nach Baugröße und Pressenausführung sind 260 Hübe pro Minute realisierbar.

Höhere Ausbringung durch Schleppkurbelantrieb

Zur Steigerung der Teileausbringung auch bei reduzierten Umformgeschwindigkeiten sind Stufenpressen aus Zeulenroda mit einem optionalen Schleppkurbelantrieb die ideale Lösung. Dieser ermöglicht bei konstanter Eingangsdrehzahl des Pressenantriebes, die Drehzahl der Kurbelwelle und somit die Geschwindigkeit des Pressenstößels während eines Hubes so zu modifizieren, dass die Auftreffgeschwindigkeit der Werkzeuge und die Umformgeschwindigkeit deutlich reduziert werden. Die Standzeit der Werkzeuge sowie die Teilequalität werden dadurch wesentlich erhöht. Die geringere Umformgeschwindigkeit während des Umformprozesses wird durch eine schnellere Stößelbewegung nach dem unteren Totpunkt wieder kompensiert. Die Schleppkurbelantriebe werden individuell nach Kundenanforderung auf die verschiedenen Baureihen mit Ober- oder Unterantrieb entwickelt und gebaut. Pressen mit Schleppkurbeltrieb stellen heute für viele Kunden eine gute preisliche Alternative zu den am Markt etablierten Servo-Pressen dar, die ebenfalls seit Jahren in Zeulenroda gebaut werden.

Pressenlinie geht ins Erzgebirge

Drei weitere, allerdings mit Hydraulik-Systemen ausgerüstete Maschinen wurden von Zeulenroda aus ins benachbarte Erzgebirge ausgeliefert. Die in Schwarzenberg ansässige Cawi Stanztechnik GmbH stellt dort mit rund 200 Mitarbeitern Zulieferteile für die Automotive-Industrie her. Im Einzelnen sind das Strukturteile für die KFZ-Bereiche Karosserie, Chassis, Fahrwerk und Abgassysteme. Die für die wirtschaftliche Fertigung dieser Komponenten notwendige hydraulische Pressenlinie besteht aus insgesamt drei Maschinen inklusive einer Coilband-Anlage mit einer Bandbreite von 1.400 mm. Die Kopfpresse hat eine Presskraft von 10.000 kN. Die beiden nachfolgenden Maschinen jeweils 630 t. Die Tische sind jeweils 3.000 mm lang. Die Einbautiefe beträgt 1.400 mm. Dabei ist bei dieser Maschinenlinie die gesamte Tischlänge inklusive eines Transfersystems nutzbar. Ein Vorteil, den der Leiter des technischen Vertriebs bei Cawi Rocco Becker als wesentliche Vorrausetzung für Werkzeugkonzeptlängen bis 9.000 mm beschreibt. Rocco Becker: »Alle Pressen haben ein Ziehpinolenbild mit einem Rastermaß von 150mm. Das versetzt uns künftig in die Lage, größere Blechformteile als bisher herzustellen und am Markt anzubieten.« Becker spricht in diesem Zusammenhang von Kfz-Sitzschalen, Sitzwangen für Arm- und Sitzlehnen, aber auch von Abgassystemteilen oder Ölwannen, die nun mit größeren Abmessungen angeboten werden können.

Im Vergleich zu der bisherigen Pressenlinie mit vier Maschinen mit je 4000 kN Presskraft und einer Tischgröße von je 1.000 mm kann mit der neuen Maschinenanlage die Produktivität wesentlich erhöht werden. Es gibt aber auch wegen der größeren Einbaumaße für Werkzeuge wesentlich mehr Möglichkeiten das Teilespektrum zu erhöhen. Zur Wahl des Maschinenantriebs sagte Rocco Becker: »Bei komplexen Ziehteilen bietet aus unserer Sicht der hydraulische Antrieb wesentliche Vorteile bei der Herstellung komplizierter Umformteile.«

Retrofit ist auch eine Lösung

Es sind aber nicht nur mechanische und hydraulische Pressen, die als neue Maschinen von der Zeulenroda Presstechnik GmbH ausgeliefert werden. Ein Anteil von rund 15 Prozent des Umsatzes wird durch die Modernisierung und Generalüberholung von Pressen generiert, die sich bereits viele Jahre im Produktionseinsatz befinden. Wie Bernd Donath in diesem Zusammenhang erläuterte, kann es für zahlreiche Kunden durchaus vorteilhaft sein, sich für Retrofitmaßnahmen betagter Maschinen zu entscheiden. Donath: »Eine Investition in neue Antriebe, neue und moderne Steuerungssysteme, eine moderne Maschinenschmierung und nicht zuletzt eine neue Farbgebung machen aus einem alten Maschinenpark eine preiswerte Alternative zum Neukauf.« Auch eine gründlich überholte Maschine erfüllt die aktuellen Vorgaben der Maschinenrichtlinien und Normen. Das gilt auch für die Forderungen nach optimaler Energieeffizienz. Wie eine derartige Generalüberholung aussieht, kann auf dem Messestand der Zeulenroda Presstechnik GmbH während der Euroblech besichtigt werden. Das dort gezeigte Exponat ist eine von rund 60.000 Pressen, die in Zeulenroda im Laufe der Unternehmensgeschichte seit 1868 hergestellt wurden.

Hans-Ulrich TschätschFachjournalist aus Essen

Euroblech Halle 16, Stand A52

Tradition Innovation

Die Zeulenroda Presstechnik GmbH fühlt sich dem Grundsatz der Einheit von Tradition und Innovation verpflichtet. Diese Verpflichtung geht aus der langen Geschichte des Unternehmens hervor. Seit über 140 Jahren fertigt Zeulenroda Presstechnik im thüringischen Zeulenroda individuell angepasste Pressen und Umformautomaten. Diese Erfahrung ergänzt sich hervorragend mit modernstem technischem Fachwissen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2016